Ratgeber

Die goldene Ära der Blockchain: Wie die dezentrale Technologie die Wirtschaft umkrempelt

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Ein wenig erinnert das Spannungsverhältnis von privaten und öffentlichen Blockchains an die 90er, als das Intranet noch ein heißes Thema in der Unternehmenswelt war. „Es gab eine Zeit, da galten Intranets als die Zukunft der digitalen Vernetzung. Heute lachen wir darüber. Die Revolution wird definitiv public sein“, glaubt Christoph Jentzsch, der an Ethereum ­mitentwickelt hat und Gründer von Slock.it ist, einem Blockchain-­Startup, das eine Plattform fürs Internet der Dinge innerhalb der ­Ethereum-Blockchain baut. Die Idee: Je mehr Maschinen ans Netz angeschlossen werden, desto wichtiger ist es, dass sie auf einer rudimentären Ebene miteinander „sprechen“. Diese Kommunikationsinfrastruktur will Slock.it über die Ethereum-Blockchain schaffen. Ein Beispiel: Das smarte Türschloss an der Wohnung, das sich öffnet, sobald sich der Gast der Tür nähert. Erstmal nichts, was nicht auch heute schon geht. Aber nicht nur das Schloss öffnet sich – die Zahlung wäre längst abgewickelt, eine Vermittlungsinstanz wie Airbnb gar nicht nötig. Die Blockchain löst alle wichtigen Verwaltungs­schritte automatisiert aus: Bestellung der Wohnung, Bezahlung, Abwicklung.

Eine private Blockchain, so Jentzsch, sei gar nicht so spektakulär und nicht so weit weg von klassischen Datenbank-Technologien etwa auf SQL-Basis, eine Interoperabilität von verschiedensten Applikationen nur in öffentlichen Blockchains möglich. Aber es geht um mehr. Die großen Akteure in der heutigen Plattform-Ökonomie würden – in der Theorie – ihre Macht verlieren. Wenn es Slock.it in fünf Jahren nicht mehr gäbe, würde die Plattform trotzdem weiterlaufen. Die Funktionsweise der Slock.it-Plattform ist in der Blockchain festgehalten und kann nicht ohne weiteres geändert werden. „Eine dezentrale Struktur, die sich selbst erhält“, so Jentzsch. Die großen Plattformen der heutigen Digitalwirtschaft wie Facebook oder Google hingegen funktionieren ohne Unternehmen dahinter nicht, würden ohne Lenker zusammenbrechen. Ob aber eine Plattform langfristig funktionieren kann, die ohne Menschen auskommt und nur auf automatisiertem Code basiert, ist dabei eine unbeantwortete Frage. Wer kümmert sich um die Weiterentwicklung, wer liefert Support?

Außerdem birgt Offenheit auch Schwierigkeiten. Eine große Herausforderung bei öffentlichen Blockchains ist die ­Skalierbarkeit – denn wenn immer mehr Startups mit ihren Appli­kationen in die Ethereum-Blockchain drängen, sorgt das für eine „Verstopfung“ der Infrastruktur. „An der Skalierbarkeit wird hart gearbeitet“, erklärt Jentzsch. Er hoffe, dass das Problem in spätestens drei bis fünf Jahren gelöst sei. Dafür gibt es unterschiedliche Ansätze, etwa das Raiden-Netzwerk, das einen zusätzlichen ­„Layer“ über die Ethereum-Blockchain legen und die in einer Sekunde durchführbaren Transaktionen deutlich steigern soll. Andere Szenebeobachter sind kritischer – Coinkite-CEO Rodolfo Novak, der mit seinem Startup Hardware-Wallets für Bitcoin anbietet, spricht in einem Artikel auf Coindesk.com eine deutliche Sprache: „Es sind viele nicht erprobte Technologien im Umlauf sowie sehr gutes ­Marketing“, erklärt er in Bezug auf Sharding, eine Idee aus der eher traditionellen Datenbank-Welt, die vorsieht, dass jeder Node nur einen Teil der bisher nötigen Daten speichern müsste – was die Leistungsfähigkeit von Ethereum deutlich steigern könne. Novak spricht in diesem Zusammenhang von einem unverantwort­lichen Level „irrationalen Überschwangs“, wenn es um neue technische Ideen geht – überhaupt sei er verwundert, dass Ethereum schon so lange durchgehalten habe.

Ob eine offene Blockchain wie Ethereum am Ende die Blockchain für alle wird, lässt sich zu diesem frühen Zeitpunkt ohnehin nicht sagen. „Private und Public Blockchains sind zwei unterschied­liche Use-Cases, für beides gibt es eine Berechtigung und in Zukunft entsprechende Einsatzszenarien“, meint Friederike Ernst, COO bei dem Blockchain-Startup Gnosis. Das weltweit verteilte Team arbeitet an einer Plattform für Vorhersagemärkte und hat in diesem Jahr rund 12,5 Millionen Euro in einem ICO eingenommen. Gnosis selbst setzt auf die Ethereum-Blockchain, weil das Startup vor drei Jahren bei der Gründung schlicht keine andere Blockchain mit ähnlichen Funktionalitäten gab. Dennoch: Auch Ernst glaubt, dass die Skalierungsprobleme in Zukunft gelöst werden könnten – zu viele spannende Projekte beobachtet sie momentan.

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Ein Kommentar
JBU
JBU

Ist die Kryptowährung Handel, Produktion und Kurse durch Kontrolle (Die Anbieter könnten zudem bestimmen, wie schnell gewisse Inhalte von der Quelle zum Nutzer gelangen) wegen der Änderung des Telekommunikationsgesetzes in USA und weiter vieleicht später in EU als Möglichkeit oder als möglich zu bezeichnen ? Was denkt ihr darüber bitte?

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