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Benzinpreise, Lieferengpässe, Inflation: Das sind die größten Herausforderungen für den Handel

Erst die Pandemie, jetzt der Ukraniekrieg: Händler:innen und Kund:innen bemerken Veränderungen im E-Commerce – und all das ist möglicherweise erst der Anfang des sich wandelnden Konsumverhaltens.

4 Min. Lesezeit
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Die weltweiten Warenströme sind ins Stocken geraten – aktuell nicht die einzige Herausforderung für den Handel. (Bild: Cybrain / Shutterstock)

Selten waren die Herausforderungen, die E-Commerce-Händler:innen (ebenso wie die gesamte handelnde Wirtschaft) zu meistern hatten, so umfangreich wie aktuell. Als würde die Sondersituation durch die Coronapandemie nicht ausreichen, hat der Ukrainekrieg jetzt noch dafür gesorgt, dass die ohnehin umfangreichen Herausforderungen vergrößert wurden. Da ist zunächst das Thema Lieferengpässe, das uns bereits seit mindestens einem Jahr verfolgt. Nicht nur im Technikbereich rund um den Chipmangel, sondern in ganz vielen Bereichen machen diese sich bemerkbar.

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Lieferengpässe haben insbesondere mit der logistischen Herausforderung, den aus dem Gleichgewicht geratenen weltweiten Warenströmen und dem Containermangel zu tun. Oftmals sind es nur einzelne Teile, die aber dazu beitragen können, dass bestimmte Modelle und Produktreihen nicht oder nur in veränderter Form geliefert werden können. Insbesondere Sportartikel, Fahrräder, Spielwaren und eben Unterhaltungselektronik- und IT-Produkte sind hiervon betroffen. Und, so schildern es Hersteller in ungewohnter Übereinstimmung, in den nächsten Monaten ist hier keine nennenswerte Besserung zu erwarten.

Vieles davon in den produzierenden Gewerbezweigen ist dennoch vorübergehend, teilweise hausgemacht, doch die Probleme im Energiebereich lassen vermuten, dass sich die Produktion in den nächsten Monaten noch deutlich verteuern könnte. Hinzu kommen allerdings vor allem steigende Preise bei den Grundbedarfen, deren Umfang noch nicht absehbar ist.

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Logistiker kritisieren nicht kostendeckende Frachtraten

Laut dem Trendcheck Handel des ECC Köln werden die Lieferkettenprobleme im Handel auch immer mehr den Endverbraucher:innen bewusst. Jede:r Zweite erklärt, infolge von Lieferengpässen auf Probleme beim täglichen Einkauf zu stoßen. 42 Prozent der Befragten verzichten in der Folge auf Käufe, 38 Prozent entscheiden sich für andere Produkte und acht Prozent stornieren die Bestellung. Für den E-Commerce ist das ein Problem: Einerseits dominiert der Preis nicht mehr so sehr die Kaufentscheidung wie früher, andererseits sorgt die Knappheit im Handel auch dafür, dass Kund:innen sich bei Käufen, die nicht zwingend erforderlich sind, zurückhalten. So erklärt im Trend Check Handel rund jede:r Zweite, aufgrund der Lieferproblematiken geplante Anschaffungen aktuell zu verschieben.

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Zu tun hat all dies mit Logistik – und da kommen die Fuhrunternehmen und Logistiker:innen ins Spiel. Die hohen Benzinpreise sorgen insbesondere bei kleineren und mittelständischen Transportunternehmen für Bauchschmerzen – und das in einem Geschäft, das auch ohne diese Herausforderung schon schwierig genug ist. Gerade kleine Logistikunternehmen berichten von Frachtraten, die schon heute durch Personal- und Energiekosten nicht mal nachkalkuliert die Kosten decken. Und immer mehr Unternehmen der Transportbranche denken ans Aufhören, doch gerade das würde die Situation noch schwieriger für Händler:innen und Hersteller:innen machen.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) verlangt nach einem speziellen vergünstigten Gewerbediesel. Ob die Bundesregierung hier eine entsprechende Lösung bereitstellt, ist allerdings fraglich. Doch vor allem in den Läden, in Apotheken und im Großhandel drohen sonst Engpässe, warnt der Verband. Und nicht nur dort: Gerade der E-Commerce ist angewiesen auf funktionierende Frachtlogistik – auf dem Weg zum Versender ebenso wie dann auf dem Weg zum Kunden und zur Kundin.

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Der Flaschenhals ist – einmal mehr und nicht zum ersten Mal in den letzten 24 Monaten – die Paketbranche. War es sonst nur um Weihnachten schwierig, ausreichend Ressourcen für die Zustellung zu den Kund:innen zu bekommen, erklärt ein in der Branche Beschäftigter, dass die Knappheit inzwischen schon eher die Regel als die Ausnahme sei.

Steigende Inflationsrate wird zum Problem für den Handel

Mittelfristig könnte gerade den Onlinehändler:innen aber die steigende Inflationsrate zum Verhängnis werden. Denn im gleichen Maß wie den Händler:innen die Preise davonlaufen – für Wareneinkauf, Nebenkosten, Energie, Logistik – nehmen Kund:innen Abstand vom Kauf. Im April erklärte das Münchner Ifo-Institut, dass der Index der Preiserwartung im März mit  54,6 Punkten so hoch lag wie selten. Diesen Wert erreichte das Prognoseinstrument zuletzt Anfang der 80er Jahre – nach dem Ölschock der 70er und bei einer Inflationsrate von 6,3 Prozent. Was die Ifo-Handelsexpert:innen allerdings aufhorchen lässt: Der Preisdruck nimmt auch im Großhandel und in jenen Wirtschaftssektoren zu, die dem Endkundenkonsum vorgelagert sind – auf 78,1 Punkte. Der Wert errechnet sich dabei aus dem Anteil der Firmen, die Preise erhöhen wollen abzüglich derer, die die Preise senken wollen. Doch das dürften aktuell eher Wenige sein.

Für den Handel ist das eine Spirale, bei der man nicht umhin kommen wird, die erhöhten Kosten in Form steigender Preise an den Kunden oder die Kundin weiterzugeben: Steigende Lohnforderungen, steigende Nebenkosten und steigende Gestehungspreise könnten dazu beitragen, dass das Geschäftsklima schwieriger wird. Immerhin spielt all das dem Onlinehandel in die Hände – angesichts von Kund:innen, die lieber vom Sofa aus ordern als den Einkauf in den Ladengeschäften zu suchen. Doch Vorsicht: Auch am Online-Handel gehen die Verwerfungen gerade nicht spurlos vorbei – insbesondere die für viele Haushalte unsichere Lage mit einer Inflationsrate zwischen 5 und 8 Prozent sorgt dafür, dass Anschaffungen online wie offline hinten angestellt werden, wenn sich aktuell nicht unbedingt erforderlich sind.

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Mehr Kund:innen wollen auf Markenprodukte verzichten

Auf der Kund:innenseite mag all das im internationalen Vergleich zwar Jammern auf hohem Niveau sein, doch die (wohl berechtigten) Befürchtungen, aufgrund der aktuell wahrgenommenen Preissteigerungen den eigenen Lebensstandard nicht mehr halten zu können, nehmen zu. Sechs von zehn Deutschen (59 Prozent) wollen auf teurere Markenprodukte verzichten, 44 Prozent kaufen schon jetzt häufiger bei Discountern. Demnach passen vor allem jüngere Käuferschichten ihr Einkaufsverhalten bereits entsprechend an.

Auch wenn damit weniger als in der Vergangenheit Nachhaltigkeitsgesichtspunkte bei Kaufentscheidungen eine Rolle spielen werden (einfach weil das Geld hierfür fehlt), könnten gerade die Lieferschwierigkeiten bei bestimmten hochpreisigen Produkten positive Auswirkungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit haben: Denn die steigende Nachfrage nach Gebrauchtwaren und Refurbished-Produkten fällt insbesondere Anbietern aufbereiteter Elektronikprodukte auf. Oftmals braucht es offenbar eine Krise, um vernunftgetriebenes nachhaltiges Verhalten zu forcieren. Runterspielen sollte man all das dennoch nicht: Nicht nur die Pandemie hat für Verschiebungen in den Budgets gesorgt, die wir für bestimmte Warengruppen und Themen verwenden. Es ist zu erwarten, dass sich hier in den kommenden Monaten weitere Veränderungen ergeben.

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