Analyse

Vorstandsstudie 2021: So divers sind Deutschlands Führungsgremien (nicht)

Das Digital-Native-Netzwerk Digital8 hat die Vorstände aller 40 Dax-Unternehmen und aller deutschen Unicorns einem Diversity-Check unterzogen. t3n stellt die Ergebnisse exklusiv vor. (Foto: vectorfusionart/Shutterstock)
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Das Digital-Native-Netzwerk Digital8 hat die Vorstände aller 40 Dax-Unternehmen und aller deutschen Unicorns einem Diversity-Check unterzogen. t3n stellt die Ergebnisse exklusiv vor.

Klar, wirklich überraschen dürfte es niemanden mehr: Deutschlands Wirtschaft hat ein Diversitätsproblem. Anzugmänner, so weit das Auge reicht, nur hier und da mal eine Frau – andere Faktoren wie Nationalität, Behinderung oder Ethnizität sind teils noch weniger repräsentiert. Auch junge Menschen sind eher eine Rarität.

Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es wichtig, die Vorstandsgremien und Unternehmen immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Nicht nur, um öffentlich zu machen, wer „Zielgröße null“ ernsthaft für eine gute Idee hält – sondern auch und vor allem, um Entwicklungen erkennen und einordnen zu können.

Wie divers sind die Dax- und Unicorn-Vorstände in Deutschland?

Im Rahmen der „Vorstandsstudie 2021“ hat Digital8 untersucht, wie divers es in den Führungsebenen der 40 Dax-Unternehmen und aller deutschen Unicorns zugeht. Dafür wurden über 10.000 Datensätze zu Demografie, beruflichem Hintergrund und persönlichem Werdegang von insgesamt 364 Personen ausgewertet. Dazu kommt ein Deep Dive, der sich speziell mit der Rolle der Frauen in Dax-Unternehmen im Vergleich zu den Unicorns beschäftigt. Diese Ergebnisse liegen t3n exklusiv vor.

Allgemein zeigt sich: Vorstandsgremien sind in beiden Kategorien noch immer stark männlich dominiert – bei den Dax-Unternehmen sind es 83 Prozent, bei den Unicorns sogar 90 Prozent. Angaben zu nicht-binären Menschen gibt es keine. Das Durchschnittsalter liegt bei den Dax-Unternehmen bei 53,1 Jahren, vier Prozent der Vorstehenden sind unter 40. Die Unicorns sind deutlich jünger; der Durchschnitt liegt hier bei 42,2 Jahren, der Anteil derer unter 40 bei 45 Prozent. In beiden Feldern hat so gut wie jede Person aus dem Vorstand beziehungsweise der Führungsriege studiert – bei den Dax-Unternehmen sind es 98 Prozent, bei den Unicorns sogar 99 Prozent. Besonders vertretene Ausbildungsfelder sind Wirtschaft und Ingenieurwesen, bei den Unicorns kommt noch Informatik dazu, bei den Dax-Unternehmen liegen die Rechtswissenschaften auf Platz 3.

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Die Rolle der Frauen in den Vorstandsgremien

Von den insgesamt 54 Frauen, die in Dax-Unternehmen und Unicorns in der Führungsebene vertreten sind, haben alle studiert – hier zeigt sich vor allem bei den Unicorns eine gewisse Vielfalt, was die Fächer angeht. Neben den Wirtschaftswissenschaften sind hier tatsächlich mit 17 Prozent auch geisteswissenschaftliche Studiengänge vertreten, dazu kommen Psychologie, Physik oder auch Zoologie.

Mit Blick auf die Berufserfahrung zeigt sich, dass fünf der 43 Dax-Vorstehenden ihre gesamte Karriere in einem einzigen Unternehmen verbracht haben; im Durchschnitt waren die Frauen in 3,7 Unternehmen und 1,8 Branchen tätig – Männer kommen hier auf drei Unternehmen. Ihre Berufserfahrung beträgt im Durchschnitt 26,1 Jahre, bei den Männern sind es 27,6 Jahre. Im C-Level der Unicorns bringen es die Frauen hingegen auf deutlich mehr Berufserfahrung als die Männer: Deren 18,6 Jahre stehen 21,3 Jahren der Frauen gegenüber, die im Durchschnitt in 6,1 Unternehmen gearbeitet haben. Bei den Männern sind es genau fünf.

Was bedeuten die Ergebnisse der Studie?

Fest steht: Sowohl Dax-Unternehmen als auch deutsche Unicorns haben ein Diversitätsproblem. Das bezieht sich aber nicht nur aufs Geschlecht – die Genderfrage wird in der Studie ebenso wie sexuelle Vielfalt nicht thematisiert; das hängt sicherlich auch mit der mangelhaften Datenlage und einer Angst vor Stigmatisierung zusammen. Ebenfalls aufgrund mangelnder Daten nicht untersucht werden konnte die soziale Herkunft der Mitglieder der Vorstandsgremien.

Tatsächlich herrscht das vor, was man als klassischen Werdegang bezeichnen kann: Menschen studieren Wirtschafts-, Rechts- oder Ingenieurswissenschaften und arbeiten sich dann in einem Unternehmen über die Jahre nach oben. Die Unicorns sind hier etwas diverser aufgestellt, setzen aber doch überwiegend auf wirtschaftswissenschaftlich ausgebildete Menschen. Die haben jedoch immerhin in deutlich mehr verschiedenen Unternehmen gearbeitet.

Die Führungsebene bei den Unicorns ist deutlich jünger – zur Erinnerung: 45 Prozent sind jünger als 40 Jahre, bei den Dax-Unternehmen sind es nur vier Prozent. Zusammen mit der breiter aufgestellten Berufserfahrung ihrer Führungskräfte profitieren Unicorns so vor allem im Hinblick auf die digitale Transformation, die für viele von ihnen ja auch Geschäftsfeld ist.

Speziell für Frauen zeigt sich aber auch, dass in Unicorns mehr Flexibilität und Offenheit zu herrschen scheinen – das bezieht sich nicht nur auf Studiengänge. Auch im Hinblick aufs Alter beziehungsweise die Berufserfahrung können sie hier früher mehr erreichen. Zudem sind mindestens fünf der zwölf Frauen, die in Unicorns zum Vorstand gehören, Mutter; die anderen sieben haben keine Angaben gemacht.

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