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Analyse

Aldi Süd: Wie der neue Lebensmittel-Lieferdienst den Markt verändern könnte

Aldi Süd plant einen Lieferdienst für Lebensmittel. Wie einige Wirtschaftsmedien berichten, könnte der Discounter in der ersten Jahreshälfte in Deutschland die „wohl größte Online-Offensive der Unternehmensgeschichte“ starten. Das hätte weitreichende Folgen für die gesamte Branche.

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Aldi Süd: Kommt der Onlineshop für Lebensmittel 2023? (Foto: Daria Nipot / Shutterstock.com)

Bisher hatte sich das Unternehmen, wie auch andere Lebensmitteldiscounter, beim Liefern von frischen Lebensmitteln zurückgehalten – nicht refinanzierbar sei dies und gerade bei den extrem preissensitiven deutschen Kund:innen nicht abbildbar. Erste Erfahrungen in dem Sektor sammelt Aldi derzeit in den USA, wo ein entsprechender Webshop bereits am Start ist – und das Angebot teilweise mit dem Startup Instacart realisiert wird.

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Es wäre ein echter Gamechanger, in einem Markt, der seit Jahren als Milliardenmarkt gilt, dessen Potenzial nach dem Urteil mehrerer Unternehmensberatungen aber nur zu einem kleinen Bruchteil ausgeschöpft wird. Rund 4,5 Milliarden wurden in Deutschland 2020 mit Lebensmittellieferungen via Onlinehandel umgesetzt, mit 10,7 bis 13,4 Milliarden Euro Umsatz rechnet das Institut für Handelsforschung in Köln bis 2025 – je nachdem, wie beherzt einige große Player einsteigen.

Lieferdienste mit angezogener Handbremse

Bisher läuft da E-Food-Geschäft noch bei keinem der Marktteilnehmer wirklich rund und, wie es ein Logistikexperte kürzlich auf einem Podium formulierte, „mit angezogener Handbremse“. Egal ob Rewe Lieferdienst (der kürzlich mit ein paar Rechentricks sein Zehnjähriges feierte), Bringmeister oder spezielle Dienste wie Knuspr, Gorillas, Flaschenpost oder Picnic – sie alle zahlen zumindest bislang noch drauf und sind vor allem in den meisten Fällen nicht bundesweit am Start. Mitbewerber Lidl wiederum hat nach einigen Versuchen den E-Commerce weitgehend auf die Non-Food-Produkte fokussiert, macht damit aber immerhin gut eine Milliarde Euro Umsatz (Platz 8 im deutschen Onlinehandel laut der kürzlich veröffentlichen EHI-Rangliste).

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Die Kund:innen wären dagegen durchaus bereit, Lebensmittel zumindest teilweise im Internet zusammen zu klicken und entweder, wenn dies zuverlässiger als bisher funktioniert, fertig gepackt im Markt abzuholen oder liefern zu lassen. Doch gerade bei größeren Bestellungen ist das Ergebnis bei Weitem noch nicht so überzeugend, wie man es ansonsten aus dem Onlinehandel kennt.

Hinzu kommt, dass die Logistik eine echte Herausforderung ist und die Aussteuerung der Lieferkapazitäten darüber entscheidet, wie rentabel das Geschäft überhaupt werden kann. Und die Kund:innen erwarten umgekehrt, dass die Lieferdienste auch regelmäßig entsprechend zeitnahe Lieferfenster bieten können.

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Wenn Aldi liefert: Investitionen in Millionenhöhe nötig

Zum Einsatz kommt bei dem Pilotprojekt in den USA offenbar eine Softwarelösung von Spryker. Parallel zur Plattform bedeutet das Engagement aber vor allem auch, dass Personal gebraucht wird – von 50 Stellen im E-Commerce ist die Rede, nicht mitgerechnet die Logistikstellen. Für die Lieferlogistik sprechen Handelsexpert:innen von einem dreistelligen Millionenbetrag, den Aldi Süd mittelfristig in die Hand nehmen muss – selbst für den erfolgsverwöhnten Discounter, dem in letzter Zeit der Wind gerade im Stammmarkt Deutschland ins Gesicht weht, kein kleiner Betrag.

Bislang testet der Lebensmittelkonzern, so heißt es aus der Zentrale, den Dienst nur in einigen Pilotregionen in den USA. Zu den weiteren Plänen sagt das bekannt verschlossene Unternehmen gewohnt wenig. Expert:innen glauben aber, dass zunächst Instacart oder ein anderer Partner auch das deutsche Geschäft übernehmen könnte, bevor dann ein eigenes Logistiknetz aufgebaut wird.

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Machen Aldi Süd und Aldi Nord gemeinsame Sache?

Offen ist aber auch noch ein ganz anderes Thema: nämlich, ob Aldi im E-Commerce an der in Deutschland üblichen Nord-Süd-Teilung festhält oder – wie in anderen Ländermärkten üblich – ein Partner (in dem Fall also die Süd-Gesellschaft) für den gesamten Markt antritt. Gerade im E-Commerce mit den technischen Herausforderungen könnte das vernünftig sein, zumal Aldi die deutsche Wiedervereinigung beim schon bestehenden Lieferdienst für sperrige Waren bereits geschafft hat.

Klar müsste Aldi aber vor allem sein, dass der Präsenzhandel gerade im Food-Sektor angesichts steigender Energiekosten und Personalaufwendungen kaum noch Wachstumspotenzial bietet. So wachsen die Mitbewerber vor allem über den E-Commerce, nicht dagegen über die Läden, wo auch Aldi Federn lassen musste. Der alte Wettlauf zwischen Aldi und Lidl könnte damit in eine neue Runde starten – und profitieren würde davon einmal mehr der Kunde.

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