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Amazon sperrt zahlreiche Händler vom Verkauf

Missbrauchsverfahren des Bundeskartellamts verbessert Amazons Vertragsbedingungen für Händler. (Foto: Shutterstock.com)

Bei Amazon werden derzeit offenbar wieder vermehrt Händlerkonten geschlossen und die Händler suspendiert. Viele der Verkäufer können sich die Gründe dafür nicht erklären.

Bevor ab August die deutschen Marketplace-Händler mehr Rechte gegenüber der Plattform erhalten, sperrt Amazon offenbar noch einmal zahlreiche Verkäuferkonten. Grund für die Suspendierung sind offenbar in den meisten Fällen Verbindungen zu einem anderen gesperrten Konto – was sich viele der Betroffenen aber nicht erklären können.

Bessere Haftungsregeln, mehr Rechte, wenn Amazon einen Händler kündigt oder sperrt, und eine Einspruchsmöglichkeit bei den Retourenregelungen – all das sind Verbesserungen, die das Bundeskartellamt Amazon vor einigen Wochen abgetrotzt hat. Ziel ist es, dass die Onlinehändler gegenüber der Plattform zumindest ansatzweise auf Augenhöhe agieren können und nicht gegen eine Wand aus Textbausteinen und Standardworkflows laufen, wenn ihnen der Verkäuferaccount gesperrt wird.

Mistet Amazon seine Verkäuferkonten aus?

Doch bevor es soweit ist, dass Amazon ein Teil seiner teilweise als sehr streng empfundenen Souveränität gegenüber den Händlern abgeben muss, häufen sich jetzt die Meldungen in Foren und Gruppen wie Wortfilter.de und Multichannel Rockstars bezüglich gesperrter Verkäuferkonten. Auffällig ist – und deswegen kann man von einer regelrechten „Aufräumaktion“ Amazons ausgehen –, dass alle gesperrten Händler von demselben Begründungstext berichten:

„Ihr Konto steht mit einem Konto in Verbindung, mit dem auf unserer Website keine Waren verkauft werden dürfen. Daher können Sie nicht weiter bei Amazon.de verkaufen“, erklärt das Unternehmen in einer Mail an die betroffenen Kontoinhaber. Dabei wird weder deutlich, in welcher Form eine „Verbindung besteht“, noch welches Konto auf Amazons Blacklist überhaupt gemeint ist. Teilweise handelt es sich um Accounts, die Amazon schon einmal gesperrt hatte, in einigen wenigen Fällen aber auch um Sperrungen aus heiterem Himmel – auch ohne, dass die Händler vorher irgendein Zeichen einer anstehenden Suspendierung wahrgenommen hätten.

Die erste Vermutung angesichts der zahlreichen Fälle, die alle dasselbe Muster aufweisen, war, dass Amazon eine bestimmte Software oder aber das versehentliche Fehlverhalten von Nutzern mit der API abstraft – und das vielleicht sogar ungerechtfertigterweise. Doch Amazon „beruhigt“ auf Anfrage von Wortfilter.de: Das sei definitiv nicht der Fall und die Sperrungen seien somit nicht auf einen Bug zurückzuführen.

Kommunikation der Händler mit Amazon ist wenig aufschlussreich

Mit Amazon Kontakt aufzunehmen, ist dabei auch gar nicht so einfach, weil der Support nur via Seller Central gezielt erreichbar ist – auf das die betroffenen Händler nicht mehr zugreifen können. Auch das Auszahlen des eingenommenen Geldes und die Einsicht in das Verkäuferkonto sind damit nicht mehr möglich. Amazon hält so lange die Hand auf dem Geld, bis sichergestellt ist, dass keine A-bis-Z-Garantie-Ansprüche mehr durch die Kunden gestellt werden können. Und so beklagen sich viele der Händler vor allem auch über die schleppende Kommunikation und die fehlende direkte Erreichbarkeit des Ansprechpartners beim Unternehmen. Bemängelt wird vor allem aber die fehlende Zusammenarbeit auf Augenhöhe – ein Vorwurf, den Marketplace-Händler dem Unternehmen nicht erst neuerdings machen.

Der Schaden, der hier entsteht, geht Jahr für Jahr in die Millionen – und das nicht nur durch entgangene Geschäfte, sondern auch aufgrund von Anwaltskosten, Reputationsverlusten, schlechteren Rankings, etc. Besonders hart ist das für Händler, die noch dazu auf Fulfillmet bei Amazon setzen – sie können selbst ihre Verkäufe über andere Kanäle nicht mehr via Amazon-Warenlager anstoßen und abwickeln lassen.

t3n meint: Die aktuellen Fälle zeigen: Die Verbesserungen, die das Bundeskartellamt für die Marketplace-Händler erreicht hat, sind zumindest in diesem Kontext ein zahnloser Tiger. Denn begründen tut Amazon die Sperrungen ja durchaus – nur nicht schlüssig und nachvollziehbar. Und dass sich das ab Mitte August ändern wird, davon ist nicht auszugehen. Auch wenn es den Händlern dann leichter fallen könnte, überhaupt juristisch gegen Amazon vorzugehen, werden viele dies nicht tun, weil ihnen das Bezos-Imperium als übermächtiger Gegner erscheint. Tobias Weidemann

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7 Kommentare
Onlinetrader
Onlinetrader

Wer es noch nicht verstanden hat und denkt, der Verkauf über Amazon sei ein Geschäftsmodell, wo man sich etwas aufbaut, hat halt Pech gehabt. Das würde ich mir nicht einen Tag lang geben.

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Christian
Christian

Ich war auch ein paar Monate Händler mit Amazon FBA (Lager in Leipzig mit Full Service). Mein Artikel war ein Haushaltsartikel, den man teurer auch bei dm oder im Baumarkt bekommt. Mit der Begründung, er sei apothekenpflichtig (!), wurde der Artikel von heute auf morgen von Amazon entfernt. Andere Händler mit identischem Produkt durften weitermachen. Außerdem ändert Amazon die Spielregeln nach Belieben. Wer sich weigerte, seine Produkte auch ins Ausland zu verkaufen (mit der Folge, in jedem Land steuerpflichtig zu werden…), zahlte plötzlich ca. 50 Cent Strafgebühr pro verkauftem Produkt. Im Bereich niedriger Margen lohnt sich der Spaß schnell nicht mehr. Amazon ist kein Partner auf Augenhöhe. Und seitdem bestelle ich dort nichts mehr.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Partner? Geschäftsbeziehungen sind niemals Partnerschaften.

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DieterN
DieterN

Das Schlimme am Fall Amazon ist, dass es zeigt, dass die EU kein Verbund von Staaten ist, wo es eine Rechtsordnung gibt und Deutschland kein Rechtssaat mehr ist. Wie kann es sein, dass eine Kartellbehörde die Überprüfung gegenüber Amazon einfach so einstellt, ohne das ersichtlich ist, was genau an den AGBs verändert wird und ob dies auch Sinn ergibt? Sind die AGBs (Business Solution und Payment) öffentlich ausgehandelt worden mit Rechtsanwälten? Auch das neue DSGVO Gesetzt scheint ja nicht zu greifen für Amazon. Wie kann es sein, dass Amazon irgendwelche gespeicherten Daten abgleicht? Das Kartellamt hat den Mittelstand wieder verraten und verkauft – die Situation ist jetzt noch unerträglicher geworden. Amazon ist ein Steuer- und Rechtsbefreiter Raum und unsere Behörden sind durch durch kurrupt.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Deutschland kein Rechtssaat mehr ist.“

Wenn man gewisse jrusitische Vorgänge nicht versteht liegt das in der Regel nicht daran dass der Rechtsstaat nicht mehr funktioniert, sondern dass man nie eine juristische Fakultät von innen gesehen hat.

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DieterN
DieterN

die Lager bei Amazon sind organisierter Betrug…Amazon räumt nicht nur die Lager der Händler aus, sondern auch die Paymentbankkonten der Händler. Wie kann es sein, dass in Zeiten des Datenschutz, Amazon „schwarze Listen“ in Form von Software benutzt, Händler zu beschuldigen, in einem Zusammenhang mit gesperrten Konten zu stehen. Konten bei Amazon werden ohne Gründe gesperrt – da wird ins Lager und auf das Paymentkonto geschaut und wenn es sich lohnt – zugeschnappt. Das ist ein legalisierter Raubzug den Amazon da praktiziert.

Chris Reinhardt

Das ein oder andere, gesperrte oder suspendierte Amazonkonto haben wir befreit oder reinintegriert bekommen. Das ist zwar ein bißchen Arbeit, den Erfolg können wir auch nicht garantieren, von der Leistung aber etwas mehr, als nur eine POA zu schreiben.

Heute ist das etwas auswändiger, denn der Laden ist etwas größer, damit bürokratischer und dezentraler geworden.

Wenn dafür interesse besteht, gerne einfach melden. http://lzilla.starsellersworld.info/chat.php?a=8ff48&intid=Y2hyaXM_

Das intelligente System mit Abfangmechanismen, das stressfreien, automatisierten Handel erlaubt und das, was zu etwas führt intelligent vorher abfängt, gibt es auch.

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