Interview

Die „letzte Meile“: Darauf müssen Onlinehändler beim Versand achten

(Abbildung: Shutterstock / DisobeyArt)

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Das ­finale Wegstück eines Pakets zur Haustür des ­Bestellers, entscheidet über die Rentabilität und Nachhaltigkeit im Onlinehandel – und über die Zufriedenheit des ­Kunden. Logistikexperte Ingo ­Bauer erklärt, worauf es dabei ankommt.

Ingo Bauer verantwortet bei der Unternehmensberatung PWC den Bereich Transport & Logistik. Als Partner im-Bereich Risk Assurance Solutions prüft und berät er börsennotierte Transport- und Logistikunternehmen und verantwortet neben seiner nationalen Rolle auch den Transport- und Logistiksektor auf europäischer Ebene. Bauer arbeitet zudem im Deutschen Verkehrsforum und in der Bundesvereinigung Logistik mit.

t3n: Der Onlinehandel boomt und ist auch ­wegen der Coronakrise am Limit. Wie kann die Logistikbranche auf der letzten Meile die steigende Nachfrage bewältigen?

Ingo Bauer: Der alljährlich prophezeite Paketkollaps ist auch zu Weihnachten 2020 ausgefallen, denn die Branche befindet sich seit April 2020 im Weihnachtsmodus. Die Lenkung der personellen Kapazitäten ist eine der großen Herausforderungen für Paketdienstleister. Sie hatten in den vergangenen Monaten krisenbedingt ein konstant hohes Sendungsvolumen zu meistern, was immerhin bedeutet, dass Kapazitäten nicht dauernd auf- und abgebaut werden müssen. Die letzte Meile hat sich durch das Homeoffice sogar entspannt, denn die Erstzustellquoten haben sich erhöht. Diese Entwicklung wird die sogenannte neue Normalität begleiten.

t3n: Die Paketdienste müssen sich in ­absehbarer Zeit großen Herausforderungen stellen. Welche ­Innovationen und ­Verbesserungen ­können wir in Zukunft im Bereich der letzten Meile erwarten?

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Die Paketdienstleister gehen bei den ­Optimierungslösungen in den Großstädten und auf dem Land oft unterschiedliche Wege. Im Fokus stehen hier Zwischenlagerlösungen für die weitere Verteilung, aber auch Depots für eine alternative Abholung an einem Zustellort. Eine Lösung, die die Haustürzustellung oder Abholung im Shop oder an der Paket­station revolutionieren könnte, sehe ich aber in den ­nächsten zwei bis drei Jahren nicht. Dafür wird die Zustellung mit einer immer effizienteren Routenplanung und der Um­rüstung des Fuhrparks auf Elektromobilität zunehmend umweltfreundlicher.

t3n: Wird das aufgrund des hohen Automatisierungsgrades dazu beitragen, Personal einzusparen?

Derzeit stellt die Branche Mitarbeiter ein, um das stetig steigende Volumen zu bewältigen. Das wachsende Sendungsvolumen hat dazu geführt, dass sich Paketdienstleister auf die Bewältigung der Massen konzentrieren und Zusatzdienstleistungen aus dem Fokus nehmen. Mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und lernenden Algorithmen zur Routen- und Packoptimierung kann die Effizienz auf der letzten Meile gesteigert werden. Den Fahrer, der ja auch be- und entlädt, wird das aber nicht so schnell ersetzen. Autonomes Fahren der Lieferfahrzeuge wird es ohne eine auf die automatisierte Entladung angepasste Infrastruktur in den nächsten Jahren nicht als Standard geben.

t3n: Welche Rolle spielt die letzte Meile ­finanziell? Wo gibt es Sparpotenzial?

Der Gewinn der Paketzusteller wird an der Haustür entschieden. Jeder weitere Zustellversuch geht an die Substanz. Hier setzen die Unternehmen auf Serviceangebote, die es dem Kunden komfortabler machen, die Anlieferung einzuplanen. ­Trackingangebote in Echtzeit und Zeitfensterzustellung sowie die digitale Möglichkeit, den Ablageort und die berechtigte Person zu bestimmen, sind heute weitgehend Standard und werden von den Kunden auch rege genutzt.

t3n: Paketdienste denken darüber nach, die Lieferung an die Haustür im Onlinehandel nur noch als kostenpflichtiges Extra anzubieten. Ist diese ein Auslaufmodell?

Die Diskussion, ob in Zukunft das Paket in den Kofferraum eines Fahrzeuges oder beim Arbeitgeber abgelegt wird, ist nicht nur durch Covid-19 in den Hintergrund gerückt. Von den vielen Ideen ­alternativer Ablagemöglichkeiten werden heute nur ­Paketstationen und Kiosk- bzw. Geschäftsdepots neben der Haustürzustellung gut angenommen. Die Haus­türzustellung ist keinesfalls ein Auslaufmodell, denn sie ist ein guter ­Puffer, der nicht überlaufen kann wie etwa die Kapazität einer Packstation.

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