Analyse

Drive-in, Abholschalter oder Lieferung: Die Zukunft des Lebensmittel-Handels

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Wieso Real und Migros ihre Drive-In-Konzepte schließen

Der Migros-Konkurrent Coop bietet am Sihlquai in Zürich noch einen Drive-In-Schalter an einer Laderampe – insgesamt hat Coop drei Schalter, expandiert aber seit Jahren nicht mehr. (Bild: coop)

Die Drive-In-Märkte sind alle als getrennte Infrastruktur aufgebaut worden. Statt eines „Autoschalters“ im normalen Supermarkt gab es einen separaten, kleinen Supermarkt nur für Autofahrer. Im Falle des ersten Real-Drive-Ins in Hannover, zum Beispiel direkt neben einem bereits existierenden Real-Markt. Auch Migros setzte auf losgekoppelte Gebäude, die ausschließlich für die Drive-In-Pilotprojekte verwendet wurden.

Real startete den Pilotversuch im Jahr 2010, 2012 sprach Real von durchschnittlich 65 Kunden am Tag in Köln, von weniger in Hannover. Rund 5000 Produkte wurden bis zuletzt angeboten. Auch Migros und Coop haben oder hatten eingeschränkte Sortimente in den Drive-In-Märkten.

Separate Infrastruktur ist aufwendig und teuer.

Der Betrieb dieser separaten Infrastruktur ist aufwendig und teuer und hat sich offensichtlich nicht amortisiert. Deshalb schrecken Real und andere jetzt vor einem großflächigen Rollout zurück. Und weichen lieber auf die Variante der Abholschalter im Supermarkt aus, eine immer noch teure und aufwendige, aber trotzdem mit geringerem Investment verbundene Methode. Diese in bestehenden Supermärkten einzurichten geht auch wesentlich schneller.

Diese einseitige Entscheidung für einen Infrastruktur-Typ, entweder Drive-In mit eigenem Fulfilment oder Abholung im Markt mit einem Fulfilment aus den normalen Einkaufsregalen heraus, wird sich in naher und ferner Zukunft als Fehler erweisen. Wieso, zeigt sich unter anderem bei einem Blick in die Vergangenheit.

Was die ersten Drive-In-Märkte aus den 20ern uns heute lehren

(Foto: Everett Collection/Shutterstock.com) Drive-In in den 40er Jahren in Los Angeles.

Drive-In-Supermärkte sind keine Innovation, die ersten Märkte tauchten neben anderen Drive-In-Schaltern schon in den 20er Jahren in Los Angeles auf, erreichten ihren Höhepunkt in den 50ern zusammen mit den immer populärer werdenden Drive-In-Kinos und anderen Drive-In-Einrichtungen. L- oder auch seltener U-förmige Gebäude mit einem befahrbaren Hof, die direkt an einer Straße lagen. In der Regel gab es dort neben Benzin-Zapfsäulen einer Reihe Parkplätzen direkt vor den Türen, und oft auch einen Bestellschalter und einen Einpack-Service. Der Einkauf wurde dann direkt von Mitarbeitern ins Auto geladen, egal ob der Einkauf vom Kunden in den einzelnen Spezialitäten-Läden des Marktes selbst zusammengestellt, oder am Bestellschalter aufgegeben wurde.

Drive-In-Restaurant in Los Angeles. (Foto: siriwat sriphojaroen/Shutterstock.com)

Diese Drive-In-Märkte waren Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung hin zum persönlichen Verkehrsmittel. Damals waren die Gründe für die Einrichtung solcher Schalter schlicht fehlende Parkplätze. Wer in einen Laden wollte, musste bis dahin noch im öffentlichen Raum einen Parkplatz suchen und dann die Einkäufe meilenweit schleppen. Damals war es noch undenkbar, dass Märkte doppelt so große Flächen wie die eigene Grundfläche für Parkplätze zur Verfügung stellen, heute ist das Quasi-Standard.

Auch wenn die Drive-In-Kultur in den USA immer noch lebendig ist, die Drive-In-Markets mit ihren Ursprüngen in den Roaring Twenties, sind Mini-Malls oder großen Supermärkten gewichen. Auch wenn zur Eröffnung des ersten Marktes „Ye Market Place“ 1924 in Glendale laut Zeitzeugen tausende Besucher aus 34 Staaten eintrafen – der Alltag war eher die gleichzeitige Abwicklung einer überschaubaren Zahl von Fahrzeugen.

Die Supermärkte, wie wir sie heute kennen, werden sich als Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung auch wandeln müssen. Wachsende Carsharing-Anteile, Auslastungen der öffentlichen Verkehrsmittel, Onlinebestellung und -Lieferung und die wachsenden Ansprüchen der Kunden werden in ferner Zukunft die Mega-Parkplatz-Anlagen überflüssig machen. Die sinkenden Frequenzen im Markt selbst werden Verkaufsflächen freischaufeln oder weniger rentabel machen. Flächen, die anderweitig genutzt werden müssten.

Und im Vergleich zu „Ye Market Place“, der Drive-In, der 1924 Menschen aus 34 Staaten anzog, weil er unvergleichlichen Komfort und ein einzigartiges Angebot an Delikatessen zu bieten hatte, sind die heutigen Mega-Supermärkte nur Baracken ohne Glanz und Service. Die ein Einheitssortiment, Parkplatzsuche und meilenweites marschieren durch Parkplätze bieten. Teilweise genau die Probleme des Kunden, die von den alten Drive-In-Märkte in den 20ern gelöst wurden. Viele Kunden würden sich heute über eine Mischung aus „Ye Market Place“ und einem modernen Supermarkt freuen.

Und genau das kann ein Drive-In bieten, wenn er vernünftig und mit großem Sortiment umgesetzt wird. Was die Frage aufwirft, wie so eine Umsetzung aussehen kann.

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2 Kommentare
HaliGali
HaliGali

Drive-In = Kein Cross oder Upselling… kann Amazon aber egal sein, daher haben die anderen ein Problem und kommen nicht aus Ihrer Komfortzone

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Bide
Bide

Quatsch .. Das entsprechende Cross-/Upselling erfolgt dann eben einfach nur online.

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