Reportage

So sieht der Arbeitsalltag einer Amazon-Managerin aus

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In Seattle arbeiten neben Sonja noch über 45.000 Mitarbeiter, weltweit insgesamt über eine halbe Million. Im Vergleich dazu sind in Deutschland knapp 16.000 Menschen für Amazon tätig. Darunter auch Mitarbeiter wie die Packer in den Logistikzentren, die deutlich weniger als 100.000 Dollar jährlich verdienen.

Fakten rund ums Arbeiten im Amazon-Headquarter in Seattle

  • Rund 45.000 Mitarbeiter arbeiten hier
  • 38 Gebäude in der Innenstadt mit etwa 750.000 Quadratmetern Bürofläche
  • 24 Restaurants und Cafés als Untermieter in Amazon-Gebäuden, sowie acht Dienstleister
  • Jährliche Leistungen an Mitarbeiter: 25,7 Milliarden Dollar (Gehälter und Zusatzleistungen wie die beschränkten Mitarbeiteraktien)
  • Laut dem US-Dienst Payscale erhalten Mitarbeiter im Amazon-Headquarter durchschnittlich 100.000 Dollar Leistung pro Jahr
  • Arbeitszeit ist Vertrauensarbeitszeit. Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit flexibel gestalten, zusätzliche existiert ein Programm für eine unbezahlte Auszeit, ein Sabattical
  • Unter anderem bietet Amazon eine betriebliche Altersvorsorge durch Bruttoentgeltumwandlung sowie einen Arbeitgeberzuschuss in einem zusätzlichen Leistungsplan, von Amazon bezahlte Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung, diverse Gesundheitsvorsorgen und rabattierte Mitgliedschaften in lokalen Fitnessstudios
  • Einmahlzahlungen für Mütter im Mutterschutz sowie Familienboni außerhalb der gesetzlichen Leistungen für Mitarbeiter in Elternzeit
  • Kostenloser Beratungsdienst für berufliche und private Angelegenheiten: zum Beispiel für rechtliche oder finanzielle Fragen oder Probleme, Familienberatung, Pflege oder andere Work-Life-Themen. Unterstützung bei der Kinderbetreuung
  • Amazon finanziert eine Straßenbahnlinie in Seattle, einen Fahrradweg, Shuttle-Busse, einen Mitfahrdienst und trägt die Kosten für eine unlimitiert nutzbare Nahverkehrskarte (Orca Card)

Mittlerweile ist der frühe Abend angebrochen, Sonjas Arbeitstag geht zu Ende. Die Managerin will sich auf den Weg zu einer ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen machen: „Privat singe ich seit Herbst 2017 in einem Chor hier in Seattle, wir haben schon drei tolle Konzerte aufgeführt.“ Einen typischen Arbeitstag gibt es bei Amazon nicht, betont sie. „Es gibt viele Möglichkeiten, die Arbeitszeit nach individuellen Bedürfnissen zu gestalten – manche Kollegen starten zum Beispiel sehr früh und gehen entsprechend um 15 Uhr.“ Unterschiede zwischen dem Arbeiten bei Amazon Deutschland und den USA zeigen sich dann auch eher in landestypischen Eigenheiten, bei der Arbeitsweise ist für Sonja kein Unterschied festzustellen. „Meine Beobachtung ist, dass meine US-Kollegen einen starken Wert auf Familienzeit legen. So ist es vielen wichtig, zum Abendessen um 18 Uhr zu Hause zu sein. Es gibt aber auch Mitarbeiter, die gerne ihre Freizeit mit Kollegen verbringen. Oft ist das abhängig vom Alter und der Lebenssituation. Amazon hat dafür vielfältige Clubs und Möglichkeiten geschaffen“, erklärt Sonja: „Amazon startete 1995, sodass mittlerweile bei uns Kollegen aller Altersstufen vertreten sind. Für kontaktfreudige Amazonians gibt es viele Möglichkeiten zum Netzwerken, sich zu engagieren, und andere Kollegen kennenzulernen. Wäre ich alleine in einer neuen Stadt, wäre das meine erste Adresse.“

The Spheres, das Amazon-Hauptquartier bei Tag
Amazons Biosphäre „The Spheres“ in Seattle. Ein Teil des Headquarters in der Innenstadt. (Foto: t3n.de/Jochen G. Fuchs)

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Sonja verlässt das Gebäude und macht sich auf den Heimweg. „Am Abend schaue ich oft nochmal bei Bloomberg Technology rein. Aber zum Abschluss mache ich immer noch einen Abstecher in die Mediathek zum Heute Journal und den Tagesthemen.“ Ihr lila Amazon-Badge, der für mindestens 15 Jahre Amazon-Zugehörigkeit steht, baumelt immer noch um den Hals, als sie um die Ecke verschwindet.

Amazon hat vor einiger Zeit viel Aufwand in die Neugestaltung dieser Mitarbeiter-Badges gesteckt: Die Entwicklung lief nach denselben Prinzipien ab, nach denen auch die Produkte bei Amazon entwickelt wurden. Trotzdem gab es am Ende einen Stolperstein: Das Graustufen-Foto auf dem neuen Badge erinnerte Mitarbeiter aus asiatischen Kulturen an die dort üblichen Totenportraits. Irgendwie beruhigend, nach einem Tag in der gut geölten Maschinerie des Tech-Konzerns, dass auch hier mal etwas übersehen wird.

Disclosure: Die Reise unseres Autors wurde teilweise von Amazon finanziert. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

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Ein Kommentar
Konstruktor
Konstruktor

Ich finde es schon interessant mal einen Einblick in den Tag eines Amazonmanagers (oder Angestellten) zu bekommen. Auch wenn viele Medien viele Unwahrheiten über das Angestelltensein bei Amazon verbreiten, denke ich, dass man unterm Strich als Mitarbeiter doch dort wertgeschätzt wird und es vom Arbeitsumfeld viel viel schlimmere Unternehmen gibt.

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