Ratgeber

6 Design-Sprint-Methoden, die euren Arbeitsalltag transformieren

(Foto: Shutterstock)

Im Design-Sprint wird in fünf Tagen zu einer konkreten Aufgabenstellung eine Lösung erarbeitet, prototypisch umgesetzt und getestet. Unsere Gastautorin hat sechs wichtige Aspekte aus diesem Prozess herausgearbeitet.

1. Mit Kalender und Stoppuhr: Legt klare Tages- und Wochenziele fest

Die Ziele für die Woche sind das Herzstück eines jeden Design-Sprints – lasst euch davon inspirieren:

  • Legt konkrete, messbare Tages- und Wochenziele fest. Jedem Teammitglied muss klar sein, wie seine Ziele konkret lauten und welche Zwischenschritte nötig sind. Trefft euch wöchentlich und überprüft, welche Ziele erreicht worden sind – und feiert die Erfolge.
  • Integriert regelmäßige Feedbackrunden in den Zeitplan. So könnt ihr schnell erkennen, wenn es in die falsche Richtung geht.
  • Und plant auch Pausen ein: Damit sich eure Gedanken nicht unproduktiv im Kreis drehen, hilft es, sich während des Arbeitsprozesses regelmäßig kurze, intensive Auszeiten zu gönnen und wirklich abzuschalten. Oft kommen uns die richtig guten Ideen, wenn wir aufhören, über sie nachzudenken.

2. Brainstorming mal anders: Arbeitet individuell ‒ im Team

Die Brainstorming-Methode soll die Entwicklung von neuen, ungewöhnlichen Ideen im Team fördern. Doch wie schafft man es, sich dabei nicht in Diskussionen zu verstricken oder eher zurückhaltende Teammitglieder zu übergehen?

  • Beim Together-Alone-Prinzip ist jedes Teammitglied für ein paar Minuten auf sich allein gestellt, um Gedanken und Ideen zum Brainstorming-Thema zu skizzieren. Risiken durch die Gruppendynamik werden so umgangen und die individuelle Kreativität und Motivation des Einzelnen angespornt.
  • Danach werden die besten Ideen im Team präsentiert. Das kann auch anonym geschehen, um den Prozess ganz offen und fair für alle zu gestalten.
  • Die Visualisierung des Denk- und Arbeitsprozesses ist ebenfalls eine wesentliche Komponente: Verwendet Stifte, Aufkleber, bunte Zettel, um eure Gedanken visuell darzustellen. Ein Gedanke kann zum Beispiel auch durch eine Skizze oder ein Bild dargestellt werden.

3. „Wann kommen wir mal zum Punkt?!“ – Entscheidungen schnell treffen

Habt ihr über ein Brainstorming viele Ideen gesammelt, stellt sich die Frage, wie ihr daraus schnell und zielführend eine Lösung erarbeitet, hinter der alle stehen. Ein paar Ideen:

  • Strukturiert die Diskussion und begrenzt vorab die Diskussionszeit. Da es als unhöflich angesehen wird, andere zu unterbrechen, kann zum Beispiel ein Wecker diese unliebsame Aufgabe übernehmen.
  • Nachdem ihr alle Ideen und Lösungsvorschläge gesammelt und im Raum aufgehängt habt, könnt ihr durch ein Voting mit Klebepunkten die besten Ideen unkompliziert herausfiltern. Damit man nicht durch die offene Abstimmung von den anderen beeinflusst wird, kann die moderierende Person die Optionen durchnummerieren und jeder notiert vorab auf dem Klebepunkt, für welche Option er sich entscheiden will – erst danach wird gemeinschaftlich geklebt. Außerdem kann während der Abstimmung ein absolutes Redeverbot erteilt werden. ;-)
  • Bei Design-Sprints nehmen immer auch die Entscheider teil – und zwar aus gutem Grund: Sie müssen die Entscheidung mittragen, damit diese nicht nachträglich revidiert wird und der ganze Prozess umsonst war. Deshalb sollte bei euren Entscheidungsprozessen konsequent mindestens eine entscheidende Person anwesend sein.

4. Weg vom Problem, hin zur Lösung: Positives Formulieren

Die Wortwahl beeinflusst unser Denken – und bestimmte Formulierungen können helfen, sich von Beginn an nicht auf das Problem, sondern auf die Lösung zu konzentrieren.

  • „How Might We“-Fragen stellen einen Kernaspekt aus dem Design-Sprint dar. Wenn ihr mit den Worten „Wie können wir …?” an die Sache herangeht, wird das Problem automatisch als lösbare Herausforderung verstanden. Außerdem betont diese Formulierung das Wir-Gefühl im Team.
  • Als kleines Experiment könnt ihr auch das Wort „aber” für eine Woche in der Team-Kommunikation aus eurem Wortschatz streichen – ersetzt es einfach durch „und” oder bei Erwiderungen mit „Ja, und …”. Ein Satz wie „Der Entwurf sieht gut aus, aber der Slogan muss noch aktualisiert werden” klingt unnötig negativ – stattdessen kann man einfach sagen: „Der Entwurf sieht gut aus, und der Slogan muss noch aktualisiert werden”. Mit solch simplen Hacks kann man sein Gehirn austricksen, lösungsorientierter zu denken.
  • Auch das Wort „müssen” kann in der Regel durch „wollen” ersetzt werden, ohne dass der Sinn verfälscht wird: Wenn ihr euren Usern guten Support bieten wollt statt müsst, klingt das sofort motivierender – und es betont eure bewusste, freiwillige Entscheidung sowie den Nutzen dahinter.

5. Mehr als ein Produkt: Rückt den Menschen in den Mittelpunkt

Lösungen in der Theorie halten in der Praxis nicht immer, was sie versprechen. Deshalb ist es wichtig, von Anfang an Usertests mit den Menschen durchzuführen, für die das Produkt, die Idee, die Lösung entwickelt werden soll:

  • Sucht geeignete Interviewpartner, die eure Zielgruppe repräsentativ vertreten.
  • Führt mit ihnen empathische Interviews: Indem ihr euch in die Zielgruppe einfühlt, könnt ihr euch dem Menschen hinter dem Produkt annähern, seine Bedürfnisse, Träume, Herausforderungen und Ängste kennenlernen. Mit offenen Fragen bekommt ihr einen authentischen Einblick in die Welt derer, für die ihr eure Lösung entwickelt – überlegt euch anschließend, was die neuen Erkenntnisse für euch bedeuten können.
  • Darauf basierend könnt ihr Personas und eine Costumer-Journey-Map erarbeiten. Findet heraus, wie das Kundenerlebnis konkret aussehen soll und welche direkten und indirekten Berührungspunkte es gibt.

6. „Darf ich vorstellen …?” – testet schnell und lernt noch schneller

Ein Grundgedanke aus dem Design-Sprint: Nicht reden – machen! Innerhalb von einer Woche wird sich für einen Ansatz entschieden, er wird prototypisch umgesetzt und mit echten Usern getestet. Daraus könnt ihr auch für euren Projektalltag lernen:

  • Fördert generell eine konstruktive Fehler- und Feedbackkultur und bestärkt euch als Team, auch mal Neues auszuprobieren und euch für euren Mut zu belohnen. Fehler dürfen passieren, denn aus ihnen könnt ihr lernen – ganz nach dem Design-Thinking-Motto „Fail often and early“.
  • Das Arbeiten mit vorläufigen Ergebnissen wie beim Design-Sprint setzt eine Arbeitskultur voraus, in der schnelles Testen und kontinuierliches Lernen umgesetzt werden können. Damit ihr also nicht erst zu lange in der Theorie stecken bleibt: Bastelt, malt und knetet auch mal, um eure Ideen schnell greifbar zu machen. Perfektionismus ist hier kontraproduktiv!
  • Nachdem ihr eine neue Idee prototypisch umgesetzt habt, lasst sie so schnell wie möglich mit echten Nutzern interagieren. Dieses Feedback von außen ergibt übrigens für fast alles Sinn: Websites, Produkte, interne Arbeitsprozesse, Marketing, Branding und vieles mehr – testen lässt sich fast alles. Arbeitet man länger an einer Sache, bekommt man zwangsläufig einen Tunnelblick. Nur durch Testing, sei es auch nur mit dem neuesten Mitarbeiter, bekommt ihr frisches Feedback, das ihr ernst nehmen solltet!

Ob als klassischer Design-Sprint in einer Woche oder in eurem eigenen zeitlichen Rahmen – wenn ihr euch ein Design-Sprint-Mindset aneignet, könnt ihr neue Geschäftsideen und Produkte, aber auch Strategien und Prozesse in kürzester Zeit testen und optimieren. Als Team arbeitet ihr dynamisch zusammen, während eurer Individualität Raum gegeben wird und ihr die Effizienz eurer Zusammenarbeit erheblich steigern könnt. Und das Beste ist: Schnell gute Ergebnisse zu erzielen, macht auch richtig Spaß!

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