Analyse

Amazon schließt 90 Stores – und stellt damit die Weichen auf Expansion

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Was sich hinter Amazon Physical Stores verbirgt

Die Mitarbeiter dort arbeiten an Ideen und Konzepten, die laut Amazon bei hunderten Läden angewandt werden sollen und dort auf Millionen Kunden treffen. In Anzeigen, die sich klar auf expansionsorientierte Stellen beziehen, ist von „einem sehr schnell wachsenden Umfeld, mit vielen gleichzeitig zu bearbeitenden Projekten“ die Rede. So sollen Entwickler unterschiedlicher Gattungen an der Entstehung verschiedener, neuer Ladenkonzepte beteiligt sein.

Es ist also damit zu rechnen, dass Amazon sich auf einen großen Rollout seiner Ladenketten vorbereitet. Neben den vielen unbestätigten Gerüchten über tausende Amazon-Go-Filialen und den kürzlich aufgetauchten Gerüchten zu einer neuen, von Whole Foods unabhängigen Supermarktkette, spricht vor allem das Profil der Stellengesuche dafür: Amazon baut unter anderem eine große Retail-Asset-Management-Abteilung mit Immobilien-Managern, -Verwaltern und Location-Scouts, einer Rechts- und Finanzierungsabteilung exklusiv für die Retail-Expansion auf.

Amazon-Go-Store in Seattle. (Foto: picture alliance / AP Images)

Außerdem beschäftigt Amazon eine wahre Flut an Recruitern für unterschiedliche technische wie nicht-technische Bereiche. Geführt wird der Bereich von Senior Vice President Steve Kessel, ein Amazon-Veteran. Kessel war damals für das Projekt Fiona zuständig, welches schließlich den E-Book-Reader Kindle herausbrachte. Nachdem Kessel die Whole-Foods-Märkte bei Amazon untergebracht hat, kümmert er sich heute um den kompletten Unternehmensbereich.

Einige wichtige Amazon-Physical-Stores-Teams mit größerer Bedeutung:

  • Amazon-Physical-Retail-Plattform: Eine Software-Plattform, die verschiedene Backend-Dienste entwickelt, welche einen direkten Kundenkontakt haben. Im Moment anscheinend im Einsatz bei Amazon Books und Amazon Go. Die Retail-Plattform hat Pos-Software für die Preisverwaltung, Kassensysteme und das Bestellwesen entwickelt, ebenso Software für Kunden in den Läden. Aktuell bereitet sich das Team darauf vor, Dienste und Software für unterschiedliche neue stationäre Ladenkonzepte von Amazon zu entwickeln.
  • Amazon-Physical-Stores-Devices: Dieses Team soll sicherstellen, dass in den stationären Läden die bestmöglichen Bedingungen vorherrschen, um Amazons Geräte an den Kunden zu bringen. Der Kunde soll Geräte entdecken, kennenlernen, ausprobieren und natürlich kaufen.  Dazu gehören anscheinend auch elektronische Geräte wie die Amazon-Mikrowelle und Zubehör für Amazon-Hardware aller Art. Hier werden neue Konzepte, Messmethoden und Metriken entwickelt, die dabei helfen sollen, das Kauf- und Kundenerlebnis zu steigern. Unterstützt wird das Devices-Team unter anderem von Amazons weltweitem Customer-Experience-Labor.
  • Amazon-Physical-Tech-Ops: Diese Abteilung arbeitet unter anderem an einem belastbaren Tech-Launch-Programm für neue Ladenformate wie Books oder 4-Star, die alle von einer großen Menge Technologie durchdrungen sind. Hier werden Möglichkeiten entwickelt, um neue Technologien in stationäre Läden auszuliefern und dort zu integrieren.

Amazons stationäre Expansion ist noch ganz am Anfang, aber sie wird groß

In einer der Stellenanzeigen heißt es sinngemäß „bei uns ist es immer äußerst früh am ersten Tag“, ein Hinweis auf Jeff Bezos omnipräsentes Zitat, dass Amazon in seiner Entwicklung immer noch an Tag eins stünde. Amazons Pläne für den stationären Handel sind also noch ganz am Anfang. Aber die erste Phase des Ausprobierens ist vorbei, Aspekte einzelner Versuche werden jetzt zusammengefügt und funktionierende Konzepte breit ausgerollt. Ob es in absehbarer Zeit tausende Filialen werden, wie die Gerüchte munkeln, oder eher realistische hunderte, wie die Stellenanzeigen andeuten, mag dahingestellt sein. Aber so langsam sollte der letzte Zweifel beseitigt sein, dass Amazon stationär nur Spielereien betreibt. Die Ernsthaftigkeit mit der sich Amazon daran macht, seinen Unternehmenszweig Physical Stores auszubauen, spricht eine deutliche Sprache: Amazons nächster großer Wachstumsschub kommt über den stationären Handel.

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