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Ein Euro für mehr Datenschutz: Warum ihr keinen kostenlosen E-Mail-Provider nutzen solltet

(Foto:Marian Weyo / Shutterstock)

Wer sich über den ­Daten- und Plattform-­Kapitalismus beschwert, der kann etwas tun, meint Markus Beckedahl. Zum Beispiel: den E-Mail-Provider wechseln.

Yahoo, Web.de, GMX oder Hotmail – wer hat sich in der Frühzeit des Internets nicht eine entsprechende E-Mail-Adresse bei einem der einschlägigen Provider angelegt? Das war schließlich auch denkbar einfach: Ein paar Formulare mit persönlichen Informationen ausfüllen, ein paar Klicks – und man war online! Viele von uns nutzen auch heute noch ihre alten E-Mail-Adressen, sei es aus Bequemlichkeit oder aber, weil diese immer noch in den Adressbüchern vieler alter Freunde aus Studien- oder sonstigen Zeiten gespeichert sind.

Und noch immer sind diese E-Mail-­Adressen kostenlos. Die Betreiber finanzieren ihre Dienste vor allem über Werbung. Also klickt der Nutzer sich zwischen redaktionellen Inhalten, gesponserten Artikeln und jeder Menge Werbebanner hindurch,  bis er endlich den eigenen Posteingang findet. Anbieter wie Google scannen E-Mails automatisiert nach Inhalten, um kontextabhängige Werbung einzublenden. Bei anderen Anbietern sind im Hintergrund diverse Werbe­netzwerke tätig. Bis zu 40 verschiedene Tracker, die Daten darüber, dass der Browser, beziehungsweise die IP-Adresse, gerade E-Mails checkt, zu unterschiedlichsten Werbe-Servern schicken, sind auf diesen Seiten nicht unüblich.

Für alle werbegebeutelten E-Mail-­Nutzer tut sich allerdings ein Silberstreif am Horizont auf. Denn immer mehr ­Unternehmen bieten datenschutzfreund­liche Alternativen zu den nur vermeintlich kostenlosen E-Mail-Adressen der großen Portale an. Vermeintlich kostenlos, denn: Die Nutzer zahlen mit ihren ­Daten, beziehungsweise mit der möglichen Aufmerksamkeit für Werbung, die häufig abhängig vom eigenen Surfverhalten eingeblendet wird.

Letztlich ist es doch so: Wer sich über den Datenkapitalismus aufregt – was ­gerade groß in Mode ist, häufig auch vollkommen zu Recht –, muss eigentlich auch konsequent sein und das eigene Verhalten überdenken, beziehungsweise ändern. Dieses Prinzip ist aus der Umweltdebatte bekannt. Früher wurde alles zusammen in eine Tonne geschmissen, dann irgendwann begann die Mülltrennung. Wenn diese dazu führt, dass wenigstens ein Teil des Mülls recycelt wird, hat sich das System schon gelohnt. Und auch, wenn wir Bioprodukte aus der Umgebung kaufen, freut sich die Umwelt.

Ganz ähnlich verhält es sich in der digitalen Welt. Alternativen zu den kostenlosen E-Mail-Angeboten großer Plattformen sind ja da. Es gibt immer mehr Anbieter wie Posteo.de oder ­Mailbox.org, die ein Geschäftsmodell darauf auf­bauen, E-Mail-Postfächer inklusive E-Mail-­Adressen anzubieten – und zwar ohne nervige Werbung. Und ohne die dazugehörigen intransparenten Tracker, die im Hintergrund unser Onlineverhalten ausspionieren und dazu häufig mit den modernsten Sicherheits- und Ver­schlüsselungstechnologien und -standards ­arbeiten.

Bezahlt wird nicht mit Daten, dem Nutzungsverhalten und Aufmerksamkeit, sondern ganz klassisch: mit Geld. In der Regel kosten diese Dienste einen Euro pro Monat. Dafür bekommen die Nutzer ­echten Service und sie unterstützen kleine und mittelständische Unternehmen, bei denen die Mitarbeiter ein Gesicht ­haben. In Vergleichen der Stiftung ­Warentest gewinnen diese kleinen Anbieter regelmäßig weit vor den Werbeplattformen.

Für viele ist die psychologische Hürde des Bezahlens der Hauptgrund, nicht zu solchen E-Mail-Providern zu wechseln. Aber es ist eben wie beim Umweltschutz: Zwar ist es bequemer, alles in eine ­Tonne zu werfen – aber es ist auch nicht so nachhaltig. Ob wir, die wir uns über den Daten- und Plattform-Kapitalismus aufregen, zu einem datenschutzfreundlichen Mailprovider wechseln, ist eine einfache Konsumentscheidung. Wir müssen sie nur treffen. Eine bewusste Entscheidung gegen vermeintlich kostenlose Alterna­tiven und für mehr Privatsphäre im Netz. Der eine Euro im Monat sollte uns das wert sein, oder?

Offenlegung: Posteo spendet regelmäßig für den Netzpolitik.org e.V., ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Mailbox.org war Sponsor einer „Das ist Netzpolitik!“-Kon-ferenz. Es gibt noch weitere Anbieter, etwa Tutova.

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2 Reaktionen
Kevin Schmidt

"Es gibt noch weitere Anbieter, etwa Tutova" - ist hier "Tutanota" gemeint, wo es um Mailanbieter geht?

theantal

*typo "Frü21her"

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