Bessere Renditen, klügere Entscheidungen: Warum Frauen die erfolgreicheren Investoren sind – laut Studie

Eine neue Studie sagt, dass Frauen die besseren Investor:innen sind. (Foto: Video Media Studio Europe/Shutterstock)
Nur neun Prozent der Fondsmanager:innen in der jüngst untersuchten Stichprobe waren weiblich – und sie verwalteten lediglich drei Prozent des analysierten Nettofondsvermögens. Trotz dieser geringen Repräsentanz zeigen Hans Peter Grüner, Alexandra Niessen-Ruenzi und Christoph Siemroth in ihrer Studie „A Man’s World: The Masculinity of Fund Management“, dass Fondsmanagerinnen im Durchschnitt bessere risikoadjustierte Renditen erzielen als ihre männlichen Kollegen.
Investitionsmuster unter der Lupe
Die Forscher:innen entwickelten einen sogenannten Portfolio-Männlichkeitsindex, mit dem sie Fondsportfolios systematisch bewerteten. Um zu bestimmen, welche Wirtschaftssektoren als eher „maskulin“ oder „feminin“ gelten, griffen sie auf Daten der US-Verbrauchsstatistik (Consumer Expenditure Survey) zurück.
Diese zeigten, welche Branchen stärker von Männern bzw. Frauen nachgefragt werden – etwa Energie und Industrie auf männlicher Seite, Gesundheitswesen oder Konsumgüter auf weiblicher. Auf Basis dieser Einordnung berechneten die Autor:innen, wie stark die einzelnen Fonds in maskulin oder feminin geprägte Sektoren investierten.
Maskulines Verhalten mindert laut Studie die Performance
Anhand des berechneten Portfolio-Männlichkeitsindex zeigen die Autor:innen, dass Fonds mit höherem „Männlichkeitsgrad“ im Durchschnitt schlechter abschneiden. Sie schreiben: „Je höher der Männlichkeitsgrad eines Portfolios, desto geringer die erwartete Performance.“
Auch bei männlichen Fondsmanagern zeigt sich dieser Zusammenhang: Wer weniger maskulin investiert, erzielt tendenziell bessere Ergebnisse. „Maskulines Investitionsverhalten ist mit einer signifikant niedrigeren risikoadjustierten Rendite verbunden“, heißt es in der Studie weiter.
Mangelnde Diversität als wirtschaftliches Risiko
Die Forscher:innen betonen weiterhin, dass die geringe Präsenz von Frauen im Fondsmanagement nicht nur ein Gleichstellungsproblem sei. Sie schreiben: „Die geringe Präsenz von Frauen in der Fondsbranche ist nicht nur ein Gleichstellungsproblem – sie kostet auch Rendite.“
In ihrer Analyse kommen sie zu dem Schluss, dass eine stärkere Einbindung von Fondsmanagerinnen nicht nur die Performance verbessern, sondern sogar das Finanzsystem insgesamt robuster machen könnte.
Verschiebung der Kapitalströme denkbar
Die Studienautor:innen weisen zudem darauf hin, dass eine stärkere Orientierung an Konsumnachfrage und Diversifikation nicht nur Chancen mit sich bringt, sondern auch zu Verlagerungen im Kapitalfluss führen könnte. Insbesondere Sektoren, die bisher vom traditionellen – eher maskulin geprägten – Investitionsverhalten profitiert haben, könnten Marktanteile verlieren.
So schreiben die Forscher:innen, dass etwa der Energie- und Finanzsektor bei einer Umstellung auf ausgewogenere Portfolios tendenziell mit Rückgängen bei Investitionen rechnen müsste. Diese mögliche Gewinner-Verlierer-Dynamik sei laut Studie jedoch kein Argument gegen mehr Diversität – sondern ein Zeichen dafür, dass aktuelle Investitionsmuster nicht zwangsläufig den realen Bedarfen entsprechen.
Ein Umdenken könnte sich lohnen
Das Papier legt insgesamt nahe, dass eine ausgewogenere Geschlechterverteilung zu mehr Diversifikation, weniger systemischen Risiken und größeren Innovationschancen führen könnte – speziell in unterrepräsentierten Sektoren wie dem Gesundheitswesen, nachhaltigen Technologien oder der Bildung.
Die Studie zeichnet ein deutliches Bild: Geschlechtervielfalt im Fondsmanagement kann sich messbar auszahlen. Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass das traditionelle Bild des männlichen Finanzprofis einer kritischen Überprüfung bedarf – und Investitionsentscheidungen, die sich stärker an vielfältigen Perspektiven orientieren, langfristig erfolgreicher sein könnten.
Einige potenzielle Kritikpunkte an der Studie sollten dennoch berücksichtigt werden. Der Fokus auf das maskuline und feminine Investitionsverhalten sowie die Betonung auf eine größere Diversität im Fondsmanagement könnte von einigen als politisch motiviert wahrgenommen werden.
In diesem Kontext wäre es sinnvoll, die Methodik des Portfolio-Männlichkeitsindex sowie die Annahme, dass Konsumpräferenzen ein zuverlässiger Indikator für Performance sind, noch genauer zu hinterfragen. Dennoch bleibt die Studie ein wichtiger Beitrag zu den aktuellen Diskussionen über Diversität in der Finanzwelt und den potenziellen langfristigen Vorteilen einer ausgewogenen Geschlechterrepräsentation.