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Kolumne

Die besten Unternehmen sind die, die kein Geld verdienen wollen

(Foto: Relativity)

Unternehmen treten an, um Geld zu verdienen? Falsch. Wer Gewinn machen will, geht am Ende baden. Wenn du jedoch den Kunden im Fokus hast, kommt das Geld von allein.

Da ist dieses Unternehmen, das sich selbst eine „App-Entwicklungsbude“ nennt. Seit acht Jahren am Markt, ist die Mannschaft inzwischen auf 25 Mitarbeiter angewachsen. Nicht schlecht, oder? Und welche App haben die so entwickelt? Keine einzige. Wie bitte?

Die Gewinnfalle

Die App-Bude ist kein Einzelfall. „Ich erlebe immer wieder, dass Unternehmen aus dem Blick verlieren, warum sie einst angetreten sind“ beschreibt Olaf Kapinski, IT-Führungskräfte-Coach und Herausgeber des „Leben Führen Podcast“, die Situation. „Sie fangen an, sich mit Dingen zu beschäftigen, die gutes Geld abwerfen, die Firma jedoch inhaltlich keinen Schritt weiterbringen.“ Damit blockiere das Unternehmen wichtige Zeit-Ressourcen, die für den eigentlichen Unternehmenszweck nicht mehr zur Verfügung stehen. „Wer jetzt Blut leckt, tappt in die Falle“, so Kapinski. Aus einem Auftrag werde ein zweiter. „Und so schleicht sich klammheimlich das Geldverdienen in den Fokus.“ Der Gewinn werde zum Maßstab unternehmerischen Tuns.

Gewinnstreben macht dumm

Na und? Was ist denn so schlimm daran, Geld zu verdienen? Unternehmen haben doch naturgemäß so zu wirtschaften, dass etwas übrigbleibt. „Am Geldverdienen ist überhaupt nichts auszusetzen. Im Gegenteil“, erklärt Kapinski das Missverständnis. Das Problem sei nicht das Geldverdienen, sondern das Geldverdienen-Wollen. „Gefährlich wird es, wenn du morgens aufstehst, weil du dein Portemonnaie füllen willst.“

Mit tragischen Konsequenzen. Denn wenn der Hauptsinn des Unternehmens darin besteht, Geld zu verdienen, dann machen alle genau das, was Geld bringt. Nicht mehr und nicht weniger. Innovationen finden in diesem Mindset nicht mehr statt. „Wir sehen das an den großen Aktiengesellschaften, die ausschließlich gewinnorientiert handeln – und handeln müssen“ so Kapinski. Denn Aktionären gehe es einzig und allein um Rendite. Und alles, was diese schmälert, werde abgestraft. „Auf einem solchen Boden wachsen keine Innovationen. Einem Aktionär kannst du nicht begreiflich machen, dass man jetzt Geld in die Hand nehmen und etwas ausprobieren will.“ So hätten die Automobilkonzerne beispielsweise das Thema E-Mobilität komplett verschlafen. Unsere App-Entwicklungsbude pimpt seit acht Jahren bestehende Apps bei anderen Unternehmen – man strickt etwas hier dran, programmiert dort etwas um. Ein neuer Stern am App-Himmel sieht anders aus. Das Modell wird sicher noch eine ganze Weile funktionieren. Solange, bis ein anderer Dienstleister mit besseren Konditionen auftaucht.

Wenn ein Unternehmen ausschließlich am Gewinn interessiert ist, sei klar, dass Geld nicht ins Unternehmen, sondern aus dem Unternehmen herausfließt. Damit sei maximal Mittelmaß möglich. „Auf lange Sicht ist damit der Untergang des Unternehmens vorprogrammiert“, ist Kapinski überzeugt.

Mit dem Kunden kommt das Geld

Besser fahren Unternehmen, die den Kunden in ihren Fokus rücken – nicht den Gewinn. „Der Sinn einer Firma ist es, einen Mehrwert beim Kunden zu schaffen“, ist Kapinski überzeugt. Es gelte, passionierte Läufer zu begeistern, Kaffee-Genießer zu verzücken oder Berufspendler zu verwöhnen. „Im Fokus sollte nur der Kunde stehen, idealerweise sogar ohne Produkt“, rät Kapinski. „Denn nur so entsteht Raum für Genialität.“ Nur so sei ein Unternehmen in der Lage, den besten Sprint-Schuh zu entwickeln, einen umwerfenden Kaffee zu rösten oder das leichteste Mini-Rad zu entwickeln. Klar müsse ein Unternehmen auch Geld verdienen. Aber das geschehe von ganz allein. „Der Clou ist: Wenn wir es dem Kunden recht machen, dann kommt das Geld automatisch“, so Kapinski. „So ist Gewinn stets das Ende der Kette, nie der Anfang.“

Ein Bier ist noch nicht gefährlich…

Nun ist Unternehmertum kein Wunschkonzert. Es läuft nicht immer so, wie sich das der Gründer einst vorgestellt hat. Was tun, wenn die Firma eine Durststrecke hat und ein ertragreicher Auftrag winkt? Ablehnen? Und das Überleben der Firma aufs Spiel setzen? „Ich verstehe sehr gut, wenn ein Unternehmen in einer wirtschaftlich misslichen Lage einen Auftrag annimmt – einfach, um erstmal weitermachen zu können“ lenkt Kapinski ein. „Aber genau hier lauert die Gefahr. Ein Bier ist nicht schädlich. Aber jeden Abend eine Kiste bringt dich um.“ Plötzlich würde nach weiteren Quellen Ausschau gehalten, anstatt die eigene Genialität zu füttern. „Und in null Komma nichts hat sich der Gewinn an den Anfang der Kette gemogelt“, warnt Kapinski. Gerade Mittelständler seien besonders anfällig dafür, sich von ihrer ursprünglichen Idee wegzubewegen.

Und woran erkenne ich als Unternehmer, dass etwas schiefläuft? „Sobald dir die Top-Leute nachts um 3 den Mehrwert nicht mehr nennen können, den sie für ihre Kunden stiften“, so Kapinski.

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