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Interview
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Weg mit Einweg: Das können Onlinehändler für mehr Nachhaltigkeit tun

Die meisten ­Online­händler verschicken ihre ­Waren nach wie vor in Einwegkartons. ­Ressourcenschonend ist anders. Welche Alternativen es gibt, erklärt Verpackungsexperte Till Zimmermann im Interview.

3 Min. Lesezeit
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(Foto: Shutterstock / Dr. Victor Wong)

t3n: Wir bestellen alle fleißig Waren online und lassen sie uns an die eigene Haustür liefern. Die Paketflut sorgt nicht nur für verstopfte Straßen, sondern auch für überquellende Mülltonnen. Wie lässt sich der Ressourcenverbrauch senken?

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Till Zimmermann: Indem man wie im Getränkehandel auf Mehrwegverpackungen setzt. Im Versandhandel bewegt sich das leider noch in der Nische. Mit unserem Projekt Praxpack, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, wollen wir das ändern. Wir untersuchen zusammen mit unseren Projektpartnern, den Onlinehändlern Otto, Tchibo und Avocado Store, der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und der Firma Cargoplast, wie solche Systeme aufgebaut sein müssen, damit sie praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind.

t3n: Bei Paketversand denkt natürlich jeder unweigerlich an Amazon. Warum ist der größte Online-Player nicht dabei?

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Vor zwei Jahren in der Antragsphase ­unseres Projekts war das Interesse am Thema Nachhaltigkeit in der Branche noch deutlich geringer. Inzwischen stellen wir aber ein größeres Interesse in der gesamten Branche fest.

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t3n: Was sind die größten Hürden beim ­Einsatz von Mehrwegverpackungen?

Eine Mehrweglösung kostet bislang einfach mehr als eine Einweglösung. Anstelle von Insellösungen kann aber zum Beispiel ein vernünftiges Pooling-System, das heißt ein übergreifendes System, an dem viele beteiligt sind, die Kosten deutlich reduzieren. Insbesondere was die ­Rückführung angeht.

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t3n: Mehrweg setzen viele Verbraucher auch mit „umständlich“ gleich.

Die Akzeptanz der Kunden ist eine zentrale Herausforderung. Wir wollen ein ökologischeres System schaffen, und das funktioniert nur, wenn die Verpackung vom Kunden auch zurückgeschickt wird. Das Beispiel „Flaschenpfand“ zeigt, dass Kunden bereit sind, für acht Cent pro Flasche ganze Säcke in den Supermarkt zu schleppen. Die Kunden haben einfach ­verinnerlicht, dass man das so macht. An anderer Stelle ist man noch nicht so weit. Jeglicher Eingriff in die täglichen ­Routinen braucht Zeit und muss vernünftig ­kommuniziert werden.

t3n: Was tun Sie für die Aufklärung der ­Kunden?

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Wir wollen Information beilegen wie „­Hallo, ich bin eine Mehrwegverpackung und mit mir leistest du folgenden Beitrag“. Die Händler wollen entsprechende Websites und Kampagnen schalten.

t3n: Wie sieht es denn mit dem Faktor Zeit aus? Braucht Mehrweg auch länger?

Wenn genug Verpackungen vorhanden sind, ist das kein Problem. Wie sich bei Mehrwegkaffeebechern gezeigt hat, braucht man viel mehr, als gedacht, da die Kunden teilweise zehn Becher sammeln, bis sie sie zurückbringen.

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t3n: Forschungsprojekte haben in der Regel lange Laufzeiten und es dauert, bis konkrete Ergebnisse vorliegen. Haben Sie Tipps für Onlinehändler, was diese heute schon tun können?

Händler wie Avocado Store versuchen zumindest Einwegkartons mehrmals zu nutzen. Das könnte grundsätzlich jeder tun. Viele fürchten aber, dass der Kunde die Ware nur in einer Verpackung ­akzeptiert, die neu aussieht. Ein anderer Ansatzpunkt wäre, die nach wie vor viel zu großen Verpackungen zu verkleinern und weniger Füllmaterial zu verwenden.

Nachhaltige Alternative zu Einwegkartons: Mehrwegversandtaschen wie die vom finnischen Startup Repack. (Foto: Repack)

t3n: Und wie sind die Erfahrungen mit ­bestehenden Mehrweglösungen, gibt es hier Best Practices?

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Der deutsche Onlineversandhändler für Öko-Bürobedarf, Memo, zum Beispiel. ­Dieser verschickt seit vielen Jahren eine ­eigene Mehrwegbox und erreicht damit eine Rücklaufquote von nahezu 100 ­Prozent sowie rund 100 Umläufe pro Box. Die Kunden sind sogar bereit, die Box für den Rückversand zum nächsten Paketshop zu bringen. Wer die Box nicht zurückschickt, kauft sie automatisch für einen Preis von 20 Euro. Das machen sogar manche Leute absichtlich, weil sie die Box praktisch finden. Aber für viele andere Kunden wäre das eine zu hohe Hürde.

t3n: Wie könnte man es den Kunden leichter machen?

Eine Lösung sind Mehrwegversand­taschen, die ich normal als Paket erhalte und für den Rückversand einfach ­zusammenfalte und in den nächsten Briefkasten werfe. Oder Anreizsysteme wie Rabattgutscheine für den nächsten Einkauf oder das Sammeln von Punkten, um etwa einen Baum zu pflanzen.

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t3n: Plastik, Stoff, Papier, welches Material eignet sich am besten?

Wenn eine Verpackung nicht zu schwer und haltbar sein soll, dann kommt man um Kunststoff kaum herum. Auch wenn sich einige Akteure aus dem Nachhaltigkeitsbereich damit schwertun. Es besteht hier zum Beispiel die Option, recycelten oder biobasierten Kunststoff zu verwenden und die Verpackung recyclinggerecht zu gestalten.

Zum Interviewpartner: Till Zimmermann verantwortet das ­Themenfeld „Ressourcen und Kreislaufwirtschaft“ beim Ökopol Institut für Ökologie und Politik in Hamburg. Aktuell leitet er etwa das Projekt „Ökologisierung des Onlinehandels“ im Auftrag des Umweltbundesamtes und das BMBF-Projekt „Praxpack – Nutzerintegrierte Entwicklung und Erprobung von Geschäftsmodellen für praxistaugliche Mehrwegverpackungs­lösungen im Onlinehandel“. Das Interview wurde für die t3n60 geführt.

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