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Umfrage vor der IAA: E-Autos und autonomes Fahren haben es in Deutschland schwer

Eine Elektroautoladestation nach dem Chademo-Standard. (Foto: Yauhen_D / Shutterstock.com)

Knapp zwei Drittel der Deutschen wollen kein Elektroauto haben, in ein autonomes Fahrzeug würde nur jeder Zweite einsteigen. Kurz vor der IAA 2019 zeigt eine neue Umfrage die Gründe.

Elektroautos und autonomes Fahren haben in Deutschland einen schweren Stand. Nach wie vor sind viele Menschen skeptisch gegenüber den beiden Zukunftstechnologien, wie eine Umfrage der Beratungsgesellschaft EY kurz vor der Automesse IAA in Frankfurt ergab. Dabei zeigt sich, dass vor allem drei klassische Probleme das Verbraucherinteresse weiter schmälern: Reichweite, Kosten, Ladenetz.

Umfrage: Elektroautos für viele „derzeit keine Option“

Eine klare Mehrheit von 2.500 befragten Erwachsenen findet E-Fahrzeuge zu unpraktisch und zu teuer. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Teilnehmer gaben an, dass die Stromer für sie derzeit keine Option sind. Dabei nannten 28 Prozent eine zu geringe Reichweite aktueller Modelle als Hauptgrund, 27 Prozent den vergleichsweise hohen Kaufpreis, 13 Prozent das noch dünne Ladenetz und 11 Prozent die langen Ladezeiten. Eine Konsequenz: Mehr als die Hälfte (53 Prozent) will sich als nächstes Auto einen Benziner oder Diesel zulegen.

Währenddessen erklärte nur etwas mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Befragten, Elektroautos interessant zu finden und selbst auch eines fahren zu wollen. 22 Prozent könnten sich dabei mit einem Hybridwagen anfreunden, lediglich 9 Prozent mit einem reinen E-Auto.

Autonomes Fahren: Viele Menschen sehen Sicherheitsbedenken

Ohne größere Marktanteile für Elektrofahrzeuge sind die verschärften Klimaschutzziele der EU – zumal bei gleichzeitig anhaltendem Boom schwerer SUVs – nicht zu halten. Trotz staatlicher Förderung und Kaufprämien fristet die Technik in Deutschland jedoch weiter ein Nischendasein. EY-Autoexperte Peter Fuß kritisierte: „Den Herstellern und der Politik ist es bisher nicht gelungen, dem Großteil der Autokäufer den Mehrwert der E-Mobilität zu vermitteln.“ Insbesondere die schlechte Infrastruktur für alternative Antriebe sei ein Problem.

Kaum besser sieht es bislang für das autonome Fahren aus, dem viele Menschen wegen Sicherheitsbedenken, ethischer Fragen oder Haftungsrisiken mit gemischten Gefühlen begegnen. Fast die Hälfte (49 Prozent) der von EY Befragten will nicht in einem vollständig autonom funktionierenden Wagen sitzen.

Teilautonome Fahrzeuge, in denen der Fahrer in bestimmten Situationen noch mitentscheiden kann, lehnen 30 Prozent ab. Nach Einschätzung von EY spielen bei der geringen Akzeptanz „einige – auch tödliche – Unfälle“ eine Rolle. Jüngere Leute antworteten jedoch, dass sie elektrisch und autonom fahrenden Autos offen gegenüberstünden. dpa

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6 Kommentare
xordinary
xordinary

Immer, wenn ich solche Umfragen lese, überlege ich mir wieder, wie es in diesem Land eigentlich noch weiter gehen soll. Wir waren mal DIE führende Nation von Erfindern, Entwicklern und OFFEN für Neues. Heute sind wir nur noch hauptberufliche Zauderer und Bedenkenträger, während uns ALLE anderen links und rechts mit Vollgas überholen.

Wenn ich tatsächlich lese, dass der hohe Preis (der das eigentlich einzige derzeitige Argument ist) gerade mal für ein gutes Viertel eine Rolle spielt, hingegen aber die angeblich zu geringe Reichweite (die im Alltag einfach schlicht kein Problem ist, wie ich aus höchstpersönlicher Erfahrung nun wirklich berichten kann), dann zeigt das, dass es hier keineswegs um sachliche Argumente oder Fakten geht, sondern um Vorurteile, Halbwissen und „Gefühle“.

Ganz, ganz schräg!

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Dipl.Ing
Dipl.Ing

Hallo Xordinary,
Hier ein Beispiel, was mit harten Fakten gegen E-Autos spricht (Daten basieren auf VW Werksangaben und CO2 Equivalenten der Bafa):
VW Up (Benzin): 9,905 Kg Co2/100kg
VW Up (Elektro): 6,28 Kg Co2/100kg
VW Up (Erdgas): 6,151 Kg Co2/100kg

Warum sollte ich also aus Umweltsicht einen Elektro-Up kaufen? Der Erdgas Up erzeugt im Betrieb weniger Co2 ohne auch nur die Co2 Bilanz der Produktion zu betrachten.
Besonders interessant wird diese Betrachtung, dass man sowohl Erdgas als auch Benzin als E-Fuel Co2-neutral herstellen kann.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Weil das schlicht Bullshit ist den außer ein paar Stammtischlern niemand glaubt. Erdgas besteht aus Dinosauriern und ist niemals CO2-neutral. Der Ökostrom den die sechs Elektroautobesitzer in meinem Bekanntenkreis beziehen, aber sehr wohl. Die geschönten Rechnungen der Dinolobbyisten gehen nämlich davon aus dass Elektroautobesitzer den klassischen Strommix beziehen, was vollkommener Blödsinn ist.

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Christian Wolff

Diese CO₂-Berechnung für den Elektro-VW hat aber einen entscheidenden Fehler: Sie geht davon aus, dass der benötigte Strom ebenfalls durch Verbrennung erzeugt wird. Wenn man auf dem Land wohnt und sich seinen Ladestrom zum Beispiel durch regenerative Energien selbst erzeugt, stimmt diese Zahl nicht mehr.

Selbst in einer Großstadt kann in einer Tiefgarage der Ladevorgang durch eine einfache Schukosteckdose erfolgen (wird zwar nur langsam geladen, aber hat ja Zeit und reicht für das, was in einer Stadt gefahren wird, allemal!). Hier wird der Nachtstrom genutzt, bei dem die Anbieter sowieso nicht so recht wissen, wohin damit, weil die meisten Stromverbraucher nur tagsüber arbeiten.

Die größten Einsparungen erfolgen bei einem Elektro-Auto aber durch die Fahrweise und die extrem geringen Wartungskosten. Dazu kommt, dass zum Beispiel die Bremsen weniger belastet werden, weil meist durch den Motor gebremst wird und nur der letzte Meter (oder eine Notbremsung) mechanisch gebremst wird. Der Motor arbeitet dann als Generator und lädt die Batterie wieder auf! Alle anderen Verbrennungsmotoren werden die beim Bremsen entstehende Energie nur in Abwärme und Verschleiß umsetzen.

Also vergiss das Erdgas!

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Dipl.Ing
Dipl.Ing

Die Berechnung, geht vom aktuellen deutschen Strommix aus, und der wird sich mit mehr Elektrofahrzeugen mittelfristig nicht verbessern.

Fossiles Erdgas ist sicher nicht das Mittel der Wahl.
Man kann Methan (also Erdgas) aber problemlos aus (solaren) Strom in sonnenreichen Gegenden herstellen
-> Stichwort E-Fuel.
Das schöne daran, man braucht nur ein Minimum an neuer Infrastruktur ist zu 100% CO2 neutral unterwegs und hätte die wichtigen Nachteile wie Ladezeiten Reichweite und Speicherbarkeit gelöst.

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Torsten der Zauberer
Torsten der Zauberer

tl, dr: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Schön dass alle genannten Bedenken Meinungen und keine Fakten sind. Die ändern sich ja fast täglich…

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