Ratgeber

Wie verändert künstliche Intelligenz unsere Gesundheitsbranche?

(Foto: David Tadevosian/Shutterstock)

Smartphones, selbstfahrende Autos und Roboter, die Pakete ausliefern. Alles schon gehört oder gesehen. Die Digitalisierung schreitet in allen Lebensbereichen voran – auch in die Gesundheitsbranche hält künstliche Intelligenz immer mehr Einzug.

Der Startschuss fiel mit der sogenannten E-Health, die praktische Erfindungen wie die elektronische Gesundheitsakte hervorbrachte, sich weiterentwickelte zu Vitalfunktionsüberwachenden Wearables, Fitness-Trackern, Terminvergabe-Apps bis hin zu Online-Apotheken.

Was kann künstliche Intelligenz besser?

Die Digitalisierung rast. Nächste Stufe: künstliche Intelligenz. Bedeutet, ein Problem per Computer so zu lösen, wie der Mensch es machen würde. Es läuft dann automatisiert ab, weil die KI menschlich denkt und handelt. Da stecken wir allerdings trotz großartiger Erfolge noch in den Kinderschuhen. Viel passiert ist in den letzten Jahren im Bereich der anwendungsbezogenen künstliche Intelligenz, deren Problemlösungskompetenzen auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt sind – so auch im Gesundheitsbereich. Hier besteht ein großes Potential, das weit über Sachbearbeitungsaufgaben wie das Speichern von Patientendaten in Praxen und Kliniken hinausgeht.

Vorteile der künstlichen Intelligenz im Gesundheitsbereich

Werden Roboter eines Tages die besseren Ärzte sein? Einige Experten für künstliche Intelligenz behaupten dies bereits jetzt. Fakt ist: Sie ermüden nicht, brauchen keinen Urlaub, sie sind zuverlässig und treffsicher. Nach der Einarbeitung und genügend gesammelten Informationen und Algorithmen sind sie beispielsweise in der Lage, Entscheidungen zu treffen – einzig aufgrund von Wahrscheinlichkeiten und Krankengeschichten. Aber kann das funktionieren? Schließlich predigen Ärzte seit jeher, der persönliche Kontakt zum Patienten sei wichtig. Man könne ausschließlich mit Bauchgefühl und Erfahrung wirklich heilen.

Kostenersparnis in Milliardenhöhe

Studien und Experten zeigen eindeutig: Kosten in Milliardenhöhe im gesamten Gesundheitssystem können durch künstliche Intelligenz gespart werden. Denn ein nicht unbedenklicher Teil der Arbeitszeit von medizinischem Personal geht in die Dokumentationsarbeit ein. Künstliche Intelligenz in Form von Spracherkennung ist hier eins der wichtigsten Innovationen im Softwarebereich. Die Technik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass ein Arzt dem Computer alle wichtigen Daten, wie Symptome, Vitalwerte, medizinische Vorgeschichte oder Diagnose und Behandlung einfach diktieren kann. Die Künstliche Intelligenz transkribiert diese Informationen dann vollautomatisch in die Krankenakte des Patienten. Studien gehen von einer Zeitersparnis von fast 20 Prozent bei Ärzten und über 40 Prozent bei den Pflegenden aus. Zeit, die für eine bessere Patientenbetreuung eingesetzt werden könnte.

Die besseren Ärzte

Qualitativ bietet die KI möglicherweise sogar die bessere Behandlung. Ein Beispiel: In der inneren Medizin vergeht bei schwierigen Fällen oft sehr viel Zeit, bis die Ärzte alle Untersuchungen koordiniert und durchgeführt haben, sodass sie eine Verdachtsdiagnose äußern können. Computeralgorithmen hingegen können die Millionen von medizinischen Studien und Fälle in kurzer Zeit durchrattern und mit dem konkreten Fall eines Patienten abgleichen. In der Praxis sähe das dann so aus, dass die künstliche Intelligenz eine Vermutung für eine Diagnose aufgrund der Symptome und der Krankengeschichte ausspuckt. Diese wird dann an den Arzt weitergeleitet, der sie wie eine Empfehlung behandelt. Da Ärzte auch eine Art Detektivarbeit leisten, könnten sie so auf mögliche Erkrankungen stoßen, die sie sonst ausgeschlossen hätten, und Krankheiten viel früher erkennen.

Neue Medikamente per KI

Der zweite Bereich, in dem die KI effektiv eingesetzt werden kann, ist die Pharmakologie, genauer gesagt die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente. Dabei handelt es sich bisher um einen sehr zeitaufwändigen Ablauf, bei dem von Beginn bis Markteinführung circa 15 Jahre vergehen. Diese Zeit kann laut Pharmaunternehmen, die bereits mit KI arbeiten, durch KI extrem verkürzt werden. Mithilfe von Algorithmen und Big Data kann die Künstliche Intelligenz Vorschläge für neue Wirkstoff-Kombinationen liefern, die sogenannten „Big Data Predictive Analytics“. Dies verkürzt den Prozess der Entwicklung, denn in der Pharmaindustrie folgen auf jede Idee zunächst unzählige zeit- und kostenintensiven Versuche – die häufig ins Leere laufen, weil die Idee nicht aufgeht. Dann geht die Suche von Neuem los. Hier kann die KI ähnlich wie bei der Diagnoseerstellung auf Knopfdruck eine Empfehlung für neue Medikamente liefern.

Ein weiteres Beispiel ist die medizinische Bildgebung bei MRT- oder CT-Aufnahmen. Dieses Feld bietet immer mehr Möglichkeiten, wird allerdings auch immer komplexer, da sie zeitaufwändige Analysen mit sich bringt. Hier hilft die „Computer Vision“. Diese Technologie kann per Algorithmen medizinische Bilder auswerten und dadurch automatisieren.

Kürzere Krankenhausaufenthalte

Die höchsten Kosten im Gesundheitswesen verursachen unter anderem die stationäre Behandlung und Unterbringung von Patienten. Dies führt häufig zu kürzeren Aufenthalten durch frühere Entlassungen und längere Zeiten zu Hause, verbunden mit erhöhten Gesundheitsrisiken durch Stürze und Rezidive. Hier kann KI durch „IoT“ (Internet of Things) eine Technik einsetzen, die Maschinen per Internet miteinander verknüpft und einen Datenaustausch ermöglicht. In der Praxis sieht das so aus: Sturzsensoren am Boden melden Unfälle, Sensoren und Kameras sehen, wenn der Patient vom gewohnten Alltagsmuster abweicht, und per WLAN aktivierte Medikamentendosen schlagen Alarm, wenn der Patient seine Tabletten nicht genommen hat. Weiteres Plus: Wir können sowohl Medizinprodukte als auch Patienten durch Scans eindeutiger zuordnen und kontrollieren, sodass es zu weniger Verwechslungen und Fehlern kommt. Ergebnis: Eingesparte Kosten durch kürzere stationäre Zeiten und eine geringere Rate an Behandlungsfehlern. Und last but not least müssen Patienten so viel weniger Zeit im Krankenhaus verbringen, was wiederum nachweislich deren Gesundung, sowohl körperlich als auch psychisch, unterstützt.

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4 Kommentare
kahner
kahner

Ohne Frage wird es auch KI-bedingte positive Effekte geben, aber wie auch hier richtig beschrieben, ist das Gesundheitssystem in erster Linie ein wirtschaftliches. Auch in diesem Artikel geht es nur um Kostenreduktion und Effizienz.

Schaut man zu dem Thema weiter, dann findet man schnell ValueProps wie das der Firma Aspire Health Medical, eine Firma von Alphabet (Google) (aspirehealthcare.com). Diese hat einen Algorithmus entwickelt, der die Vorhersage macht, welche Patienten in einer, sechs Wochen oder erst nach 6 Monaten sterben werden.
Werteversprechen (Zitat): „Wir können zu Gesundheitsplänen sagen: Wie viel kostet dich der Patient? Wir können sie für weniger Geld pflegen und gleichzeitig höhere Zufriedenheitsraten bei den Patienten haben!“

Was da steht bedeutet in der Praxis – „Hey der Pflegedienst wechselt Dir nur noch einmal die Woche die Windeln, aber Du wirst zufriedener sein!“

Bereits jetzt entscheiden solche Algorithmen, wer in US-Krankenhäuser an welche Geräte angeschlossen wird. Aber alles natürlich total objektiv.

Die Firma dadacoo, die u.a. mit DAK und AOK einen Gesundheitsscore entwickelt hat, damit diese „die Leistungen besser anpassen können“ sagt: „Die Welt wird komplett, ‚pay as you live‘-basiert“. Für mich ist das eher etwas zynisch – „Lebe, solange Du es Dir leisten kannst“. Und selbstverständlich gibt es eine Score, der „gaaaaaaanz objektiv“ den Index berechnet (Zitat): „Körper + Geist + Lifestyle = Index“.
Tja der Live-Style… Wenn ersteinmal genügend Beitragszahler hier mitmachen, dann werden sich aller wundern, wie „gesundheitsschädlich“ so ein Life-Style ist – also jetzt für die Kasse

Und wer glaubt, dass Algorithmen objektiv sind, dem sei der Roulett-Algorithmus empfohlen, der der Spielbank einen ziemlich Vorteil einräumt – und der Algorithmus ist wenigstens transparent!

Die Krankenkassen sind eh gerade dabei, das Solidaritätsprinzip auszuhebeln. Glaubt eigentlich irgendjemand, dass wenn alle „gesund“ leben, und was das ist, entscheidet wie gesagt die Kasse, nicht der Arzt, dass dann nicht die Preise hoch gehen?

Der beste Patient ist nicht der der gesund ist, sondern der, der mich als Kasse nichts kostet, dem sie aber Life-Style bedingt hohe Beiträge abverlangen kann.
„Sozialverträgliches Frühableben“, das Unwort des Jahres 1998 des damaligen Ärztekammerpräsidenten Vilmar beschreibt, präzise, um was es hier eigentlich geht.

Wer glaubt da denn tatsächlich, dass Algorithmen letztlich Leben verlängern?! Das will ich erst noch sehen und leider wird das auch der Fall sein

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Michaela Oerding
Michaela Oerding

Ja. Da ist was dran. Ich persönlich wäre im übrigen dankbar für die Gewissheit, eine sozialverträgllche Frühablebenspille ohne Schwierigkeiten bei Bedarf zu erhalten. – Das am Rand-. Die Möglichkeiten von Digitalisierung u KI schätze ich als sehr hoch ein. Das Problem sehe ich eher darin, wie fit die Bediener all dieser Möglichkeiten sind. Das einzelne menschliche Hirn ist erst mal eher träge gegenüber Veränderungen. Was von tausenden von Wissenschaftlern in Möglichkeiten einfliesst, bedeutet noch lange nicht, dass der „Anwender“, wer auch immer das sein mag, damit klar kommt. – Ich vermute, das dauert. Auf Dauer sehe ich vieles als sehr nutzbringend an: für Ärzte, für Pflegepersonal, für die Patienten. Keine Frage. Ich schätze, das muss einfach durchgezogen werden. Mit Schulungen, mit Irrtümern. Ja, das kann Leben kosten. Aber kein Fortschritt dieser Welt ist ohne Kollateralschäden vonstatten gegangen. – Was, wenn ich ein solcher Kollateralschaden wäre? – Ehrlich? – Schicksal. Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, egal, wie viel es kostet. Meine Meinung.

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kahner
kahner

(Vorab – die Firma heißt dacadoo, aber bei diesen ewigen infantilen LaLa-Namen, verzeihe ich mir das jetzt mal selbst)

Ich denke auch nicht, dass wir da soweit aneinander vorbeireden.
KI wird Menschenleben retten, die Frage ist natürlich welche/wessen. Die Triage wird mittels KI eine vollkommen neue Bedeutung erhalten. Und der gesellschaftliche Wert einer Person inklusive entsprechender Prognose wird ebenfalls immer wichtiger werden.

Ich denke, das Ganze wird viel klarer, wenn man sich vor Augen hält, dass es bei einem Gesundheitssystem ja nicht um Gesundheit, sondern um Krankheit geht.
Wären wir alle gesund, würden wir das System nicht brauchen. Wir müssen krank sein, uns wenigstens so fühlen oder eine entsprechende Prognose haben, egal wie unwahrscheinlich die sein wird.

Wie heißt der schöne Spruch:
„Menschen sind nicht gesund, sondern lediglich unzureichend untersucht!“

Beispielsweise gibt es ja die meisten Verletzungen im Sport eben NICHT in den sogenannten Risiko-Sportarten, wie Gleitschirmfliegen oder Fallschirmspringen, sondern im Fußball oder anderen „Banalitäten“. Und die meisten Tote beim Reiten.
Dennoch gibt es für die nachweislich recht unfallarmen „Risikosportarten“ einen entsprechenden Risikozuschlag. Und warum? Weil man’s kann!

Und was Ihre Pille angeht – ich bin dabei!

Torsten der Zauberer
Torsten der Zauberer

„Nach der Einarbeitung und genügend gesammelten Informationen und Algorithmen sind sie beispielsweise in der Lage, Entscheidungen zu treffen – einzig aufgrund von Wahrscheinlichkeiten und Krankengeschichten. Aber kann das funktionieren?“

Also so wie Ärzte? Oder wie wird sonst die Diagnose gestellt? Ärzte treffen so gut wie nie zuerst eine Aussage was es ist, sondern was es mit hoher Wahrscheinlichkeit NICHT ist oder sein KANN. Thema: Ausschlussdiagnose, Differentialdiagnose, juvantibus oder noch eindeutiger in Bezug auf die Vorgehensweise, die Verdachtsdiagnose.

Im Grunde das klassische Einsatz von dynamischen Filtern (von mir aus: KI): Ich filtere X solange runter, bis ich Y habe. Habe ich Y nicht finden können, then go to … Finde ich es nach Anlauf ABC immer noch nicht, kommt der Supervisor – und entscheidet.

Und der persönliche Kontakt ist wichtig? (Haus-)Ärzte schenken statistisch und empirisch belegbar ihren Patienten weniger als 2 Minuten Zeit (Rest ist Bürokratie), davon weniger als 12 Sekunden für’s „Zuhören“, eben weil sie oft Standards abfackeln – und Patienten eh lügen. Blutzucker einstellen ist so ’ne typische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Ärzte, die (in besserer Qualität) komplett automatisiert werden kann und für die ich keinen Arzt oder Apotheker mehr brauche.

Oder weniger komplex: Alles zwischen Pfleger und Chefarzt wird durch KI wegfallen, weil hier im Grunde nur Standardjobs ausgeführt werden. Und klar haben Krankenkassen und Krankenhäuser daran ein hohes Interesse im Sinne der Kosteneinsparungen – Personalkosten machen zu 60 % die laufenden Kosten eines Krankenhauses aus, davon relativ hälftig Ärzte – und der Rest.

Problem: Beim Rest kann ich kaum noch rationalisieren und Fett wegschneiden, die meisten Pflegedienste & Co ächzen schon auf dem letzten Loch, Stationen sind (teilweise extrem) unterbesetzt und, ausgenommen Dokumentation, erbringen nur noch individuelle Leistungen. Chefärzte brauch‘ ich noch als Supervisoren – aber alles dazwischen braucht kein Mensch mehr. Klar, noch ein paar Hanseln zum Schnibbeln, aber der Großteil der Arbeit eines Arztes findet heute nicht im OP statt. Sprich: 90 % der Ärzte, wie auch in anderen Berufen, lassen sich ohne große Konsequenzen wegrationalisieren.

Jaja, der persönliche Kundenkontakt ist wichtig und unersetzbar. Und der Kunde/Patient verlangt danach. Und nur Menschen können qualifiziert beraten. Erstens wollen die meisten Menschen nur eines: Nicht lange warten, egal wie gut/schlecht das Ergebnis ist.
Und zweitens: Welche (sterbenden) Branchen haben das auch als Mantra (persönliche Kontakt, qualifizierte Beratung nur human…) vor sich hergetragen? Banken, Versicherungen, Einzelhändler, …

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