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Warum Amazon das neue Hauptquartier auf 2 Städte verteilt

Amazon soll den Standort für sein zweites Headquarter gefunden haben. Was will Bezos in Crystal City und Long Island City?

4 Min. Lesezeit

Amazons Headquarter 2 könnte laut der Washington Post in Crystal City landen. Was will Bezos dort? (Foto: dpa)

Amazon scheint sein zusätzliches Hauptquartier auf zwei Standorte aufzuteilen. Nachdem die Washington Post meldete, dass Amazon sich für Cristal City entscheiden hat, berichtete das Wall Street Journal, dass auch in Long Island City ein Standort geplant sein soll. Crystal City ist ein Stadtteil von Arlington, Virginia, der sich am Ufer des Potomac in unmittelbarer Nähe zu Washington, D.C., dem amerikanischen Zentrum der Macht, befindet. Long Island City ist ein Stadtteil in Queens in New York City, nicht zu verwechseln mit der Insel Long Island. Beide Standorte wären aus vielen Gründen gut geeignet für Amazon.

Wieso Amazon auf 2 Standorte setzen könnte

Das Wall-Street-Journal meldet unter Bezug auf Personen, die in den Entscheidungsprozess miteinbezogen sein sollen, dass Amazon entschieden habe, sein zweites Hauptquartier an zwei Standorten zu errichten. An beiden Standorten, Arlington und New York City, hat Amazon die meisten Mitarbeiter außerhalb von Seattle versammelt.

Vermutlich beruht die Entscheidung für zwei Standorte auf einen Teil von Amazons Unternehmensidentität: schnelle und effiziente Skalierung. Das Unternehmen rechnet damit, 50.000 Arbeitsplätze in naher Zukunft an den neuen Standorten zu schaffen. Für einen solchen Zuwachs sichere Infrastrukturen zu errichten und die notwendigen Flächen zu finden, ist nicht einfach.

In Arlington sollen laut örtlicher Projektentwickler rund 300.000 Quadratmeter direkt verfügbar sein, Amazon belegt aber in Seattle mit aktuell 45.000 Mitarbeitern in rund 30 Gebäuden über 750.000 Quadratmeter Bürofläche. Damit hat sich wohl schlicht die Notwendigkeit ergeben, zwei Standorte auszuwählen, um eine schnelle Skalierung des zweiten Hauptquartiers zu ermöglichen.

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Ein weiterer, nicht unerheblicher Punkt in der Rechnung dürfte die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern sein, die an zwei Standorten leichter fallen dürfte als an einem. Der Großraum New York verfügt noch dazu über einen großen Talentpool.

Amazon selbst äußert sich nicht zu den Gerüchten, die endgültige Bekanntgabe des Standortes soll aber bis Ende des Jahres erfolgen.

Amazon könnte einen Teil von Headquarter 2 in Arlington errichten

Amazon soll sich laut einem Bericht der Washington Post in „ausführlichen Gesprächen“ befinden, was darauf hindeutet, dass die Entscheidung für Crystal City als einem Standort für das zweite Headquarter gefallen sein könnte. Die Gespräche sollen weiter fortgeschritten sein als bei jedem anderen noch im Rennen befindlichen Standort. So sei schon darüber diskutiert worden, wie schnell Amazon Mitarbeiter dorthin verlegen könnte, welche Gebäude infrage kämen und wie der neue Standort öffentlich angekündigt werden könnte.

Als weiteres Anzeichen sieht die Washington Post auch, dass Stadtentwickler vorsichtshalber schon Gebäude vom Markt genommen haben sollen, und verweist auf inoffizielle Statements von Behördenvertretern, die sich anscheinend über eine öffentliche Ankündigung in diesem Monat beratschlagen.

Die Post argumentiert zusätzlich mit der Anzahl von Jeff Bezos’ Flügen in den Großraum Washington – sechs Mal sei der Jet des Amazon-Gründers dorthin geflogen. Nur nach Los Angeles sei Bezos öfter gereist, dort habe er aber auch noch andere Verpflichtungen und ein Haus in Beverly Hills.

Letztlich betont aber auch die Post, dass es sich um keine sichere Information, sondern um Mutmaßungen handelt. Amazon kommentiert das Gerücht nicht direkt, aber Mike Grella, der oberste Standortentwickler von Amazon, hat auf Twitter gegen den Informanten gewettert und erklärte sinngemäß, dass der Tippgeber Crystal City damit bestenfalls schaden würde.

Rundgang in Seattle: Das Amazon-Hauptquartier in Bildern
Amazon-Headquarter, Day One North. (Foto: Jochen G. Fuchs)

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Amazon-HQ-2-Standort Arlington: Politische Gründe nicht auszuschließen

Falls Bezos sein zweiten Headquarter quasi direkt in der Hauptstadt platziert, dürfte das mit Sicherheit auch als politisches Signal zu verstehen sein. Da der Amazon-Chef sein Büro in Seattle immer noch regelmäßig nutzt, könnte er auch im zweiten Headquarter deutliche Präsenz zeigen.

So könnte der Amazon-Gründer und CEO versuchen auch persönlich in Washington Einfluss geltend machen, das Weiße Haus ist nur eine kurze Autofahrt entfernt. Die Nähe zu Washington würde die Lobby-Arbeit der bisher über 100 Lobbyisten von Amazon erleichtern und hätte vermutlich auch wirtschaftliche Auswirkungen.

Amazon soll mit dem Pentagon, dessen Sitz direkt neben dem zweiten Headquarter liegen würde, Vorverträge in Milliardenhöhe für den Cloud-Dienst Amazon-Web-Services vereinbart haben. Dessen Headquarter ebenfalls in Nord-Virginia liegt. Wie auch Crystal City.

The Spheres, das Amazon-Hauptquartier bei Tag
Amazons Biosphäre „The Spheres“ in Seattle. Ein Teil des Headquarters in der Innenstadt. (Foto: t3n.de/Jochen G. Fuchs)

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Was Crystal City aus Amazons Sicht ausmacht

Crystal City liegt direkt neben Pentagon City, hat eine gute Anbindung an die öffentlichen Nahverkehrsnetze der Region, der Flughafen Ronald-Reagon-Washington ist buchstäblich zu Fuß zu erreichen und mit Dulles befindet sich ein weiterer Flughafen in direkter Nähe.

Die Stadt verfügt über eine weitläufige Untergrundetage mit einer Shopping-Mall und Unmengen von Restaurants und besteht im Kern aus riesigen Hotels, Büro- und Wohngebäuden. Seit dem Beginn der Transformierung sind auch überirdisch viele Restaurants und Einkaufsstraßen errichtet worden, beispielsweise im Business-Improvement-District Crystal City.

Das Stadtviertel hat 2005 im Zuge einer Umstrukturierung viele militärischen Einrichtungen und Büros verloren, die umgesiedelt worden sind. Dadurch wurden große Flächen frei, laut örtlicher Projektentwickler sollen über 300.000 Quadratmeter verfügbar sein. Amazon platzt auf jeden Fall mitten in eine Transformationsphase dieser Stadt, die viele Vorteile mit sich bringt, weil das Unternehmen nicht nur auf bereits existierende Infrastrukturen zurückgreifen kann, sondern auch noch viel Einfluss auf zukünftige nehmen kann.

Für Amazon alles in allem eine gute, strukturelle Grundlage. Das Unternehmen liebt städtische Regionen, geht davon aus, dass die Mitarbeiter dort gerne arbeiten und achtet darauf, dass lokale Unternehmen von dem Standort profitieren – beispielsweise durch Umsätze in den Restaurants und Läden.

Was Long Island City aus Amazons Sicht ausmacht

Strukturell ähnelt Long Island City Crystal City. Manhattan ist mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln gut zu erreichen, ebenso die naheliegenden internationalen Flughäfen Newark und John F. Kennedy sowie der nationale Flughafen La Guardia. Neben der Metro gehören auch Fähren und Wasser-Taxis zur Nahverkehrsinfrastruktur, die einen schnelles Übersetzen über den East River ermöglicht.

Zur potenziellen Gebäudeauswahl oder zu möglichen freien Flächen ist bisher nichts bekannt, auch die offiziellen Stellen halten sich bedeckt. Der Governeur des Staates New York, Andrew Cuomo, hat Amazon ein dreistelliges Millionenpaket an Vergünstigungen geschnürt und rechnet mit großen wirtschaftlichen Auswirkungen. Er würde seinen Namen auch in Amazon Cuomo ändern lassen, um das Unternehmen nach New York zu holen, so Cuomo.

Long Island City wächst mit vielen Büro- und Wohngebäuden entlang einer Metro-Linie und bietet Raum für Amazons Mitarbeiter. Die Gegend unterliegt schon einer hohen Gentrifizierung und ist durch ein vielfältiges Kultur- und Gastronomieangebot gut geeignet für Amazons urbane Campusstrategie.

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