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Wann Attentate auf Kunstwerke Empörung auslösen – und wann nicht

Suppen-Attentate auf Gemälde haben zuletzt breite Empörung ausgelöst – anders als die Verbrennung eines Frida-Kahlo-Bildes, um es als NFT zu vermarkten.

Von Enno Park
3 Min.
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Klima-Aktivisten haben ein Gemälde in einem Museum beschmutzt, um auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. (Foto: picture alliance / abaca | ABACA)

Eine gewaltige wie vorhersehbare Empörungswelle folgte, als Klimaaktivist:innen berühmte Gemälde von van Gogh und Monet mit Tomatensuppe und Kartoffelbrei bewarfen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Ergebnis dieser Aktion war, dass auf unangenehme Weise klar wurde, wie viel mehr Empörung so eine Aktion auslösen kann im Vergleich zur weiterhin kaum gebremsten Zerstörung unserer Lebensgrundlagen auf diesem Planeten.

Über den Sinn oder Unsinn solcher Aktionsformen lässt sich trefflich streiten. Trotz anderslautender Behauptungen steht jedoch fest: Die betroffenen Kunstwerke wurden nicht beschädigt. Ob solche Aktionen dem Anliegen der Aktivist:innen eher nützen oder schaden, bleibt zudem offen. Es gibt Hinweise darauf, dass solche Aktionsformen durchaus eher nützen könnten, aber darum soll es hier gar nicht gehen.

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Wesentlich weniger Empörung und ein eher verhaltenes Medienecho erregte ein anderer Vorfall, obwohl dabei ein Kunstwerk völlig zerstört wurde. Es geht um eine Tusche-Zeichnung namens „Fantasmones Siniestros“ (etwa „unheilvolle Geister“) von Frida Kahlo, der berühmtesten Malerin Mexikos. Dieses Bild gehörte dem mexikanischen Unternehmer Martin Mobarak, bis er es fast schon rituell verbrannte, um anschließend Digitalisate des Bildes als NFT zu verkaufen. Die Verbrennung des Kahlo-Bildes war Höhepunkt einer Party, die zu diesem Zweck überhaupt erst stattfand.

Zerstörung als Kunstform

Die Beschädigung und Zerstörung von Kunstwerken kann durchaus selbst Kunst sein. So werden seit Jahrzehnten im Rahmen von Happenings Kunstwerke geschaffen und gleich wieder zerstört. Die Künstlerin Niki de Saint Phalle schoss mit einem Gewehr auf Kunstwerke und Farbbeutel; der Künstler Robert Rauschenberg reinigte die Leinwand eines Bildes von Willem de Kooning mit dessen Zustimmung so gründlich, bis vom Bild nichts mehr zu sehen war. Und Banksy versah ein Bild mit einem Selbstzerstörungsmechanismus in Form eines Schredders, was den Wert des Bildes eher noch gesteigert haben dürfte.

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Gewollte Zerstörung kann also Teil des künstlerischen Prozesses sein. Ähnlich einzustufen ist es, wenn der britische Künstler Damien Hirst Originale seiner eigenen Bilder vernichtet, nachdem er Kopien als NFT verkauft hat. Die Käufer:innen konnten sich aussuchen, ob nach dem Erwerb das Original oder das NFT vernichtet werden soll. Das kann man spannend, doof oder egal finden wie jedes andere Kunstwerk auch, wäre da nicht die grundsätzliche Fragwürdigkeit von NFT.

Fragwürdig nicht nur weil das Minting von NFT dekadente Mengen Energie benötigt und damit die Erderwärmung beschleunigt. Ein Token kann noch so „fungible“ sein, es bleibt ein Token, ein Platzhalter für etwas anderes. NFT als Businessmodell basiert darauf, den Menschen vorzumachen, der Platzhalter sei so gut wie die Sache selbst.

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Historische Vorbilder

Eine Grenze ist überschritten, wenn Sammler:innen sich anmaßen, Gemälde zwecks Vermarktung als NFT zu vernichten. Da hilft es nicht, dass Martin Mobarak wie ein besserer Trickbetrüger seine Zerstörungsaktion mit dem Argument anpreist, er stelle das Kahlo-Bild in Form von NFT der Öffentlichkeit zur Verfügung. Denn die Öffentlichkeit kann das Bild im Nullkommanix googeln, wenn es eine digitale Kopie sehen möchte. Aber das Original betrachten, das ist nicht mehr möglich.

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass es sich bei der ganzen Aktion um einen Hoax gehandelt haben könnte. Auf dem Video ist zwar deutlich zu sehen, wie das Bild verbrannt wurde, aber es hätte auch eine Fälschung gewesen sein können. Das kann nicht nicht mehr geklärt werden, was Martin Mobarak durchaus entgegen kommen könnte, wenn es kein echter Kahlo gewesen ist – es wäre bei Weitem nicht die erste Betrügerei rund um NFT.

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Und die Suppen-Anschläge der Klimaaktivist:innen? Die haben auch berühmte Vorbilder. So zerschlitzten britische Suffragetten schon vor über 100 Jahren ein Gemälde, auf dem eine nackte Frauen abgebildet war. Damit wollten sie auf die Diskriminierung von Frauen in der Kunst wie allen anderen Lebensbereichen aufmerksam machen.

Auch wenn die Empörungswellen anderes vermuten lassen: Verglichen mit seinen historischen Vorbildern und einigen Auswüchsen der Kryptoszene ist der heutige Klimaaktivismus dann doch eher zurückhaltend und wenig radikal.

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Kommentare (2)

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Titus von Unhold

Ich habe für die Empörung keinerlei Verständnis, denn am Ende sind alle „Kunstwerke“ nur zusammengematschte Farbpartikel auf verwebten Baumwollfäden. Ideelle oder in Euro gemessene Werte sind nur Schall und Rauch. Je höher die aufgerufenen Summen in Euro und je nachdrücklicher das realitätsferne Geschwafel von Kulturgut, desto mehr zeigt sich wie sehr weite Teile der Menschheit die Bodenhaftung verloren haben.

Dieter Petereit

Am Ende ist ja alles immer nur irgendwas. Deshalb rechtfertigt das noch lange keine Sachbeschädigung.

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