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Interview

Zuckerberg-Investment Adyen: „Wer will uns denn kaufen?“

Adyen mit starkem Börsendebüt. (Foto: Adyen)

Adyen bietet künftig Wechat als Zahlungsmethode an der Ladentheke an. Was sich der niederländische Zahlungsanbieter davon verspricht – und was er zu den IPO-Gerüchten sagt.

Adyen ist so etwas wie ein Hidden Champion: Der niederländische Zahlungsanbieter hat rund 217 Millionen Euro an Finanzierung erhalten. Sogar die Investmentfirma von Mark Zuckerberg ist Anteilseigner, Firmen wie Netflix schwören auf den Dienst. Selbst eine Banklizenz kann das Unternehmen seit 2017 vorweisen. Trotzdem kennen es nur wenige, weil es komplett im Hintergrund arbeitet: Über Adyen werden Zahlungen im E-Commerce abgewickelt.

Allerdings konzentriert sich das Unternehmen längst nicht mehr nur auf das Web. Zunehmend ist es auch im stationären Handel präsent. So hat Adyen am Mittwoch bekannt gegeben, dass chinesische Kunden mit ihrer Hilfe künftig auch an der Ladentheke mit Wechat zahlen können. Deutschlandchef Volker Steinle hat uns vorab erklärt, wie es dazu gekommen ist, was Omnichannel für einen Zahlungsanbieter bedeutet – und was es mit den Gerüchten um einen möglichen Börsengang von Adyen in diesem Jahr auf sich hat.

Adyen-Deutschlandchef über IPO-Pläne, Wechat und die deutsche Konkurrenz

t3n.de: Volker, jeder macht gerade irgendwas mit China, auch Adyen. An der Ladentheke wollt ihr nun Wechat Pay einführen. Warum ausgerechnet da?

Volker Steinle: Weil unsere Händler danach gefragt haben. Wechat Pay haben wir ja schon vor einer Weile im E-Commerce integriert. Aber wenn ein Chinese in Europa oder in den USA shoppen geht, will er auch im Laden von Louis Vuitton oder Swarovski mit Wechat zahlen können. Das ermöglichen wir jetzt.

t3n.de: Wie funktioniert das konkret?

In China läuft ja alles über QR-Codes. Kann man sich hierzulande nicht vorstellen, ist aber so. Deswegen gibt es einen QR-Code auf unseren Terminals, den können die Käufer scannen und dann per Wechat bezahlen.

t3n.de: Ihr richtet euch konkret an chinesische Konsumenten. Warum zahlen die nicht mit Master- oder Visacard?

Ganz einfach: Weil das Limit für den Auslandseinsatz dort geringer ist. Bei Wechat ist direkt das Konto von China Union Pay hinterlegt, da gibt es keinen umständlichen Umweg über die Karten.

Volker Steinle ist der Deutschlandchef von Adyen. (Foto: Adyen)

t3n.de: China ist nicht gerade als das datenschutzfreundlichste Land bekannt, das gilt auch für Anbieter wie Wechat. Die FAZ bezeichnete das Ökosystem dahinter kürzlich gar als Überwachungsapp. Wie steht ihr dazu? 

Wir halten uns natürlich an die lokale Gesetzgebung, das ist klar. Aber den Datenaustausch zwischen Wechat und der Regierung können wir nicht verhindern. Wichtig ist hier aber, dass die Zahlungsdaten nicht bei uns hinterlegt sind, sondern direkt bei Wechat Pay oder Alipay. Die sind für uns nicht einsehbar. Wir können also gar keine Daten weitergeben.

t3n.de: Auch in Deutschland nutzen viele Adyen, wissen das aber gar nicht. Ihr arbeitet im Hintergrund. Wie würdest du einer Person auf der Straße erklären, was ihr macht?

Wir sind die Schnittstelle zwischen dem Shopper und dem Onlineshop. Wenn ein Kunde seine Zahlungsdaten in ein Onlineformular einträgt, sind wir diejenigen, die die Zahlung entgegennehmen.

t3n.de: Warum nehmen die Unternehmen die Zahlung nicht selbst an?

In Deutschland muss ein Händler meinetwegen fünf Zahlungsarten anbieten, beispielsweise Kreditkarte, Paypal, Giropay, Sofortüberweisung und Sepa. Wenn er all diese Zahlungsweisen an seinen Shop anbindet, hat er nicht nur fünf Verträge, sondern auch fünf verschiedene technische Anbindungen und fünf verschiedene Reportings. In Deutschland tut sich das ein Onlineshop vielleicht noch an. Aber bei einer Expansion wird es schon heikel.

t3n.de: Der Einsatz von Adyen lohnt sich also erst, wenn ein Händler in mehreren Ländern aktiv ist?

Nicht unbedingt. Aber dann wird der Vorteil besonders deutlich. Wir bieten 250 verschiedene Bezahlmethoden. Es würde ein einzelnes Unternehmen wie Hugo Boss, Sixt oder Groupon ganz schön viel Zeit kosten, die alle anzubinden – und dann auch noch für Onlineshops und im Laden.

t3n.de: Die Händler sparen den Aufwand vielleicht, ihr habt ihn aber trotzdem. Wie funktioniert das im Alltag?

Wir haben ein Team, das sich um alternative Zahlmethoden kümmert. Wenn wir in einen neuen Markt reingehen, schauen wir uns an, was die relevanten Bezahlmethoden dort sind, welche Präferenzen es gibt. Und dann suchen wir den Kontakt zu den Anbietern. Das Team erklärt, wer wir sind, was wir machen wollen, welche Kunden wir haben und was der Vorteil für den Anbieter wäre.

t3n.de: Und wenn der Zahlungsdienstleister interessiert ist?

Dann schließen wir im zweiten Schritt Verträge ab. Da steht sinngemäß drin, dass wir als „Wiederverkäufer“ auftreten und einen direkten Anschluss an das System bauen. Wenn alles implementiert ist, erstellen wir aus den Zahlungen, die über das System abgewickelt werden, einen eigenen großen Report für alle Bezahlmethoden.

t3n.de: Was steht in so einem Report drin?

Zum Beispiel, welche Bezahlmethode wie oft gewählt wurde, wie hoch die Beträge im Durchschnitt waren, wie hoch die Kosten für den Händler lagen. Aber auch Daten zu den einzelnen Shoppern: aus welchem Land er kommt, welche IP-Adresse er verwendet.

t3n.de: Da höre ich den Aufschrei der deutschen Datenschützer.

Unsere Verträge mit unseren Händlern in Deutschland sind konform mit dem Bundesdatenschutzgesetz. Und es gibt gewisse Daten, die wir als Paymentprovider aufbewahren müssen. Beispielsweise müssen wir die allgemeinen Zahlungsinformationen sieben Jahre lang speichern. Das ist nicht aus purer Sammelwut, sondern hängt mit Anti-Geldwäsche-Gesetzen zusammen. 

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