Porträt

So versucht Kitchentown die Food-Szene aufzumischen

Bei Kitchentown in Berlin sitzen die Gründer nicht nur vor dem Bildschirm, sondern stehen auch in der Küche. (Foto: Ole Witt)

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Mit einer Mischung aus Küchen­labor, ­Coworking und ­Accelerator will ­Kitchentown die Foodtech-­Szene in ­Europa aufmischen. Kann das ­gelingen? Ein Ortsbesuch in Berlin.

Der Blick aus dem Fenster des Konferenzraums von ­Kitchentown bleibt am Berliner Fernsehturm hängen. Nur wenige ­Meter vom Alex entfernt hat der US-Foodtech-Inkubator seinen ­ersten Standort im Ausland eröffnet. Wo früher Mitarbeiter der ­Mercedes-Benz-Bank tagtäglich in die Kantine gingen, befindet sich jetzt ein Food-Labor, das sich über drei Etagen und 1.000 Quadratmeter erstreckt. Hier sollen Startups aus ganz Europa an der Zukunft des Essens arbeiten. Doch das Timing könnte für Kitchentown nicht schlechter sein: Die Corona-Pandemie mit ­ihren Kontaktbeschränkungen macht es jedem Geschäftsmodell schwer, das vom gemeinsamen Arbeiten und dem persönlichen Austausch lebt. Und das ausgerechnet wenige Monate nach dem Start im November.

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Food-Accelerator: Zu Besuch bei Kitchentown in Berlin

Auf insgesamt 1.000 Quadratmetern über drei Etagen erstreckt sich das Zukunftslabor von Kitchentown. (Foto: Ole WItt)

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Mit-Geschäftsführer Lukas Neuß wirkt im Gespräch dafür sehr entspannt: „Das physische Erlebnis und das Socialising leiden natürlich darunter, aber es hat uns nicht so schlimm getroffen“, betont der Manager, der zuvor für Bahlsen tätig war. Der Kekshersteller ist einer der Investoren von Kitchentown. „Wir ­hoffen vielmehr, dass die ­Krise die Transformation im bisher ­wenig digitalisierten Food-Bereich vorantreibt.“ Wegen Corona bietet der Accelerator neuerdings auch „­Remote Product Development“ an, für das pro Person und Monat eine Gebühr von 99 Euro anfällt. Seit Juli nutzen sechs Startups das Angebot.

Eigentlich finanziert sich Kitchentown über eine monat­liche Mitgliedsgebühr für die Nutzung von Büroplätzen, Produkt­entwicklung und Testküche für die Produktion von Erstmengen. Dafür ruft der Inkubator bis zu 640 Euro pro Person im Monat auf. Daneben versucht sich Kitchentown auch als Frühphasen­investor. Im Gegenzug für die Teilnahme an einem sechs­monatigen Acceleratorprogramm und einer Erstfinanzierung von 30.000 Euro müssen Startups sechs Prozent ihrer Unternehmensanteile abgeben.

„Wir hoffen, dass die Krise die digitale ­Transformation im Food-Bereich ­vorantreibt.“

In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich ein weiteres Standbein aufgetan: die Zusammenarbeit mit bereits etablierten Unternehmen, die sich von Kitchentown Nachhilfe in Innovation versprechen. Der deutsche Hersteller von Aroma- und Geschmacksstoffen Symrise zum Beispiel. „Symrise verlagert einzelne Entwicklungsprojekte zu uns, um sich intensiver mit agilem Arbeiten und Rapid Prototyping zu beschäftigen“, erzählt Neuß und nennt den Ansatz Collaborative Innovation.

Im Moment nutzen ihm zufolge rund 30 Startups das Mitglieder­modell; an der ersten Runde des Accelerator­programms zum Jahres­anfang haben vier Jungunternehmen teilgenommen. Wenn ihre Produkte ein Hinweis auf die Zukunft des Essens geben sollen, besteht diese aus veganen und zuckerfreien Dessert-­Alternativen, Hafer­produkten und alkoholfreien Destillaten als Basis für Cocktails und Longdrinks sowie Getränkepulver-Sticks für Leitungswasser. Kitchentown sieht sich selbst auch als Techplattform. Diese Produkte klingen wenig danach. „Wir definieren Technologie breiter. Für uns fallen darunter nicht nur Apps und Software oder Hardware, sondern auch Bio- und Lebensmitteltechnologie“, erklärt Neuß und fügt hinzu: „Wir wollen Startups aus diesen Gebieten die Spielregeln der Food-Industrie ­beibringen.“

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