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Analyse

Drive-in, Abholschalter oder Lieferung: Die Zukunft des Lebensmittel-Handels

Der neue Amazon-Fresh-Pickupstore in Seattle.(Screenshot: Amazon)

Amazon startet einen Drive-In-Supermarkt und die Welt steht scheinbar still. Was Drive-In-Märkte von 1924 mit Amazon-Fresh-Pickup und der Zukunft des Lebensmittel-Onlinehandels zu tun haben.

Amazon startet in den USA einen neuen Versuch, ein klassisches Einzelhandelsformat intelligenter zu etablieren. An den Amazon-Fresh-Pickup-Stores laden Amazon Mitarbeiter den Kunden ihre Lebensmittel-Bestellungen direkt ins Auto, der Kunde wird über sein Auto-Kennzeichen erkannt. Wie nahezu jeder Schritt, den Amazon geht, bekommt auch dieser Pilot-Versuch maximale Aufmerksamkeit. Dabei ist Amazon nicht das erste Unternehmen, dass in jüngster Zeit in dieser Richtung experimentiert. Migros in der Schweiz, Real in Deutschland, Tesco und Sainsbury in England sowie unter anderem die französischen Ketten Leclerc und Carrefour. Allerdings sind alle Pilotprojekte im deutschsprachigen Raum schon wieder eingestampft worden. Wieso also die Aufregung? Wie ist Amazons Pilotprojekt einzuschätzen im Vergleich mit den bisherigen Projekten? Und noch viel wichtiger: Was ist die Zukunft des Lebensmittel-Handels? Drive-In, Abholschalter im Supermarkt oder Lieferung?

Amazon-Fresh-Pickup-Store

In den Amazon-Fresh-Pickup-Stores lädt der Mitarbeiter den Einkauf in den Kofferraum, danach kann der Kunde wieder fahren. (Screenshot: Amazon)

Im März startete Amazon die Pilotphase, jetzt sind die beiden Amazon-Pickup-Stores auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Auswählen können Kunden aus „mehreren Tausend Produkten“, darunter auch Frischeprodukte wie Fleisch, Wurst und Gemüse. Prime-Mitglieder bekommen ihre Lieferung am Wunschtag in zwei-Stunden-Zeitfenstern, auch am selben Tag. Abonnenten des Amazon-Fresh-Lebensmitteldienstes können ihre Einkaufstüten schon 15 Minuten nach der Bestellung abholen. Eine Stunde nach der Reservierung des Zeitfensters muss auf der Amazon Website oder in der App die Bestellung abgeschlossen werden – 45 Minuten lang können noch weitere Produkte hinzugefügt werden.

Die Bestellung ist in 15 Minuten abholbereit.

Wie in den verschiedenen Testläufen von US-Seiten zu lesen ist, wird der Einkauf in wenigen Minuten erledigt und zieht nur beim ersten Mal einen kurzen Checkin durch einen Mitarbeiter nach sich. Danach erkennt Amazon den Kunden am Nummernschild. Getreu dem Slogan „Drive in...drive out. That was fast.“

Amazon bietet also wieder ein nahtloses und komfortables Einkaufserlebnis. Innovativ sind dabei eher Kleinigkeiten wie die Nummernschild-Erkennung und die Prozess-Geschwindigkeit. 15 Minuten nach Order sind ein Wort. Erfunden haben sie das Thema aber nicht, ganz im Gegenteil: Selbst in Deutschland und der Schweiz gibt oder gab es schon seit Jahren solche Projekte. Die sich auch weiterentwickelt haben – ob sie sich in die richtige Richtung weiterentwickelt haben ist ein anderes Thema.

Die Antwort im deutschsprachigen Raum: Abholmärkte statt Drive-In

Es stellt sich die Frage, wie die Dame grinsend vier Tüten und einen Waschmittelkarton 600m über den fußballfeldgroßen Real-Parkplatz schleift – Pro-Tipp: nächstes Mal Einkaufswagen mitbringen. (Foto: Real)

Real bietet seit kurzem in seinen Supermärkten einen eigens eingerichteten Abholschalter an, dazu hat die Kette infrastrukturell aufgerüstet und Kühlschränke aufgestellt, um die im Markt fertig gepackten Bestellungen ohne Unterbrechung der Kühlkette bis zur Abholung einzulagern. Die wenigen Drive-In-Märkte, die Real bisher als Pilotprojekt betrieben hat, sind geschlossen worden.

Die Abholschalter im Supermarkt werden bei Real von Mitarbeitern direkt aus den Regalen des Marktes gefüllt – und dann gekühlt gelagert. (Foto: Real)

Migros, beziehungsweise dessen Onlinetochter Leshop, hat früher auch reine Drive-In-Märkte betrieben. Ebenso wie bei Real, bestanden diese reinen Drive-In-Supermärkte aus einem Terminal in Form eines tankstellenartigen Vorbaus vor dem Gebäude und wurden extra für das Pilotprojekt gebaut. Migros hat sich vor kurzem gegen diese Drive-In-Märkte und für ein anderes Konzept namens „Pickmup“ entschieden, das verschiedene bestehende Filialen der Migros-Gruppe zu einem Abhol-Netz verbindet. Ein weiteres schweizerisches Unternehmen, Coop, hält noch an seit Jahren bestehenden drei Drive-In-Standorten fest, macht aber keinerlei Anstalten zu expandieren. Stattdessen wird auch hier der Abhol-Punkt in Filialen favorisiert und expandiert.

Ein mittlerweile geschlossener Migros-Drive-In-Markt. (Foto: Migros)

Ein Drive-In, ein Abholpunkt in einem Supermarkt und ein Abholpunkt in beliebigen Fillialen unterscheidet sich wesentlich in den Prozessen, die dahinter ablaufen. Der Drive-In, wie er im deutschsprachigen Raum genutzt wurde, hat ein eigenes, geschlossenes Warenhaus ohne SB-Bereich und ist auf schnelles Picken und Packen optimiert. Die Abholpunkte in Supermärkten, wie sie Real jetzt anbietet, schicken Picker mit Einkaufswägen in den normalen Supermarkt, um Bestellungen zu platzieren. Das Migros Konzept „Pickmup“ hingegen liefert aus den normalen Fulfillment-Lagern der Onlinetochter Leshop an den gewünschten Abholpunkt.

Pickmup, das Migros-Abholkonzept ist losgelöst vom Supermarkt und wird einfach in bestehenden Filialen unterschiedlicher Migros-Unternehmen betrieben. (Foto: Migros)

Da stellt sich die Frage, wieso die Supermarkt-Ketten ihre Drive-In-Märkte schließen und zu anderen Konzepten wechseln.

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2 Reaktionen
HaliGali

Drive-In = Kein Cross oder Upselling... kann Amazon aber egal sein, daher haben die anderen ein Problem und kommen nicht aus Ihrer Komfortzone

Antworten
Bide

Quatsch .. Das entsprechende Cross-/Upselling erfolgt dann eben einfach nur online.

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