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Was bleibt? 7 Prognosen für die Arbeitswelt nach Corona

Größer, schneller, weiter war gestern. Experten erwarten einen Aufwind für das lokale Business nach der Coronakrise. (Foto: mavo/Shutterstock)

Nichts wird sein, wie es war. Corona verändert sämtliche Lebensbereiche – und das nachhaltig. Zwei Unternehmer skizzieren, was das für die Arbeitswelt bedeutet.

Es ist nur allzu menschlich: In der Krise beißen wir die Zähne zusammen, schaffen Provisorien – und sehen zu, dass wir erfolgreich weiterpaddeln, bis das Schlimmste überstanden ist. Nun kann niemand heute mit Gewissheit vorhersagen, wann und wie diese Krise enden und welche Konsequenzen sie haben wird. „Augen zu und durch“ gefährdet den Neustart und ist keine gute Option. In diese Kerbe schlagen auch Andreas Herde, Geschäftsführer des Recruiting-Unternehmens Yeahr, und Oliver Burauen von der Firma Grapevine Marketing. Es sei ratsam, in seinem jeweiligen Kompetenzbereich aufmerksam zu beobachten, welche Auswirkungen die momentanen Umwälzungen haben und noch haben könnten. Denn nur, wer die Lernerfahrung dieser Krise nutze, könne auch gestärkt aus ihr hervorgehen. Im Dialog haben die beiden Experten die Krisenfolgen für den Bereich der Arbeitswelt skizziert. Zahlreiche Unternehmer und Arbeitnehmer würden sich – ganz gleich, ob aus freien Stücken oder notgedrungen – in ihrer beruflichen Tätigkeit neu orientieren. In Anlehnung an das Expertengespräch seien hier sieben Prognosen genannt:

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1. Aufwind für lokales Business

Prognostiziert wird eine Art neue Gründerzeit mit einer lokaleren und regionaleren Ausrichtung als bisher. Die Globalisierung habe in der Krise ihre Schwächen offenbart. „Wir lernen gerade schmerzhaft, dass es nicht immer klug ist, dass bestimmte Produkte, die zum Teil zwar simpel sind, aber sehr wichtig werden können, aus Kostengründen ausschließlich in Fernost produziert werden“, so Herde und Burauen. Der Wunsch nach mehr Autarkie werde von einer Welle neuer Gründer bedient werden.

2. Mehr Sinn bitte

Es werde eine weitere Verstärkung des bereits vor der Krise vorhandenen Wunsches nach sinnstiftender beruflicher Tätigkeit geben. Die Sinnhaftigkeit werde gegenüber der turbo-kapitalistischen Ausrichtung noch einmal an Boden gewinnen. „Die unzähligen Menschen, die in der letzten Dekade in das Arbeitsleben eingetreten sind, kannten bislang nur eine konjunkturelle Richtung: aufwärts“, so die beiden Unternehmer. Die Coronakrise sei insbesondere für diese Gruppe eine einschneidende Erfahrung. Der Wunsch nach Sicherheit im Berufsleben werde stärker werden.

3. Helden des Alltags

„Wir werden eine Aufwertung zahlreicher Berufsbilder erleben, deren Wichtigkeit vielen Menschen erst in der jetzigen Krise klar wird“, so Herde und Burauen. Hierzu gehörten zum Beispiel die Pflegeberufe. Auch bei der Bewertung der oft unterschätzten Tätigkeiten vieler anderer Helden des Alltags wie die Beschäftigten im Lebensmittel-Einzelhandel erwarten die Experten mehr Fairness.

4. Digitalisierung schreitet voran

Die in der aktuellen Krise erzwungene Flexibilisierung und Digitalisierung der täglichen Arbeitsabläufe bestehe derzeit die Feuertaufe. Ein Virus werde zum Digitalisierungstreiber und beschleunige eine Entwicklung, die bislang häufig von tradierten Ansichten ausgebremst worden sei. Tools wie Homeoffice, Collaborative-Digital-Work oder Videokonferenzen seien aktuell alternativlos – und sie funktionierten. Dieser durch Corona erzwungene Erfahrungswert werde nachwirken. Rund 40 Prozent der deutschen Arbeitsplätze seien grundsätzlich geeignet für Homeoffice, nur bei zwölf Prozent sei es vor der Krise tatsächlich gängige Praxis gewesen. Das werde sich gründlich ändern.

5. Der Geist ist aus der Flasche

Anwesenheitskultur und der Kontrolltrieb vieler Führungskräfte wackelten gerade in ihren Grundfesten. Führungskräfte, die traditionell auf diese Aspekte setzten, würden schmerzhaft feststellen, dass ihr Führungsstil überholt sei. Weil es auch ganz anders ginge – und zwar besser. Schon während der Krise werde deutlich, dass modernes Führen Moderation statt Kontrolle sowie Freiräume statt Restriktionen erfordere. Dieser Geist modernen, vorwärts gewandten und auf Vertrauen setzenden Führens sei jetzt dauerhaft aus der Flasche.

6. Verantwortungslosigkeit rächt sich

In der jetzigen Krise würden Mitarbeiter sehr deutlich registrieren, wie ihre Arbeitgeber sie behandeln, wie groß das Commitment der Unternehmen für ihre Belegschaften wirklich ist. Illoyalität und Vertrauensbrüche würden sich tief einprägen. Defizite hätten damit klare Auswirkungen auf die Bindung und die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen nach der Krise.

7. Neue Erfahrungen für Gen Z

Die Generation Z habe den Arbeitsmarkt bisher überwiegend als Arbeitnehmer-Schlaraffenland kennengelernt. In einem neu sortierten Arbeitsmarkt werden Berufseinsteiger deutlich veränderte Bedingungen vorfinden. Nicht mehr jeder Wunsch werde ihnen von den Lippen abgelesen werden. „Es wird sehr spannend zu beobachten, mit welcher Flexibilität und Bereitschaft die jungen Kolleginnen und Kollegen diesen veränderten Bedingungen begegnen werden“, so die Experten.

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