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Umfrage: Automanager setzen auch auf Wasserstoff

(Foto: Stephen Barnes/ Shutterstock)

Die deutschen Autobauer müssen jetzt rasch Elektroautos verkaufen, wenn sie die Klimavorgaben der EU erfüllen und Strafzahlungen vermeiden wollen. Aber für die Zukunft ist die Batterie nicht die einzige Option.

Deutsche Automanager setzen beim Wechsel zu klimafreundlichen Antrieben nicht nur auf Elektroautos mit Batterie, sondern auch auf die Brennstoffzelle mit Wasserstoff. Die Unternehmensberatung PWC hatte 210 Führungskräfte der Branche befragt – 83 Prozent fordern von der Politik eine technologieoffenere Unterstützung von Mobilität.

Acht von zehn befragten Managern sehen auch die Autobauer selbst in der Pflicht, technologieoffen zu forschen und zu entwickeln, um alle Möglichkeiten für klimafreundliche Mobilität auszuschöpfen. Eine Option sei die Brennstoffzelle, „vor allem wegen der umweltfreundlicheren Produktion im Gegensatz zur Batteriezelle“, erklärte die Berater. PWC will die Studie an diesem Montag veröffentlichen.

Unterschiedliche Meinungen zu Brennstoffzellen

Unternehmensberater bewerten die Brennstoffzelle allerdings kontrovers. Sie macht aus Wasserstoff und Sauerstoff Wasserdampf und Strom – der Strom treibt dann einen E-Motor an. Tankzeit und Reichweite der Autos entsprechen denen von Benzinern. Deutsche Unternehmen sind führend bei Wasserstofftechnologien. Aber zur Herstellung des Wasserstoffs braucht es erst einmal viel Strom, die Technik ist teuer.

PWC-Strategy-&-Europachef Peter Gassmann sagte, mit technologieoffener Forschung und Entwicklung „kann die Umstellung auf klimafreundliche Antriebe hierzulande deutlich vorangetrieben werden“. Deutschland und Europa müssten sich von Produktionsstandorten in Asien emanzipieren und lokale Kompetenzen und Kapazitäten ausbauen. Das helfe, „die Konkurrenzfähigkeit der Autobranche als Schlüsselindustrie Deutschlands gegenüber amerikanischen und chinesischen Wettbewerbern zu sichern.“

Thomas Schiller, Autoexperte der Unternehmensberatung Deloitte, sagte der dpa: „Die Frage ist, ob die E-Mobilität in zehn Jahren noch in ihrer jetzigen Form Bestand hat. In China sinkt die Nachfrage nach E-Autos massiv, seit der Staat die Subventionen gestrichen hat. Beispielsweise investiert Japan in Wasserstoff.“

Sein Kollege Andreas Jentzsch von der Boston Consulting Group (BCG) dagegen sagte dpa: „Langfristig ist die Batterie nicht zu schlagen, es gibt keine Alternative. Sie werden leistungsstärker und günstiger werden, Feststoffbatterien werden weniger Rohstoffe brauchen.“ Wasserstoff sei eine Lösung für Lastwagen im Fernverkehr.

Wann rentiert sich ein E-Auto?

Für das Klima rentiere sich ein E-Auto heute erst ab 80.000 Kilometern Fahrleistung, „mit Ökostrom- oder Atomstrom und Batteriefertigung in Europa jedoch schon ab 40.000 Kilometern“. Seine Prognose: „E-Autos für unter 40.000 Euro mit 400 Kilometern Reichweite werden den Durchbruch bringen.“

Allerdings werde der Aufbau von Ladesäulen der Flaschenhals sein in den nächsten Jahren. „Denn das Ladenetz wird nicht so schnell wachsen wie der Absatz der E-Autos“, sagte Jentzsch. Die Autobauer müssten diese Autos jetzt unbedingt verkaufen: „Der Hochlauf muss jetzt kommen! Nächstes Jahr dürfen die neuen Autos in der EU im Durchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 ausstoßen, sonst wird’s teuer für die Hersteller.“

Elmar Kades, Autoexperte der Unternehmensberatung Alixpartners, sagte: „2050 müssen wir klimaneutral sein. Das heißt neue Entwicklungen: Batterie, Wasserstoff, und auch optimierte Verbrenner, eventuell mit synthetischen Kraftstoffen.“ Auf dem Land ergebe der Verbrenner auch 2040 Sinn. „Aber 2050 werden zwei von drei Auto auf der Straße elektrisch oder mit Wasserstoff fahren. Den Wandel muss man jetzt aktiv gestalten.“

Deloitte-Autoexperte Schiller sieht die Branche in der Zwickmühle: „Die Autohersteller haben heute die Wahl, ob sie hohe CO2-Strafen an die EU zahlen oder E-Autos zu Preisen verkaufen, bei denen sie wenig bis nichts verdienen. E-Autos werden noch in den nächsten Jahren ein Zuschussgeschäft sein.“ Das ändere sich erst, wenn sie auf hohe Stückzahlen kommen. Kades sagte: „Die Gewinne der Autohersteller geben weiter nach. Vor ihnen liegt eine Margenwüste.“ Investitionen stiegen, die Kosten sänken nur langsam. Aber wer es „durch die Wüste schafft, wird als Gewinner hervorgehen“.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht „grünen“ Wasserstoff in einer Schlüsselrolle bei der Energiewende. Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat mehr Tempo bei der Verbreitung von Antrieben mit Brennstoffzellen gefordert. dpa

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Ein Kommentar
Kantenhuber
Kantenhuber

Es ist einer der vielen unsäglichen immer wiederkehrenden Ansagen, dass alternativ zum Akku-Auto das Wasserstoffauto mit einer Brennstoffzelle die Ultima-Ratio sein könnte.

Dabei wird glanzlos übersehen, dass diese Art Antrieb eigentlich simpel ein Generatorsystem darstellt, bei dem allerdings die Verbrennung rein chemisch funktioniert, anders als bei einem Verbrenner alter Machart. Sicherlich naheliegend, aber in erster Linie ist entscheidend, wie dieser Wasserstoff hergestellt wird.

H2 ist nur dann entscheidend, wenn er in Form der CO2 Synthese hergestellt wird und diese Form des Energieträgers ist nur eine von mehreren Derivaten aus ein und der gleichen Technologie. Entscheidend ist, dass man mit dieser Form der Grundstoffherstellung CO2 aus der Luft abspalten kann und für deren Herstellung vor allem regenerative Prozesse entscheidend sind, sonst macht das keinen Sinn. Ob H2 für den Autoverkehr eine entscheidende Rolle spielen kann, hängt auch von seiner unproblematischen Distribution ab – und da gibt es durchaus erhebliche Zweifel.

Für die lange Strecke, das ist inzwischen relativ unzweifelhaft, wird es als praktikable Alternative und auf längere Sicht betrachtet nur den Generatorantrieb geben. Entscheidend ist, dass dafür eine ernsthafte Schadstoffreduzierung und eine Reduzierung des Verbrauchs überhaupt statt findet. Und um genau den Punkt drücken sich die Hersteller und Entwickler bis heute, in dem sie unplausible Hybridsystem anstatt simplerer Antriebe in den Markt drücken wollen.

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