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Ihr könnt über die Digitalisierung deutscher Konzerne jammern – oder euch Bosch ansehen

(Foto: Shutterstock/ Alexander Tolstykh)

Vernetzte Parkplätze und Ridesharing-Apps: Bosch bewegt sich weg vom traditionellen Zulieferergeschäft hin zum modernen IT-Konzern. Dadurch konkurriert es auch mit den ­Konzernen, mit denen es Geschäfte macht: den Automobilherstellern.

Anya Babbitt steht am Stand ihres Startups SPLT auf dem Google Demo Day, als ein Mann auf sie zugestürmt kommt. Babbitts Mitgründer hat gerade vor den Besuchern im Grand Circus ­Detroit erklärt, wie das Konzept hinter dem Unternehmen funktioniert, wie es eine App für Pendler geschaffen hat, wie die Mitarbeiter von Firmen so gemeinsam zur Arbeit fahren können. Das soll CO2-Emissionen sparen und Staus reduzieren. Ein Konzept, das der Besucher am Stand als Vorbild für andere Länder sieht: „Ihr müsst nach Mexiko kommen“, sagt er. Die Metropolen seien voller Smog, die Anbindungen des öffentlichen Nahverkehrs schlecht. Er gibt Babbitt seine Karte und sagt ihr, dass er gerne mit SPLT zusammenarbeiten würde.

Damals weiß die Gründerin nicht, wie sehr sich der Weg ihres Startups durch diese Zufallsbegegnung verändern wird. Denn der Mann, der die SPLT-Macherin 2016 auf dem Demo Day angesprochen hat, ist niemand Geringeres als Alberto Ibannaran, CIO bei Bosch in Mexiko. Er wird in seinem Konzern von dem Startup erzählen – und eine Kooperation vorantreiben. Heute, zwei Jahre später, gehört das junge Unternehmen komplett zu dem deutschen Automobilzulieferer.

SPLT passt zu den Digitalambitionen von Bosch: Mit dem Service können Mitarbeiter eines Unternehmens gemeinsam zur Arbeit fahren, sie teilen sich den Wagen eines Angestellten oder können auf firmeneigene Busse zugreifen. Eine App verrät den Pendlern, wie für sie der günstigste und schnellste Weg ins Büro aussieht. Das Konzept entlastet den öffentlichen Nahverkehr und das Verkehrsaufkommen in den Städten. Für die Mitarbeiter bietet es außerdem den Vorteil, dass sie nicht zu fremden Menschen ins Auto steigen müssen.

Firmenchef Volker Denner stellt auf der Bilanzpressekonferenz den neuen Dieselantrieb vor. Bosch verspricht, dass der Motor nur noch ein Zehntel der Abgase ausstößt, die ab 2020 zulässig sind. (Foto: Bosch)

Die Kooperation mit Bosch sei ein Glücksfall gewesen, sagt Gründerin Babbitt: „Wir wussten, dass wir einen großen Partner brauchen.“ Nur mit einem weltweit agierenden Unternehmen lasse sich eine Expansion stemmen. Bosch habe ein Netzwerk geboten, das den Start in neue Märkte vereinfache. Bei den Stuttgartern zählt SPLT, ausgesprochen „Split“, zum neuen Connected-Mobility-Solutions-Portfolio. Dahinter versteckt sich ein Unternehmensbereich, der sich mit der Vernetzung von Pkw oder auch Parkplätzen befasst. „Mit ihm wird unsere Vision einer emissionsfreien, stressfreien und unfallfreien Mobilität Realität”, sagte Konzernchef Volker Denner im Februar auf der hauseigenen IoT-Messe „Bosch Connected World“.

Neuland für Bosch

Was nach einer einfachen Entscheidung klingt, ist tatsächlich Neuland für den deutschen Traditionskonzern. Lange ­betätigte sich Bosch in seiner Mobilitätssparte nur als Zulieferer, ­baute Hochdruckpumpen, Zündkerzen und Generatoren für Auto­mo­bile. Ein klassischer Hardware-Handel, ein typisches Firmenkundengeschäft. Doch durch die Digitalisierung verändert sich der Fokus des Unternehmens. Mittlerweile verkauft es seine Dienste nicht mehr nur direkt an Volkswagen, BMW oder Daimler, sondern setzt vor allem bei seinen vernetzten Lösungen auch auf den direkten Kontakt zum Endverbraucher – wie bei SPLT. Damit macht Bosch ausgerechnet denjenigen Konkurrenz, die bisher die wichtigsten Abnehmer darstellten: den Autoherstellern.

Die Tragweite dieses Wandels für den Konzern wird erst nachvollziehbar, wenn man sich mit dessen Organisationsstruktur beschäftigt. Die Bosch-Gruppe besteht aus der Robert Bosch GmbH und rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften. Der Konzern ist nicht an der Börse gelistet, sondern befindet sich zu einem Großteil in der Hand der Robert-Bosch-Stiftung, sieben Prozent gehören der Familie Bosch. Das Portfolio der Gruppe ist breit aufgestellt und umfasst deutlich mehr als den Autobau. Der Durchschnittsbürger dürfte den Mischkonzern aus dem eigenen Haushalt kennen, von Mixern und Waschmaschinen, von Akkuschraubern und Rasenmähern.

Aber einen Großteil des Umsatzes verdient der Stiftungskonzern mit Mobilitätslösungen. Von den 78 Milliarden Euro Erlösen im Jahr 2017 machte der Automobilbereich 47 Milliarden Euro aus – fast zwei Drittel des Gesamtgeschäfts. Ähnlich hoch liegt der Anteil am Gewinn: Rund 3,3 Milliarden Euro trug die Sparte zum Überschuss vor Steuern von 4,9 Milliarden Euro bei. Laut der Manage­mentberatung Berylls ist Bosch der größte Automobil­zulieferer der Welt. Die Bedeutsamkeit des Geschäftsfeldes zeichnet sich auch an der Anzahl der Mitarbeiter ab: Mehr als die Hälfte der 400.000 Beschäftigten ist für den Bereich Mobility Solutions abgestellt. Man kann sagen: Die Zukunft von Bosch, die entscheidet sich auf dem Automarkt.

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Eine Reaktion
Urte Zahn

Kurze Frage: Wer ist eigentlich der zitierte Experte Herrmann?

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