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Interview

Adblock-Plus-Chef Till Faida: Tun dir die Publisher manchmal leid?

Adblock-Plus-Chef Till Faida. (Foto: Eyeo)

Aus Köln kommt Eyeo, der weltweit größte Adblocker für das Web. CEO Till Faida hat das Unternehmen mit heute 100 Mitarbeitern komplett ohne Investoren  aufgebaut. Im Interview spricht er über den Streit mit Verlagen – und was Eyeo mit Flattr vorhat.

t3n.de: Till, tun dir die Publisher manchmal leid?

Till Faida: Sie tun mir nicht leid – aber wir sehen alle das Problem: Dass es für Content im Web noch kein wirklich funktionierendes Finanzierungsmodell gibt. Wir haben einerseits Werbung, allerdings ist die Ad-Tech-Branche in vielerlei Hinsicht extrem dysfunktional, sodass Werbung richtig gut nur für einige Wenige funktioniert. Und dann haben wir Paywalls und die funktionieren auch nur für eine Handvoll Websites weltweit. Immer mehr Publishern wird bewusst, dass Content zu kreieren und dann Banner danebenzukleben kein wirklich funktionierendes Geschäftsmodell ist. Deshalb sehe ich hier eine sehr große Chance für alle Beteiligten, wenn wir einen alternativen Ansatz für funktionierende Werbung und mit Flattr einen komplett neuen Ansatz für Payments im Web umsetzen.

Zu Flattr kommen wir noch. Es gab eine Reihe von Gerichtsprozessen gegen euch, die ihr bisher alle gewonnen habt. Kommt da jetzt noch was?

Als nächstes kommt der BGH. Wir haben sieben Verfahren in den ersten zwei Instanzen gewonnen. Jetzt steht noch die letzte Instanz beim BGH aus, die im Laufe des nächsten Jahres kommen wird.

Es gab viel Kritik an eurer Whitelist für Werbung, für die ihr euch bezahlen lasst. Werden die Zahlungen irgendwo transparent gemacht und ist öffentlich nachvollziehbar einsehbar, was akzeptierte Werbung ist, die ihr zulasst?

Selbstverständlich. Wir haben das Programm von Anfang an sehr transparent aufgezogen. Die Kriterien sind für jeden klar und nachvollziehbar und werden inzwischen von einem unabhängigen Non-Profit-Komitee aufgesetzt. Die Gruppe besteht aus fast 50 Organisationen, die unterschiedliche Interessen repräsentieren. Es sind vier Stakeholder-Gruppen in diesem Komitee vertreten: die Werber, die Publisher, aber eben auch die Nutzer und Digital-Rights-Organisationen, sodass Acceptable Ads immer die richtige Balance zwischen den Monetarisierungs-Möglichkeiten der Publisher und den Interessen der Nutzer finden können.

Welche Publisher sind denn im Komitee vertreten? Gibt es da irgendeinen bekannten deutschen Verlag, der mitmacht?

Alle Mitglieder sind auf acceptableads.com öffentlich einsehbar. Es macht bisher noch kein deutscher Verlag mit.

Wie kann denn eine Werbung aussehen, die funktioniert und dennoch nicht nervt?

Das Wichtigste ist, dass sich der Nutzer entscheidet, mit der Werbung zu interagieren. Sobald Werbung versucht, sich aufzudrängen, wissen wir von Nutzerbefragungen, dass die Akzeptanz der Werbung dann nicht mehr gewährleistet ist. Die Kernkriterien, die aktuell gelten, sind: Werbung darf nicht zu viel Platz einnehmen, muss klar als solche gekennzeichnet sein, darf den Lesefluss nicht unterbrechen und Animationen und andere Rich-Media-Experiences können nur abgespielt werden, wenn der Nutzer sich entscheidet, mit der Werbung zu interagieren.

Aber gibt es wirklich Werbung, die diesen Kriterien genügt und bei der der Nutzer trotzdem zu einem relevanten Prozentsatz mit dieser Werbung interagieren? Und wenn ja, welche Werbung ist das dann?

Ja, das Modell funktioniert sehr, sehr gut. Das Hauptproblem, warum Werbung im Internet schlecht funktioniert ist, dass es einfach zu viel davon gibt und, dass dementsprechend die Preise seit Jahren sinken. In unserem Acceptable-Ads-Ökosystem schaffen wir einen anderen Ansatz, in dem weniger, aber dafür hochwertigere und auch unaufdringlichere Werbung am Ende für die Publisher besser funktioniert als aggressive oder störende Werbung.

Hast du mal ein konkretes Beispiel für eine Werbung, die gut funktioniert, ohne aufdringlich zu sein?

Es ist schwer, da jetzt einzelne Dinge herauszuheben, weil wir mittlerweile sehr weit verbreitet sind – insbesondere in den USA. Dort machen unter den Top 100 der Website mittlerweile 40 bei Acceptable Ads mit. Und unter den Top 10.000 Websites weltweit machen mittlerweile 1.500 bei Acceptable Ads mit. Gerade die Werbeformen, die etwas nativer sind, aber gleichzeitig klar als Werbung gekennzeichnet, funktionieren sehr gut, weil sie einerseits eine sehr hohe Nutzerakzeptanz haben, aber andererseits auch signifikante Einnahmen für Publisher generieren.

Ihr nehmt das Geld einerseits für das Whitelisting – macht ihr auch eine eigene Vermarktung über Acceptable Ads?

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