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Analyse

Amazons 100-Millionen-Spende: Was bringt das kontroverse Smile-Programm?

Amazons CEO Jeff Bezos initiiert immer mehr Charity-Programme. Eines davon ist Amazon Smile. (Foto: Jeff Bezos/Twitter)

Amazon schaffte 2016 das Affiliate-Programm für gemeinnützige Organisationen ab und kreierte mit Amazon Smile ein neues Programm. Was haben die Organisationen davon?

Gemeinnützigen Organisationen steht seit 2016 kein Affiliate-Programm von Amazon mehr zur Verfügung, sondern ausschließlich eine Kooperation mit Amazon Smile. Das wurde bei der Einführung kontrovers aufgefasst, denn die Umsatzbeteiligung ist bei Smile deutlich geringer als beim Amazon-Affiliate-Programm: um mehr als das zwanzigfache – je nach verkauftem Produkt und der dazugehörigen Verkaufsprovision. Jetzt überweist Amazon Millionenbeträge aus dem Smile-Programm. Hätte es mehr sein können?

Amazon Smile überweist in Deutschland und Österreich 2,8 Millionen Euro

Weltweit will Amazon 100 Millionen US-Dollar an gemeinnützige Organisationen überwiesen haben. In Deutschland und Österreich sollen seit dem Start vor knapp zwei Jahren über 2,8 Millionen Euro aufgelaufen sein, die Amazon an die teilnehmenden Organisationen in beiden Ländern überwiesen hat. So eine Meldung des Unternehmens vom 20. Oktober. Um zu verstehen, ob das viel oder wenig ist, lohnt sich ein Blick auf die bisherige Situation.

Amazon Smile: 0,5 Prozent Umsatzbeteiligung als Spende

Amazon bewirbt seit 2016 immer wieder offensiv sein Smile-Programm: Wer bei Amazon einkauft, wird früher oder später gefragt, ob er nicht über Smile 0,5 Prozent der Einkaufssumme an gemeinnützige Organisationen spenden will. Der Kunde kann dann aus 14.000 Organisationen auswählen und die Spende geht direkt dorthin. Früher lief das anders für gemeinnützige Organisationen.

Die Kontroverse um das Amazon-Smile-Programm

Die Kontroverse um den gleichzeitigen Stop des Affiliate-Programms für gemeinnützige Organisationen ist schnell erklärt: Bis zum Start von Amazon-Smile konnten sich gemeinnützige Organisationen direkt beim sogenannten Partnernet anmelden, dem Affiliate-Programm von Amazon. Jeder Klick auf einen Link mit der Partnerkennung der gemeinnützigen Organisation spülte dann bis zu zwölf Prozent Umsatzbeteiligung am Einkauf des Kunden in die Kassen.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich gemeinnützige Shoppingportale wie Gooding.de, Bildungsspender oder Boost-Project, die für ihren Betrieb Prozente einbehielten und den Rest weiterüberwiesen. Allein die beiden größten Affiliate-Portale für gemeinützige Organisationen sollen laut Spiegel-Informationen in den knapp vier Jahren von 2012 bis 2016 etwa 2,6 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen überwiesen haben.

Deshalb stellte sich früh die Frage, ob Amazon nicht das lukrative Affiliate-Programm zugunsten eines deutlich günstigeren Programmes abgeschafft hat. Der Spiegel rechnete vor, dass 20 Prozent der Einnahmen in den Charity-Affiliate-Programmen von Amazon stammten, umgerechnet auf die 2,6 Millionen Euro aus den beiden größten Portalen wären das 520.000 Euro Affiliate-Einnahmen.

Für Amazon spricht, dass das Unternehmen direkt und offensiv mit einem Popup auf seiner Website sammelt. Wer bei Amazon einkauft, wird dem Popup zwangsläufig schon mehrfach begegnet sein. Es besteht die Möglichkeit, dass die geringere Beteiligung durch die schiere Masse der Kundenbestellungen nicht nur wettgemacht, sondern übertroffen werden könnte.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) konnte auf Anfrage leider nicht mitteilen, ob mehr oder weniger Spenden eingehen. „Als gemeinnützige Organisation sind wir immer auf der Suche nach neuen, unkomplizierten Möglichkeiten, wie Menschen unsere humanitäre Arbeit unterstützen können. Daher hat uns die Idee gleich gefallen, dass Kunden beim Einkauf über Amazon Smile einer sozialen Organisation ihrer Wahl etwas Gutes tun können – ohne dafür selbst mehr zu bezahlen“, äußert sich Nina Greb, Koordinatorin für Marketing und Kooperationen beim DRK.

Die direkte Nutzung von Affiliate-Programmen scheint nicht viele Spenden beim DRK eingespielt zu haben, ein Großteil der Affiliate-Einkünfte ist wohl über Dritte über die Spendenportale eingesammelt worden. Davon ausgegangen, dass sich das in anderen Organisationen ähnlich verhält, lassen sich zum direkten Vergleich nur die 520.000 Euro Einnahmen aus den beiden größten Affiliate-Portalen verwenden. Auf vier Jahre verteilt entspräche das 130.000 Euro Spenden, die beide Portale über Amazon jährlich gesammelt hätten. Amazon kommt durchschnittlich auf mehr als 1,4 Millionen Euro jährlich. Wäre mehr möglich, wenn Amazon die Umsatzbeteiligung hochsetzt? Mit Sicherheit. Erhalten gemeinnützige Organisationen jetzt weniger Geld als vorher? Schwer zu belegen, aber angesichts der Zahlen eher unwahrscheinlich.

Für Einkäufe zwischen dem 29. Oktober und 2. November 2018 gibt Amazon bei jedem qualifizierten Einkauf über smile.amazon.de fünf Prozent – statt wie gewohnt 0,5 Prozent – der Einkaufssumme an eine vom Kunden gewählte und teilnehmende Organisation weiter.

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2 Reaktionen
Thomas

Das Amazon Smile Programm löste ein transparentes und lohnenswertes System gegen eine intransparentes Willkürprogramm ab. Ich selbst habe mit einem Account über Gooding mehrere Hundert Euro für meinen Verein gesammelt. Dann kam die Kündigung und das Sammeln sogenannter Prämien ist eingebrochen. Amazon hat mit der Stifter helfen GmbH einen Deal geschlossen und mit einem Mal waren alle Vereine dort angemeldet. Ein Verein kann seinen Account nur in Besitz nehmen. Weitere Möglichkeiten bietet er kaum. Man hat einen Link zum Teilen , das war's. Im Gegensatz zum PartnerNet gibt es hier keine Übersicht zu den generierten Spenden und Umsätzen. Die Summe die man vierteljährlich erhält sagt nichts aus. Haben wir früher hunderte Euro über Gooding generiert sind es jetzt runde 15 Euro im Vierteljahr. Bis heute lief eine Aktion, in der Amazon 5% Provision verspricht, ob das der Wirklichkeit entspricht, kann somit niemand nachvollziehen. Ein Facebook Fan schrieb dazu, dass ihm in der Aktionszeit keine anderer Wert als 0,5 % angezeigt wurden. Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass Facebook diese Links wohl noch weniger ausspielt als andere geteilter Links. Die Beiträge hängen den anderen meistens um vieles hinterher.
Im vergangenen Jahr erhöhte Amazon zu Weihnachten die 0,5 % auf 1,5%. Das Bizarre an der Sache war, dass die zum Quartal passende Zahlung mit einer nachfolgenden Email korrigiert wurde. Anscheinend muss hier wohl jemand bemerkt haben, dass es wohl zeitweise einen anderen Prozentsatz gab. Seit diesem Zeitpunkt halte ich das Programm nur für Make Up. Es ist leider für keinen Verein nachvollziehbar, welche Umsätze generiert werden. Also macht die Bewerbung dieser Möglichkeit schlichtweg keinen Sinn mehr.
Mir ist auch völlig schleierhaft, warum hier einfach nicht nach den Regeln des PartnerNet gespielt wird. Als Verein habe ich durch das PartnerNet zumindest die Möglichkeit eine Wunschliste einzubinden. Hier kann ich zumindest vergleichen, ob die erhaltenen Produkte den Bestellungen entsprechen und wie und wann diese Bestellungen getätigt wurden.
Unser Verein wird wohl die Partnerschaft mit Ablauf des Jahres aufkündigen. Zwischenzeitlich reagieren immer mehr Firmen vor Ort negativ auf diese Kooperation. Für eine banalen Vorteil verspielt man sich viele Vorteile einer regionalen Partnerschaft. Unser banales Spendenschwein bringt im Monat mehr Geld ein, als dieses Make Up Konstrukt dieses Möchtegern Gutmenschen.

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Heiko

Über die Beendigung des Partnerprogramm für gemeinnützige Organisationen kann man geteilter Meinung sein. Natürlich ist es schade, dass diese jetzt *vermutlich* weniger Einnahmen haben. Auf der anderen Seite sollte das jedem frei Online-Händler überlassen sein, an wen und wieviel Provisionen ausgezahlt werden. Im Perfomance-Marketing ist es bei anderen großen Online-Shops nicht unüblich, dass gemeinnützige Organisationen oder Cashbacks ausgeschlossen werden.

Kritischer sehe ich die Vorgehensweise von Amazon die in dem Artikel leider keine Erwähnung fand. So hat Amazon die Organisationen zum Start von Smile selbst bestimmt. Das heißt, Amazon spendet teilweise an Organisationen, die das weder wissen noch wollen. Prominentes Beispiel im letzten Jahr war Foodwatch, aber es haben sich über diese Vorgehensweise auch schon andere Organisationen beschwert.

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