Ratgeber

So bringt Mentoring deine Karriere voran

Seite 2 / 2

Mentorme ist eines von zahlreichen Programmen für Arbeitnehmer, die bei der Mentorensuche nicht von ihrem Unternehmen unterstützt werden. Die Karrieremacher oder Mentor Lane sind weitere Anlaufstellen. Interessierte können sich hier in der Regel über ein Online-­Formular anmelden und bekommen dann von den Organisationen einen potenziellen Mentor zugeteilt. Ganz billig ist das allerdings nicht: Bei Mentorme kostet dieser Service je nach Jobstatus zwischen 396 und 576 Euro; bei Mentor Lane ist man ab 750 Euro dabei. Natürlich kann man die Mentoren­suche auch auf eigene Faust angehen – zum Beispiel, indem man Vorgesetzte in der eigenen Firma direkt anspricht. Freiberufler können erfahrenere Kollegen aus ihrem Netzwerk oder berufliche Vorbilder fragen. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sprich: Zunächst verabredet man sich auf einen Kaffee, erklärt dann sein Anliegen und gibt dem Gegenüber Zeit, ein paar Tage darüber nachzudenken. Der Vorteil dieser Herangehensweise ist, dass man großen Einfluss darauf hat, wer der künftige Mentor wird.

Auch Firmen, die sich dafür interessieren, ein Mentoring-­Programm aufzusetzen, finden bei Mentor Lane und Mentorme Hilfe­stellung. Die Deutsche Gesellschaft für Mentoring (DGM) bietet neben vielen Informationen sogar eine Zertifizierung für Mentoring-­Programme an. Und Unternehmensberatungen sowie viele örtliche Handelskammern geben ebenfalls Tipps. ­Einige Handelskammern organisieren sogar eigene Cross-­Mentoring-Programme. Gerade für kleinere Unternehmen, für die sich ein eigenes Programm nicht lohnt, ist diese Form des Mentorings ­attraktiv: Sie stärkt das Arbeitgeber­image, zudem lernen die Mitarbeiter andere Unternehmenskulturen kennen, was neue Anregungen bringt. Gleichzeitig kann es auch für Mentees ­Vorteile haben, wenn ein Mentor nicht aus dem eigenen Unternehmen kommt. Natalya Nepomnyashcha, Gründerin des Netzwerks Chancen zur Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher, ist seit zwei Jahren als Mentorin für Mentorme tätig. In dieser Zeit hat sie zwei junge Frauen in den Beruf begleitet. Sie sagt: „Gerade ganz am Anfang ihrer Karriere fühlen sich viele wohler, kritische Dinge außerhalb ihrer Firma besprechen zu können.“ Etwa, wenn das neue Arbeitsumfeld nicht so gut passt wie erhofft.

Kriterien für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit

Bei Nils Berkemeier kann davon keine Rede sein. Er hat vor rund drei Jahren als Trainee bei Lanxess angefangen und arbeitet nun in der Finanzabteilung des Konzerns. Einen Mentor an seiner Seite zu wissen, habe ihm nicht nur geholfen, schneller ­Kontakte im Konzern zu knüpfen, sagt er. „Vor allem hatte ich immer die Sicherheit: Wenn irgendwelche Probleme auftauchen sollten, kann ich mich an Simon wenden.“ Berkemeiers Mentor Simon ­Berheide, selbst erst Mitte 30, hilft gern: „Es macht mir einfach Freude, die Entwicklung jüngerer Kollegen zu begleiten und zu deren Erfolg beizutragen.“

Damit eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen kann, brauche Mentoring allerdings einen klaren Rahmen, sagt Vera Bell von Lanxess. Sie empfiehlt Mentoren und Mentees, sich vor allem am Anfang, alle sechs bis acht Wochen zu treffen und auszutauschen. Im Talentprogramm von Vodafone geht man sogar noch einen Schritt weiter. Dort bekommen Mentoren und Mentees nach einem einführenden Workshop von der Personalabteilung die Vorlage für eine Mentoring-Vereinbarung zugeschickt, also eine Art persönlichen Vertrag. Darin legt das Tandem gemeinsam fest, welche Ziele das Mentoring erfüllen soll –, etwa Kontakte in bestimmte Fachbereiche zu knüpfen oder sich bestimmte Fähig­keiten anzueignen. Zudem sollten Teilnehmer offen über ihre Erwartungen sprechen, rät ­Talent-Managerin Hanna Eßer. „Was kann der Mentor leisten? Wo gibt es Grenzen? Wie sollte sich der oder die Mentee einbringen?“

„Das gemeinsame Reflektieren hat mir sehr ­geholfen, in die Rolle als Führungskraft hineinzuwachsen.“

Caroline Grün Head of Risk Management, Vodafone

Die wichtigste Voraussetzung im Mentoring sei dann, dass sich beide Seiten Zeit nehmen – und der Mentor tatsächlich helfen wolle, sagt Mentorme-Gründerin Heinzl. „Ein Mentor sollte nicht drei Stunden von seinem Lebenslauf erzählen und dann sagen: Mach das genauso.“ Stattdessen gehe es viel darum, zuzuhören und gemeinsam mit dem Mentee die Vor- und Nachteile von Entscheidungen abzuwägen. So entstehe eine Partnerschaft auf Augenhöhe, von der im besten Fall auch der Mentor profitieren könne. Andreas Laukenmann, Mentor von Caroline Grün bei ­Vodafone, kann das bestätigen. Überrascht sei er gewesen, als seine Mentee ihm das erste Mal erzählte, dass sie sich manchmal fremd fühle als einzige Frau unter Männern in Meetings: „Wieso? Darauf achtet doch keiner“, sagte er damals. Nach diesem Gespräch aber begann er selbst gewisse Details zu beobachten. Sitzen Männer in reinen Männerrunden tatsächlich anders als in gemischten Meetings? Fallen andere Sprüche? „Plötzlich habe ich gemerkt, dass es da tatsächlich einen Unterschied gibt.“ Dieses Mal war der Aha-­Moment auf seiner Seite.

Der Erfolg hängt auch vom Mentee ab

Den größten Anteil daran, ob ein Mentoring wirksam ist oder nicht, hat allerdings der Mentee. „Wer glaubt, beim Mentoring alles auf dem Präsentierteller zu bekommen, liegt falsch“, sagt Heinzl. „Es ist die Aufgabe des Mentees, zu definieren, was er oder sie aus einer solchen Beziehung mitnehmen möchte.“ Das gilt insbesondere für Mentees, die sich ihren Mentor selbst suchen. Sie sollten sich zunächst die Frage stellen, was sie von ihrem ­Mentor überhaupt erwarten: Soll er ihnen fachlich oder persönlich helfen? Welche Kompetenzen, welches Netzwerk sollte er oder sie mitbringen? Welche Ziele will man durch das Mentoring erreichen? Ist der passende Mentor dann gefunden, gilt es auch, die einzelnen Treffen jeweils vorzubereiten, mit konkreten Fragen oder zumindest Themen, die es zu besprechen gilt. Wer die Be­ziehung zu seinem Mentor ernst nimmt, muss also nicht nur einiges an Zeit, sondern auch an Hirnschmalz investieren.

Wo man Mentoren findet:

Mentor Lane
Mentorensuche für aufstrebende ­Arbeitnehmer, Unternehmer und Startup-­Gründer. Wer teilnehmen will, kann sich online anmelden und bekommt dann für sechs Monate einen Mentor vermittelt. Auch die Teilnahme an Netzwerk-Events ist möglich, ab 750 Euro ist man dabei.

MentorMe
Studentinnen und Berufseinsteigerinnen bekommen für zwölf Monate einen Mentor oder eine Mentorin vermittelt. Dazu füllen sie online ein Anmelde­formular aus. Nach erfolgreicher ­Vermittlung zahlen Studentinnen 396 Euro, Arbeitnehmerinnen 576 Euro. Auch wer Mentor werden will, kann sich bewerben – vorausgesetzt, er bringt mindestens drei Jahre Berufserfahrung mit.

Die Karrieremacher
Ein breit angelegtes Programm, das sich an alle richtet, die Karriere machen wollen – unabhängig von Branche, Unternehmen oder Geschlecht. Die Plattform bringt Mentor und Mentee zusammen und stellt dann für sechs Monate Begleitmaterialien für ein strukturiertes Mentoring zur Verfügung.
Für diesen Service zahlen Mentees 149 Euro pro Monat.

Careerloft
Das Karrierenetzwerk bietet ein Onlinestipendium für Studierende an, das auch die Betreuung durch einen ­berufserfahrenen Mentor beinhaltet. Das Programm ist kostenlos, die ­Mentoren kommen von Firmen wie Audi, EY und Merck. Wer dabei sein will, muss sich
careerloft.de/scholarship online mit Lebenslauf und Zeugnissen bewerben.

Spitzenfrauen
Oft gibt es auch regionale Angebote, die Mentoren und Mentees zusammenbringen. Beim Programm Spitzenfrauen in Baden-Württemberg etwa beraten erfolgreiche Frauen kostenlos jene, die das noch werden wollen – unabhängig vom Unternehmen.

Vor allem aber sollten Mentees keine überhöhten Erwartungen haben, warnt Wirtschaftspsychologe Gerhard Blickle von der ­Universität Bonn. „Ein erfolgreiches Mentoring kann helfen, eine eigene Karriere­identität zu entwickeln.“ ­Nachwuchskräfte merkten also schneller, was sie im Job erreichen wollen und welche Aufgaben ihnen Spaß machen. Der viel beschworene ­Karriereturbo, der einen direkt auf den Chefsessel katapultiert, sei ­Mentoring aber nicht: „Vereinfacht gesagt macht Mentoring zwar oft zufriedener, aber nicht unbedingt objektiv erfolgreicher.“ Um schnell an die Spitze zu kommen, müssten Jungmanager stattdessen ein eigenes Netzwerk aufbauen können – und zwar unabhängig von ihrem Mentor.

Caroline Grün kann dem nur zustimmen. Zu erwarten, dass einem ein Mentor direkt zur Beförderung verhelfe, sei unrealistisch, sagt sie. „Für meine persönliche Entwicklung hätte ich Andreas‘ Unterstützung aber keinen Moment missen wollen.“ Und die kann der Karriere ja auch nicht schaden.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Marc Reich
Marc Reich

Hello,
super Artikel.
Aber die Preise stimmen nicht ganz.

Mentor Lane fängt erst bei 1069 Euro (inkl. Mwst.) an.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung