Porträt

Zenkit: Das Startup mit der Alleskönner-Software

(Foto: Jan Helge Petri)

Mit der Software von Zenkit sollen Firmen alles gleichzeitig organisieren können. Die Gründer planen nicht weniger als ein besseres SAP. Doch findet sich dafür auch ein Investor?

Ihr wertvollster Mitarbeiter ist ein Außerirdischer: Immer, wenn die Zenkit-Gründer Martin Welker und Peter Oehler ihr Maskottchen Asmo auf einem Messestand präsentieren, zieht es die Besucher magisch an. Das Geschöpf in brauner Robe, das an E.T. er­innert, prangt dann im Schneidersitz hockend auf einem Aufsteller und wirbt mit einem Leuchtkristall in der Hand für die Software der beiden Gründer. „Die Leute wollen dann sofort wissen, was wir eigentlich machen“, sagt Oehler.

Anders, magisch, Ruhe stiftend. Das soll Zenkit für Kunden sein. Und das in einem Markt, der in den vergangenen zehn Jahren so explodiert ist wie kaum ein anderer in der Software-Welt: Projekt­­management. Da wäre etwa Asana, gegründet von zwei Ex-­Facebook-Mitarbeitern, das seit seiner Gründung 2008 über 160 Millionen Dollar von Investoren erhalten hat. Ebenfalls die Planung von Projekten vereinfachen ­Trello und Wunderlist. ­Beide Anbieter wurden für hunderte Millionen Dollar von großen Techkonzernen aufgekauft. Hinzu kommen diverse Nachzügler wie Airtable oder Monday, die Firmen mit immer neuen Funktionen für sich gewinnen wollen.

Kein Wunder, dass dieses Software-Chaos an vielen Mitar­beitern in Unternehmen nicht spurlos vorübergeht. Die Überfor­derung nimmt zu. Laut einer repräsentativen ­Emnid-Umfrage fühlen sich 43 Prozent der Berufstätigen in Berlin durch zu viele digitale Tools am Arbeitsplatz behindert. Sie nutzen häufig Wunderlist als To-do-Liste, Trello für das Projekt­­management, Outlook zum Verwalten von E-Mails, Dropbox für das Filesharing und Slack für den Austausch mit Kollegen. Die Folgen: sinkende Konzentration, mehr Missverständnisse, längere Projektphasen.

Zenkit: Ein Tool für fast alles

Das sieht auch Zenkit-Gründer Martin Welker so: „Wir können es uns nicht leisten, einen guten Teil der Produktivität durch den Overhead von Software-Nutzung zu verlieren“, warnt der 43-­jährige Informatiker. Damit sich der digitale Wandel der ­Arbeitswelt mit der Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern vertrage, gebe es nur eine Lösung: „Wir brauchen Mut zur Reduktion, zur Vermeidung von Komplexität“, so Welker. Das soll sich auch im Namen seiner Software widerspiegeln: Zenkit, gesprochen mit weichem S, setzt sich zusammen aus Zen, der buddhistischen Lehre, und dem englischen Wort Kit, das so viel heißt wie Baukasten.

Zen ist Programm: Zenkit will durch ein aufgeräumtes Interface mehr Ruhe in die Projektverwaltung bringen. (Screenshot: Zenkit)

Zenkit will durch ein aufgeräumtes Interface mehr Ruhe in die Projektverwaltung bringen. (Screenshot: Zenkit)

Mitgründer Peter Oehler, der sich bei Zenkit um den Vertrieb kümmert, weiß, dass das erklärungsbedürftig ist. Ein weiteres Tool, um der Tool-Flut Herr zu werden? Kann das die ­Lösung sein? Oehler veranschaulicht die Vorzüge von Zenkit daher an einem banalen Beispiel: Einer Gartenparty, die am nächsten ­Wochenende stattfinden soll.

Er navigiert über die helle Oberfläche im Browser und erstellt zuerst eine Liste mit Dingen, die für die Gartenparty benötigt werden. Ein DJ, Grillgut, einige Kisten Bier, zwei Lichterketten. Jeder Aufgabe weist Oehler ein Fälligkeitsdatum und einen Verantwortlichen zu. „Normalerweise würde dafür eine App wie Wunderlist reichen. Aber was dort fehlt, ist ein genauer Überblick zum Fortschritt des Projekts“, erklärt der 43-Jährige. Bei Zenkit kein Problem: Mit einem Klick wandelt er die To-do-Liste in eine Kanban-Tafel um, eine Funktion, die viele Unternehmen bisher vor allem von Trello kannten. Dieses Tool ist nun nicht mehr notwendig. Auch mit Zenkit kann jede Aufgabe im Projekt „Gartenparty“ einer bestimmten Phase zugeordnet werden. Etwa „in Bearbeitung“ oder „Erledigt“. Das sei aber noch nicht alles, sagt Oehler. Die Darstellung von Projekten könne noch weiter variiert werden. „Auch Excel-Tabellen, eine Kalenderansicht und sogar Mindmaps für erste Skizzen sind möglich.“

Dadurch, dass Zenkit die Funktionen vieler Anbieter in ­einer einzigen Software zusammenfasst, will es sich von der ­Kon­kurrenz abheben – und so das Tool-Wirrwarr im Büroalltag vieler Unternehmen eindämmen. Welker und Oehler legen großen Wert darauf, dass die Ansichten schlank und luftig bleiben und zum Bearbeiten einladen. Deswegen ploppen viele Funktionen von Zenkit auch erst auf, wenn Nutzer über einen Menüpunkt fahren, oder sie verbergen sich hinter einem weiteren Klick.

Wer seine Projektdaten nicht selbst in Zenkit anlegen möchte, kann sie aus fremden Anwendungen wie Trello oder Wunderlist über eine Programmierschnittstelle importieren. Die Vision der beiden Gründer: Eine Software, mit der Mitarbeiter eines Unternehmens alles gleichzeitig organisieren können.

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