Interview

Zuckerberg-Investment Adyen: „Wer will uns denn kaufen?“

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t3n.de: Könnt ihr denn die IP-Adresse zurückverfolgen, wenn ein Kunde einen VPN nutzt?

Nein. Wenn uns ein VPN als Standort Warschau anzeigt, obwohl der Kunde in Amsterdam sitzt, lässt sich das nicht nachvollziehen.

t3n.de: Und wie könnt ihr dann den Kunden finden, wenn er betrügt?

Es gibt noch mehr Möglichkeiten als die IP-Adresse. Wir reden ja von großflächigem Betrug. Wenn sich ein professioneller Betrüger eine Liste mit 200 Kreditkarten im Internet gekauft hat, dann ändert er seine Identität. Früher konnte man dann nur die IP-Adresse verfolgen. Mittlerweile werten wir aber alle Informationen, die ein Shopper in Transaktionen überträgt, aus und können mit Hilfe eines Algorithmus auswerten, mit welcher Wahrscheinlichkeit es derselbe Shopper ist. Auch wenn die IP-Adresse eine andere ist. Wir nennen das Shopper-DNA.

t3n.de: Welche Daten fließen da ein?

Zum Beispiel gibt es eine Übereinstimmung in der Referenznummer oder der Betrüger verwendet eine ähnliche E-Mail-Adresse. Aber wir werten das für jeden Händler einzeln aus. Also der Onlineshop bekommt diese Shopper-DNA nur für die Kunden, die wirklich über seine Seite einkaufen. 

t3n.de: Reden wir über die Zukunft. Die großen Schlagworte im Handel heißen nicht mehr nur E-Commerce, sondern auch Omnichannel und Multichannel. Derzeit seid ihr vor allem im Internet unterwegs. Gibt es Überlegungen, in den stationären Handel zu gehen?

Durchaus, da sind wir schon. Wir arbeiten ja auch mit Verifone, einem Kassensystem, zusammen. Wir kaufen die Terminals ein und spielen dann unsere eigene Payment-Software darauf. Wir sind zwar noch am Anfang, wir sind beispielsweise noch nicht in Supermärkten oder in Tankstellen. Aber wir werden da natürlich irgendwann mal landen.

t3n.de: Warum ist euch das so wichtig?

Weil wir bisher nur abbilden können, was der Kunde online kauft. Händler wissen aber nicht, was er im stationären Geschäft erwirbt. Im Omnichannel ist aber genau das eine wichtige Frage: Ist der Kunde gerade zufällig in das Geschäft gelaufen? Oder hat er schon online etliche Male eingekauft? Das ist wiederum wichtig für das Risikomanagement.

t3n.de: Aber wozu braucht der Händler die Zahlungsdaten? Das kann er auch herausfinden, wenn er die E-Mail-Adresse nachfragt.

Ja, aber die E-Mail-Adresse nachzufragen, ist erstens immer noch komisch und vereinfacht zweitens für den Kunden erst einmal nichts. Mit einer einfacheren Zahlung wird es dagegen auch für den Shopper einfacher. Ich persönlich kaufe meine Kleidung am liebsten online. Einige Läden nerven mich: Es gibt nie meine Größe und die Hosen sind nicht in allen Farben verfügbar. Mittlerweile gucke ich im Laden nur noch, ob die Größe passt, und dann bestelle ich online. Für mich wäre es einfacher, wenn ich die Kleidung bestelle und sie dann in den Laden geliefert wird.

t3n.de: Das ist doch jetzt auch schon möglich.

Aber bisher muss ich im Geschäft zahlen. In Zukunft könnte es möglich sein, dass ich mich im Laden identifiziere und meine Hose nur noch mitnehmen muss. Alles andere wird im Hintergrund abgewickelt. Wenn der Händler anklickt, dass ich die Hose abgeholt habe, wird automatisch der Betrag abgebucht.

t3n.de: Jetzt seid ihr natürlich längst nicht die Einzigen, die das machen. In Deutschland habt ihr Konkurrenten wie Wirecard und Concardis. Braucht es einen Anbieter wie Adyen hierzulande überhaupt?

Das ist ein guter Punkt. Natürlich gibt es verschiedene Anbieter in Deutschland, da müssen wir nicht drüber streiten. Aber ich würde argumentieren, dass Adyen mehr ist als nur ein Paymentprovider. Wir offerieren alle Services entlang der Wertschöpfungskette: Wir haben eine direkte Anbindung bei Master- und Visacard, wir bieten Point-of-Sale-Bezahlungen an, Risk-Management, Processing, Reportings. 

t3n.de: Hilft es, dass ihr mittlerweile eine Banklizenz habt?

In der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht, weil es mehr Vertrauen schafft. Aber im Alltag fragt uns jetzt keiner danach. Wir waren auch vorher schon etabliert. 

t3n.de: Das Thema Vertrauen ist gerade bei Bezahlungen nicht zu unterschätzen. Der Konkurrent Paymill hat 2017 Insolvenz angemeldet, das war für die Szene nicht so optimal. Färbt das auf euch ab?

Nein, wir haben in dieser Zeit große Kunden, wie etwa Flixbus gewonnen. Vom Gefühl her gibt es aber detailliertere Fragen zum Thema Finanzen, wenn wir bei neuen Händlern vorstellig werden. Die Unternehmen wollen jetzt genauer wissen, wie viel Umsatz wir bewegen, sie wollen Wirtschaftsprüferberichte sehen. Ein guter CFO will natürlich wissen, wie wir aufgestellt sind. Das ist aber auch in Ordnung.

„Eigentlich hätten wir das Zuckerberg-Investment nicht gebraucht.“

t3n.de: Ihr habt mit Iconiq und Index zwei große Investoren an Land. Plant ihr noch mal eine Finanzierungsrunde?

Nein, das haben wir nicht nötig. Wir arbeiten ja schon seit 2011 profitabel. Eigentlich hätten wir auch schon das Investment von Iconiq nicht mehr gebraucht.

t3n.de: Warum nicht?

Weil wir auch zu dem Zeitpunkt schon durchfinanziert waren. Da ging es mehr um das Netzwerk im Silicon Valley. Aber das Medienecho hat uns natürlich geholfen. Wenn irgendwo steht, dass Mark Zuckerberg in deine Firma investiert, dann ist das wie eine Auszeichnung, eine Art Goldmedaille. Das hat uns schon allen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

t3n.de: Aber irgendwann wollen die Investoren das Geld ja zurück. Was wäre dann der nächste Schritt? Ein Börsengang?

Ein Börsengang ist natürlich ein Instrument, um die Anteilseignerschaft zu restrukturieren. Aber wir haben keine konkreten Pläne.

t3n.de: Und ein Verkauf?

Wer will uns denn kaufen? Wenn Apple ein Angebot macht, dann will Samsung plötzlich nicht mehr mit uns zusammenarbeiten, weil die Konkurrenz die Daten einsehen kann. Dann ergibt unser derzeitiges Geschäftsmodell gar keinen Sinn mehr. Daher kann ich fast eine Blutunterschrift darauf geben, dass wir nicht verkaufen.

t3n.de: Volker, vielen Dank für das Gespräch.

 

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