Anzeige
Anzeige
Kolumne

Arbeiten an Weihnachten: Warum auch Kinderlose frei haben sollten – nicht nur Eltern

Das Jahresende naht und die Streitigkeiten um Urlaub spitzen sich zu. Dabei wird vergessen: Eine einseitige Verteilung von Feiertagen schadet vorwiegend den Müttern.

3 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige
Weihnachten frei für Kinderlose: Was ist fair? (Foto: Baranq-Shutterstock)

„Jetzt ist Schluss“, sagt meine Freundin. Mehrere Jahre lang hat sie ihrem Vorgesetzten sämtliche Feiertage überlassen. Nicht zähneknirschend, sondern gern, denn er hat Kinder und sie nicht. In diesem Jahr möchte sie in der Weihnachtswoche Urlaub nehmen und der Streit spitzt sich zu wie ein Kalter Krieg ums Eisbein. „Wir reden noch einmal darüber“, sagt er – immer wieder, seit Wochen. Moralisch natürlich die volle Breitseite: Aber sie hat doch gar nicht, dann muss sie doch!

Anzeige
Anzeige

Nee, muss sie nicht. Natürlich gibt es in unserer Gesellschaft die unausgesprochene Norm, dass Menschen mit Kindern in den Ferien und an Feiertagen freibekommen sollten. Das ist gut so, wichtig und freundlich. Und dennoch ist es kein Gesetz. Sollten wir also alle Rücksicht darauf nehmen? Ja, klar. Aber ein Anspruch ohne Ausnahme resultiert daraus nicht. Es wäre auch bedenklich, wenn es so wäre.

Wer ist immer verfügbar?

Was hier übersehen wird: Kinderlose, die auch mal einen Feiertag freihaben wollen, kämpfen für Mütter, nicht gegen sie. Denn Mütter werden – noch immer – auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, weil man davon ausgeht, dass sie immer mal fehlen, die Kinder krank werden, sie Mental Load bewältigen müssen, nach Feierabend schlechter erreichbar sind und familiär begründete Urlaubswünsche haben.

Anzeige
Anzeige

Gehen wir also davon aus, dass Eltern ausnahmslos günstige Regelungen bekommen, dann wird sich nichts an der Benachteiligung ändern. Und diese Benachteiligung trifft Frauen, das wurde immer wieder statistisch beobachtet.

Die vermeintliche Allverfügbarkeit der Kinderlosen ist natürlich wertvoll, um in einem Team Bedürfnisse auszugleichen. Sie darf aber nicht dazu führen, dass Menschen benachteiligt werden – Mütter bei Einstellungen und Beförderungen, Kinderlose bei der Urlaubsplanung. Und keinesfalls können wir anfangen, Begründungen gegeneinander abzuwägen. Eine solche Entscheidung ist immer subjektiv, das macht sie potenziell unfair.

Anzeige
Anzeige

Fairness unter dem Adventskranz

Dies ist kein Plädoyer dafür, nicht mehr umsichtig mit den Bedürfnissen der Kolleginnen und Kollegen umzugehen. Und ja, Familien benötigen ein wenig mehr Flexibilität – Menschen mit chronischen Krankheiten oder sehr alten Verwandten übrigens auch. Abwägen müssen wir aber: Wer kann etwas voraussetzen? Bekommt der Vater, der seit Jahren zu allen Feiertagen Urlaub nimmt, deshalb automatisch auch das Jahr frei? Spoiler: automatisch ohnehin nicht. Das Argument der eigenen Unersetzbarkeit (mal im Büro, mal zu Hause, je nachdem, wie es sich gerade bequem anfühlt) funktioniert nur, solange kein anderer mit dem gleichen Grund dagegen hält.

Menschen ohne Kinder sind nicht die Lösung für alle organisatorischen Probleme. Organisatorische Probleme lassen sich ohnehin, dies nur nebenbei, am besten ganz anders lösen: durch Organisation (it’s funny cause it’s true).

Anzeige
Anzeige
  • Muss das Team an jedem Tag der umstrittenen Zeit erreichbar sein oder reicht ein verkürztes Zeitfenster, das vorher angekündigt wird?
  • Müssen Schichten die üblichen Längen und Zeiten haben oder lassen sie sich verträglicher gestalten?
  • Muss die Aufgabe zwingend von einer bestimmten Personengruppe erledigt werden? Oder gibt es in anderen Teams vielleicht Menschen, die an einem umstrittenen Tag gern einspringen?
  • Ist die zwingende Aufgabe wirklich zwingend? An diesem Tag? Was, wenn sie es nicht wäre?

Viele Branchen lassen Änderungen zu, sobald man sich von der heiligen Kuh der eigenen Bedeutsamkeit löst. In anderen ist das nicht möglich. Wenn euer Job keine verträgliche Reorganisation zulässt:

  • Und wenn du die vergangenen Jahre als organisatorische Einheit betrachtest: Was ist gerecht?

Fairness bedeutet, dass die Bedürfnisse von Familien angemessen berücksichtigt werden. Fairness bedeutet aber auch, dass ebenso kinderlose Beschäftigte noch die Wahl haben. Schaffen wir diese Freiheit ab, dann entmündigen wir Menschen. Und das bekommen am Ende die Mütter ab, denn sie bieten nicht die organisatorische Knautschzone, die der Chef mit 2,7 Kindern haben will. Und dann stehen wir wieder da, wo unsere Mütter vor Jahrzehnten angefangen haben.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Kommentare

Community-Richtlinien

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Kommentar abgeben

Melde dich an, um Kommentare schreiben und mit anderen Leser:innen und unseren Autor:innen diskutieren zu können.

Anmelden und kommentieren

Du hast noch keinen t3n-Account? Hier registrieren

Anzeige
Anzeige