Analyse

Preissenkungen, Prime und Expansion: Whole Foods bringt Amazon den nächsten großen Wachstumsschub

Whole Foods wirbt mit natürlichem und biologischem Essen, nach der Übernahme durch Amazon wird das jetzt auch bezahlbar. Eine Kampfansage. (Foto: Whole Foods)

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Rasend schnell krempelt Amazon nicht nur Whole Foods um, sondern gleich den ganzen US-Markt. Preissenkungen sind da erst der Anfang, denn Amazon steht an der Schwelle zum nächsten Wachstumsschub.

Wie üblich lässt sich Amazon keine Zeit: Kaum hatte die US-Handelsbehörde FTC die Whole-Foods-Übernahme genehmigt, kündigt der Online-Riese Preissenkungen an. Schon am Montag soll die Übernahme abgeschlossen sein – und die „Generalüberholung“ der Supermarktkette ist bereits im Gange.

Wer den Amazon-Chef kennt, stellt sich die Szene in etwa so vor: Keine Minute ist vergangen, nachdem Jeff Bezos die Verhandlung über eine Whole-Foods-Übernahme mit CEO John Mackey erfolgreich beendet hat – da gibt er schon die Order: Amazon-Mitarbeiter schwärmen zur Biosupermarktkette aus, um den kurz und präzise definierten Aktionsplan umzusetzen.

Genehmigung der Kartellbehörden? Kommt schon noch, nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. Zeit ist Geld. Vermutlich stehen schon am nächsten Tag die ersten Amazon-Gesandten bei Whole Foods und beginnen das Unternehmen von Grund auf umzukrempeln. Zumindest legt das die Geschwindigkeit der Übernahme nahe. Noch am selben Tag wird Amazon die Preise der als hochpreisig verschrienen Supermarkt-Kette senken. Unter die gutverdienenden, gesundheitsbewussten Kunden könnten sich schon ganz normale Amerikaner mischen. Und das ist erst der Anfang.

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Was Amazon schon jetzt bei Whole Foods verändert

365, eine neue, günstige Whole-Foods-Kette. Ob Amazon diese Marke weiter expandieren will oder sich darauf konzentriert, die Kernmarke zu optimieren, ist nicht bekannt. (Foto: Whole Foods Market)

Zahlreiche Produkte von Bio-Eiern über Bio-Butter, Lachs aus nachhaltiger Fischzucht bis zu Rindfleisch werden billiger. Eine Kampfansage an die US-Mitbewerber wie Walmart oder Kroger: Die Aktien fielen am Donnerstag um zwei beziehungsweise acht Prozent. Die Anleger befürchten, was Amazon auch schon offen kommuniziert: Die Preise werden weiter fallen.

Amazon stellt außerdem seine Abholstationen, die Amazon Lockers, in ausgewählten Standorten auf. Außerdem können Amazon-Kunden sich Bestellungen in den örtlichen Whole-Foods-Markt liefern lassen und Retouren dort abgeben.

Umgekehrt hält nicht nur Amazon Einzug bei Whole Foods, sondern Whole Foods auch bei Amazon. Die Kunden können künftig auch die Eigenmarken der Kette bei Amazon finden und werden nicht nur über Amazon.com, sondern auch über die speziellen Lieferdienste Amazon Fresh, Prime Pantry und Prime Now ausgeliefert.

Veränderungen in der näheren Zukunft

Laut Amazon arbeitet bereits das Prime-Team an der Integration des Dienstes in die Kassensysteme von Whole Foods. Damit hat der Online-Händler bereits Erfahrung: Amazon hatte den Prime-Dienst auch schon für die eigene stationäre Buchkette integriert.

 

Auch in den Amazon-Bookstores ist das Prime-Programm ein zentrales Element. (Foto: Jochen G. Fuchs/t3n)

Zukünftig wird Amazon den Kunden also Prime als Kundenbindungsprogramm für Whole Foods anpreisen und Rabatte, Sonderaktionen und vieles mehr als Mehrwert präsentieren.

Langfristig zu erwartende Innovationen

Die Integration geht noch weiter: Amazon und Whole Foods wollen noch gemeinsam Logistik, Point-of-Sale und Handelssysteme in die neue Amazon-Whole-Foods-Welt bringen. Amazon hat damit das Potenzial die Retail-Konkurrenz wie Wettbewerber aus dem letzten Jahrhundert erscheinen zu lassen: Hier spielen innovative Einzelhandelssysteme wie der Mini-Supermarkt Amazon Go ohne Anstehen und das Drive-In-Konzept Amazon-Fresh-Pickup eine zentrale Rolle.

Amazon Go, der kassenlose Supermarkt in Seattle: Die Technologie wird voraussichtlich Einzug bei Whole Foods halten, sobald sie serienreif ist. (Foto: dpa)

Ein Whole Foods ohne Kassen, mit einem kleinen Logistikbereich für Amazon Fresh und Fresh Pickup also. Wenn dann noch wie versprochen die nachhaltige und biologische Ausrichtung von Whole Foods zu familientauglichen Preisen ermöglicht wird, ist der Supermarkt der Zukunft komplett.

Amazon-Fresh-Pickup, kleine Supermärkte mit reinen Drive-in-Abholstationen. (Screenshot: Amazon)

Die Amazon-Whole-Foods-Prognose

Amazons Wachstumskreislauf wird gerade bei Whole Foods eingebaut. Die Pressemitteilung betont immer wieder die Grundprinzipien, die auch zentral in Amazons Geschäftsmodell zu finden sind: Niedrigere Preise und niedrigere Kostenstruktur. Das sind Disziplinen, die Whole Foods bisher nicht gut beherrschte und Amazons Kernkompetenz sind.

Amazon wird vermutlich die Eigenmarken in die Richtung von Whole Foods entwickeln und dort platzieren. Das vergrößert das Sortiment. Niedrigere Kosten steigern die Kundenzufriedenheit und sorgen zusammen mit großer Auswahl für mehr Kundenfrequenz.

US-Medien gehen davon aus, dass eine große Überlappung zwischen Amazon-Prime- und Whole-Foods-Kunden existiert. Die Prime-Vorteile dürften schnell für zusätzlichen Umsatz sorgen. Das größere Sortiment ebenfalls, was wiederum das Wachstum antreibt.

Sobald Whole Foods mit bislang 460 Supermärkten in den USA in bester Amazon-Manier expandiert, wird das für einen weiteren Wachstumsschub sorgen. Expansionspläne für eine Erweiterung hat Whole Foods schon seit Langem in der Schublade liegen, zusammen mit Amazon lassen sich diese in der Zukunft gut umsetzen.

Auch wenn immer noch Stimmen zu hören sind, die nicht wahrhaben wollen, dass Amazon seinen nächsten großen Wachstumsschub durch den Einzelhandel bewerkstelligen wird: Die aktuellen Entwicklungen sprechen eine deutliche Sprache. „Es geht nicht um online versus offline, es geht um die Kundenerfahrung“, sagte Amazon-Pay-Vize Gauthier t3n noch im Oktober 2016. „Aus Amazons Sicht ist der Kunde vorurteilsfrei in der Nutzung von Kanälen.“ Wichtiger sei, dass alle Kanäle intelligent miteinander verbunden sind, sagte Gauthier damals.

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