Ratgeber

So bringt Mentoring deine Karriere voran

(Foto: Shutterstock/Suteren)

Gutes Mentoring ist kein Selbstläufer. Um vom Wissen erfahrener Mitarbeiter zu ­profitieren, braucht es Zeit, Einsatz und Ehrlichkeit. Dann aber helfen Mentoren­programme ­dabei, Herausforderungen bei der eigenen Karriere besser zu meistern.


Dieser Tag war für ihre Karriere wichtig, Caroline Grün wusste das. Zum ersten Mal präsentierte sie ein Projekt direkt vor der obersten Führungsriege bei ihrem Arbeitgeber Vodafone. Ihr Ziel: die Zusage für ein neues Budget. Und einen guten Eindruck zu machen, natürlich. Vor den aufmerksamen Blicken ihrer Chefs startete sie ihre Powerpoint-Präsentation, begann, ihre Pläne zu erklären – und wurde schon nach wenigen Sätzen von Nachfragen unterbrochen. Alle begannen zu diskutieren, einen Moment lang hörte ihr niemand mehr zu.

Rund drei Jahre ist das nun her und noch immer hat Grün die Situation vor Augen: „Das hat mich damals total verunsichert“, sagt sie. Dabei wirkt die junge Frau in schwarzem Kleid und hellrotem Mantel ganz und gar nicht wie jemand, der sich leicht aus der Ruhe bringen lässt. Sie hat eine kräftige Stimme, einen wachen Blick und gilt bei ­Vodafone als Nachwuchstalent. Schon jetzt, mit 32 Jahren, leitet sie ein 37-köpfiges Team im Risk-­Management. Die schwierige Präsentation vor ihren Chefs hat Grün dennoch lange beschäftigt. „Zum Glück hatte ich meinen Mentor, mit dem ich die Situation besprechen konnte“, sagt sie.

Einen erfahrenen Partner als Mentor an ihrer Seite zu haben, das wünscht sich inzwischen die große Mehrheit der ­Berufstätigen. Eine Studie der International School of ­Management in Hamburg fand 2017 heraus, dass die Erwähnung von Mentoring-Programmen in Stellenanzeigen generell zu positiven ­Erwartungen hinsichtlich des Unternehmens und seiner Kultur bei Studierenden und Absolventen führt. Und die Personalberatung Robert Walters hat kürzlich bei einer Umfrage unter rund 130 Arbeitnehmern und -gebern festgestellt, dass 71 Prozent der Befragten Mentoring im Unternehmen für wichtig halten. Jedes zweite Unternehmen hatte derartige Programme zumindest für Berufseinsteiger im Angebot. Kein Wunder, versprechen sich Unternehmen von Mentoring-Programmen doch gleich mehrere Vorteile. So haben Rajashi Gosh von der Drexel University und Thomas G. Reio von der Florida International University festgestellt, dass sich sowohl Mentor als auch Mentee dadurch stärker ihrem Unternehmen verbunden fühlen. Zudem gilt Mentoring als wichtiges Instrument für die Karriere- und Nachfolgeplanung.

Prominente Beispiele dafür gibt es genug: So holte sich Facebook-­Boss Marc Zuckerberg regelmäßig Rat von Apple-­Gründer Steve Jobs. Post-Chef Frank Appel übernahm 2008 den Vorstandsvorsitz der Deutschen Post, nachdem sein langjähriger Mentor und Ex-Vorstand Klaus Zumwinkel wegen Steuer­hinterziehung zurücktreten musste. Und Springer-Verlagschef Mathias Döpfner hat seine Freundschaft zur Verlegerwitwe ­Friede ­Springer wohl auch nicht geschadet.

Gutes Mentoring kann der Karriere entscheidende Impulse geben. Die Initiative Mentorme setzt neben den klassischen Zweiertandems auch auf regelmäßige Events und Networking. (Foto: Studioafraz)

Ein genauerer Blick in die Forschung zeigt allerdings auch: ­Erfolgreiches Mentoring ist bei Weitem kein Selbstläufer. So konnte ein Forscherteam um Lillian T. Eby von der University of Georgia zeigen, dass schlechtes Mentoring Mentees sogar nachhaltig psychologisch schwächen kann – zum Beispiel, weil ein zu dominanter Mentor sie eher verunsichert als ­selbstbewusster macht. Und Gerhard Blickle, Wirtschaftspsychologe an der ­Universität Bonn, sagt sogar: „Bisherige Studien zeigen, dass formelles Mentoring, bei dem Unterstützer und Nachwuchs einander zum Beispiel durch ein Unternehmen zugeordnet werden, keine nachhaltigen positiven Karrierewirkungen hat.“

Von Reverse- bis Cross-Mentoring

Mentoren kommen in Unternehmen auf verschiedensten Ebenen zum Einsatz. Frauen-Mentoring etwa soll weibliche Netzwerke in Firmen stärken, um mehr Frauen in Chef­positionen zu bringen. Beim Reverse-­Mentoring lernen die Alten im Unternehmen von den Jungen. Zum Beispiel: digitaler zu denken. Und beim Cross-Mentoring tauschen sich Mentor und Mentee über Unternehmensgrenzen hinweg aus. Es gibt Programme, die sich speziell an Trainees und Berufseinsteiger richten, um ihnen den Start im Unternehmen zu erleichtern. Andere Programme ­helfen sogenannten „High-Potentials“, sich auf Führungsauf­gaben ­vorzubereiten.

Das gilt auch für Caroline Grün, eines der jungen Talente bei ­Vodafone, wie es dort heißt. Sie habe in den vergangen 1,5 Jahren viel von ihrem Mentor gelernt, sagt die Jungmanagerin. „Vor allem den Perspektivwechsel.“ Nach der schwierigen Präsentation vor ihren Chefs etwa grämte sie sich zunächst im Stillen, sprach dann aber doch mit ihrem Mentor darüber: Andreas ­Laukenmann, Bereichsleiter Consumer-Marketing, 48 Jahre. Dieser erzählte ihr, es sei ganz normal, unterbrochen zu werden. Vorstände hätten eben wenig Zeit und bräuchten schnell Informationen. Und ihr Ziel, ein neues Budget für ihr Projekt zu bekommen, habe Grün doch erreicht. Für die junge Frau ein Aha-Erlebnis: „Ich war enttäuscht, dass ich keine perfekte Präsentation geliefert hatte – und hatte völlig vergessen, dass ich erfolgreich war!“ Seitdem sehe sie viele Dinge im Job pragmatischer. Auch insgesamt sei sie in ihrem Auftreten durch das Mentoring sicherer geworden. Anfangs alle paar Wochen, inzwischen alle paar Monate holt sich die junge ­Führungskraft Rat, wenn sie nicht weiter weiß: War es in ­Ordnung, den Kollegen in einer bestimmten Situation zurechtzuweisen? Soll sie ein Problem im Team direkt ansprechen – oder erst einmal abwarten? Andreas Laukenmann vermittelt Grün das, was Experten intuitives Wissen nennen – Wissen also, das man nicht in Management-Büchern nachlesen kann, sondern das auf jahrelanger Joberfahrung beruht. „Das gemeinsame Reflektieren hat mir sehr geholfen, schnell in meine neue Rolle als Führungskraft hineinzuwachsen“, sagt Grün. Und Laukenmann ergänzt: „Gerade weil wir oft verschieden an Dinge herangehen – Caroline spontaner, ich eher faktischer – ist der Austausch ­bereichernd.“

Den richtigen Mentor finden

Grün hat ihren Mentor eher zufällig gefunden: Ihre Chefin hatte Laukenmann vorgeschlagen. Sie gingen Kaffee trinken, die ­Chemie zwischen den beiden Vodafone-Managern stimmte. Viele Firmen aber wollen sich nicht allein auf solche informellen Prozesse verlassen – und werden parallel dazu selbst aktiv. Auch bei ­Vodafone bekommen etwa Trainees direkt beim Berufseinstieg einen erfahrenen Mentor zur Seite gestellt.

Sehr ähnlich verläuft der Matching-Prozess beim Kölner Spezial­chemiehersteller Lanxess. Die potenziellen Trainees werden vor ihrem Jobstart bei einem eintägigen Assessment-Center durchleuchtet. Ihr späterer Bereichsleiter teilt ihnen nach der Zusage dann einen passenden Mentor zu – nicht selten nimmt auch schon der spätere Mentor bereits selbst an dem mehr­stufigen Auswahlverfahren teil. Die HR-Abteilung gibt dabei allerdings nur Richtlinien vor – etwa, dass der Mentor nie der direkte Vorgesetzte sein darf und dass ein gewisser Alters­abstand gewahrt sein muss. „Wir stellen fest, dass viele der Mentor-Mentee-­Beziehungen auch nach Beendigung des Trainee­programms ­weiter bestehen bleiben“, sagt Vera Bell, Leitung Talent ­Community Management beim Spezialchemiehersteller Lanxess – für sie ein Zeichen, dass die Beziehungen gut funktionieren.

Die größte Herausforderung des Matching-Prozesses ist ­dabei – wie beim Online-Dating –, den perfekten Partner zu finden. Wirksames Mentoring habe sehr komplexe soziale Voraussetz­ungen, sagt Wirtschaftspsychologe Gerhard Blickle. „Die ­persönliche Chemie muss stimmen, das Vertrauen langsam wachsen.“ Blickle stellt generell infrage, dass arrangierte Tandems zu einer erfolgreichen Mentoring-Beziehung führen können.

Die Vorhersage, ob zwei Menschen zusammenpassen, fachlich wie persönlich, ist in der Tat alles andere als leicht. Karin Heinzl hat mit „Mentorme“ ein unternehmensunabhängiges Mentoring-Programm gegründet, das sich speziell an junge Frauen richtet. Sie lässt sich bei der komplexen Matching-Frage von Software helfen. Um passende Partner zu finden, füllen bei Mentorme sowohl Mentoren als auch potenzielle Mentees ­vorab umfangreiche Fragebögen zu ihrer fachlichen Qualifikation, Persönlichkeit und ihren Erwartungen aus. Etwa, ob sie lieber mit ordnungsliebenden, direkten oder harmoniebedürftigen ­Menschen zusammenarbeiten. Ein Algorithmus unterstützt dann die Mentorensuche. „Beim ersten Treffen ist schnell klar, ob es passt – oder eben nicht“, sagt Heinzl. Fast wie bei der Dating-App ­Tinder.

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Ein Kommentar
Marc Reich
Marc Reich

Hello,
super Artikel.
Aber die Preise stimmen nicht ganz.

Mentor Lane fängt erst bei 1069 Euro (inkl. Mwst.) an.

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