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New Normal: Was einen wirklich guten Arbeitsplatz ausmacht

Unternehmen wollten coole Kaffeeküchen und offene ­Büros – dann kam Corona. Jetzt denken Firmen und Mitarbeiter ­intensiv darüber nach, was einen guten Arbeitsort wirklich ausmacht.

9 Min. Lesezeit
Arbeiten hoch oben über Berlin: Das Startup Independesk vermietet im Restaurant des Fernsehturms Arbeitsplätze. (Foto: Ole Witt)

Sie waren wieder da. Zumindest ein Teil der Belegschaft. Zumindest für ein paar Tage in der Woche oder auch nur im Monat. Zumindest noch Anfang Oktober. Firmen und Mitarbeiter haben sich wieder am Arbeitsalltag versucht. Manche mit großem Vergnügen: weil ihnen die Lieblingskollegin gefehlt hat, das Essen in der Kantine oder auch die Abwechslung zu den eigenen vier Wänden. Andere kramten nur widerwillig die Zugangskarte hervor: Die Pendelei nervt sie, der Lärmpegel auch – und der Kaffee daheim schmeckt auch besser als das, was da aus der Maschine im Büro tröpfelt.

Im ersten Schritt wurden die Arbeitsräume corona­kompatibel gemacht. Doch im zweiten Schritt – gerade auch angesichts des anstehenden Pandemie-Winters mit steigenden Infektionszahlen und wieder schärferen Auflagen – wird auch wieder im Großen über das Büro nachgedacht. Was vorher Alltag war, ist heute eine Abwägungsfrage: „Warum sollte ich in ein schlechtes Büro zurückkehren wollen?“, meint auch Andreas Pfnür, Professor für Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre an der TU Darmstadt.

Sogar Google denkt neu. Immer wieder hatten sich Unternehmen in den letzten Jahren von Einrichtung und Gestaltung aus dem Silicon Valley inspirieren lassen. Offene Büroflächen, flexible Schreibtischnutzungen, dazu Ecken und Gelegenheiten für den zufälligen Austausch unter den Mitarbeitern. Nun steht fest: Bis zum nächsten Sommer dürfen die Mitarbeiter des Techgiganten auf jeden Fall im Homeoffice bleiben.

Gleichzeitig arbeitet der Konzern daran, dass auch die eigenen Büros – ob das Googleplex in Mountain View oder die deutsche Zentrale in Hamburg – wiederbelebt werden können. „Wir schätzen unsere Büros sehr, wir schätzen die Kultur dort“, sagte ­Alphabet-Chef Sundar Pichai jüngst in einem Videointerview mit dem US-Magazin Time, „aber ich denke, wir müssen mehr Flexibilität ermöglichen.“

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Diese Herausforderung wird das Thema Arbeitsort in den nächsten Jahren prägen: Wie viel Austausch tut gut, wie viel Abstand ist gewünscht? Mitarbeiter und Vorgesetzte werden mehr darüber nachdenken müssen, welches Umfeld sie gerade benötigen. Und Unternehmen werden mit dem Problem umgehen müssen, den Widerspruch zwischen variablen Arbeitsorten und langfristigen Mietverträgen zu schaffen.

Mit Abstand und App ins alte Büro

Erst einmal müssen Sticker und Flatterbänder dabei helfen, das Arbeiten im Büro zu ermöglichen. Pfeile weisen die richtige Laufrichtung aus, Schreibtische werden auseinandergerückt. Die Mund-Nasen-­Bedeckung ist bis zum eigenen Arbeitsplatz Pflicht, regelmäßiges Stoßlüften plötzlich gerne gesehen. Coworking-­Anbieter Wework hat für die gemütlichen Sofaecken sogar eigene Kissen bedrucken lassen: „Bitte halte zwei Meter Abstand. “

Außerdem soll Technik helfen. Einige Unternehmen rüsteten Luftfilter für ihre Büros nach. Siemens kündigte im Sommer an, 100.000 Mitarbeiter an 600 Standorten in 30 Ländern mit der App Comfy zu versorgen. Die gehört praktischerweise seit einer Übernahme vor zwei Jahren zum eigenen Portfolio. Und half zunächst dabei, die Belegschaft über die Regeln an ihren jeweiligen Standorten aufzuklären: Wo sind die Räume wieder geöffnet, wie viele Mitarbeiter dürfen sich gleichzeitig im Büro aufhalten?

Dazu soll jetzt nach und nach auch die Anbindung an die Gebäudetechnik kommen. Dann lässt sich leichter erkennen, wie viele Personen sich schon in einem Raum befinden. Oder, wenn die Klimaanlage es zulässt, lässt sich auch eine passende Temperatur für den eigenen Arbeitsbereich einstellen. „Es gibt ein reges Interesse daran, in smarte Gebäudetechnologie zu investieren“, sagt Elisa Rönkä, die bei Siemens Smart Infrastructure die ­digitale Marktentwicklung in Europa verantwortet. „So kann man den Arbeitsplatz zukunftssicher gestalten.“

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