News

„Autonomes Fahren“: Taxi-Dienst Waymo One verzichtet auf Sicherheitsbegleiter

Selbstfahrendes Auto der Alphabet-Tochter Waymo. (Foto: Sundry Photography/Shutterstock)

Lesezeit: 2 Min.
Artikel merken

Mit zwei Jahren Verspätung öffnet Waymo seinen Taxidienst für weitere Personen und verzichtet auf Sicherheitsbegleiter. Waymos selbstfahrende Taxis sollen autonomer werden.

Schon seit drei Jahren betreibt Waymo in der Stadt Phoenix im US-Bundesstaat Arizona einen Taxi-Service unter dem Namen „Waymo One“. Der war bisher nur handverlesenen Kunden zugänglich, die zuvor eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben hatten. Zudem befand sich stets ein sogenannter Sicherheitsfahrer an Bord der Fahrzeuge, der im Zweifel sofort die manuelle Steuerung hätte übernehmen können.

Mehr Fahrgäste und Verzicht auf Verschwiegenheitsklausel

Damit soll nun Schluss sein – teilweise zumindest. Wie Waymo am Donnerstag verkündet hat, steht der Taxidienst ab sofort auch Freunden und Verwandten der bisher schon registrierten Kunden offen – wenn diese sie auf die Fahrten mitnehmen. Ein eigenständiges Buchen von Fahrten durch Nicht-Mitglieder des Dienstes ist weiterhin nicht vorgesehen. Allerdings verspricht Waymo, in den nächsten Wochen neue Kunden über die App aufnehmen zu wollen.

Wichtiger erscheint da die Neuerung, dass es Waymo-Kunden ab sofort erlaubt ist, von ihren Erfahrungen im Selbstfahr-Taxi öffentlich zu berichten. Wir dürften also kurzfristig eine wahre Flut an Social-Media-Beiträgen sehen, die sich mit den Erlebnissen und Eindrücken der Waymo-Nutzer befassen.

Vorerst keine Sicherheitsfahrer mehr

Fast schon revolutionär wirkt die Neuerung, dass Waymo auf Sicherheitsfahrer vollständig verzichtet. Aus Sicht des Nutzers werden die Fahrten vollständig autonom sein. Dafür hat Waymo eine Zone von 50 Quadratmeilen (rund 129 Quadratkilometer) definiert, die die Phoenix-Vorstädte Chandler, Tempe und Mesa umfasst. Nur in diesem Bereich fahren die Waymo-Taxis ab sofort ohne Sicherheitspersonal an Bord.

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Zukünftig will der Dienst aber auch wieder Fahrten anbieten, die Fahrer an Bord haben. Das soll in erster Linie für Fahrten gelten, die aus den definierten Selbstfahrbereichen hinausführen. Dazu baut Waymo zurzeit seine Flotte um.

Immerhin gilt es, die Corona-Sicherheitsregeln einzuhalten. Deshalb will Waymo den Fahrerbereich konstruktiv von der Fahrgastzelle abtrennen. Diese Trennung, die in verschiedenen Ländern der Welt schon seit Jahrzehnten zumindest für Teile des Taxi-Verkehrs üblich ist, gibt es bisher in Waymos Chrysler-Pacifica-Vans nicht.

Fahren die Waymo-Taxis wirklich autonom?

Ars Technica weist auf einen bislang wenig beachteten Umstand hin. Auch ohne Fahrer werden die Waymo-Taxis danach nicht autonom fahren. Vielmehr gibt es im Hauptquartier Flotten-Operatoren, die wohl am ehesten als eine Mischung aus Fluglotsen und Drohnenpiloten definiert werden können.

Diese Operatoren beaufsichtigen die Fahrzeuge aus der Entfernung und sind jederzeit in der Lage, in den Fahrbetrieb einzugreifen – das Taxi etwa zum Halten zu bewegen oder umzuleiten. Das entspricht – wie Ars Technica einwendet – nicht der Definition von autonomem Fahren. Waymo räumt diese Verfahrensweise ein, will aber nicht bekannt geben, wie viele Autos jeweils von einem Operator beaufsichtigt werden.

t3n meint:

Ars Technica stellt die richtigen Fragen. Ist eine Form des ferngesteuerten Fahrens als autonom zu bezeichnen? Ist das nicht eher eine Mogelpackung? Eine Drohne ist schließlich auch kein autonom fliegendes Objekt. Die Frage der Autonomie kann sich nicht allein durch die Abwesenheit eines Piloten an Bord des zu steuernden Objekts definieren. Waymo gibt allerdings zu bedenken, dass die Operatoren die Fahrzeuge nicht direkt steuern würden.

Damit eng verknüpft ist die Frage nach der potenziellen Wirtschaftlichkeit des Dienstes. Mit einem Sicherheitsfahrer an Bord besteht bereits kein Wirtschaftlichkeitsvorteil mehr gegenüber den Wettbewerbern von Uber oder Lyft. Ein Remote-Operator könnte hier zu mehr Wirtschaftlichkeit führen, wenn er oder sie wenigstens zwei Fahrzeuge beaufsichtigen würde. Andererseits dürfte die Tätigkeit des Operators eine höhere Qualifikation als das Vorliegen eines PKW-Führerscheins nebst Beförderungsberechtigung bedeuten und damit eine bessere Bezahlung erfordern.

Was haben wir nun also von Waymo präsentiert bekommen? Ich interpretiere es so: Waymo konnte den Service wegen der Coronakrise entweder eingestellt lassen oder einen anderen Weg finden. Der besteht nun offenbar in einem auf den Nutzer autonom wirkenden Fahrdienst, der im Hintergrund stark menschlich beeinflusst ist. So kann das nicht skalieren. Waymo steht jetzt unter Druck.

Dieter Petereit

Das könnte dich auch interessieren

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Digitales High Five
Holger Schellkopf (Chefredakteur t3n)

Anleitung zur Deaktivierung

Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder