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Carsharing-Bundesverband zerpflückt A.T.-Kearney-Studie

Kritik an Carsharing-Studie. (Foto: dpa)

Eine Studie von A.T. Kearney zum Carsharing hatte kürzlich ergeben, dass Mietautos private Autos nicht ersetzten und den ÖPNV bedrohten. Dagegen wehrt sich der Carsharing-Bundesverband.

In der vergangenen Woche hatte eine Studie der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney für Aufsehen gesorgt. Darin wollten die Studienautoren mit dem Mythos Carsharing aufräumen. Demnach erfreuten sich Mietautos zwar steigender Beliebtheit. Das private Auto werde aber durch das Angebot der Mietauto-Flotten noch nicht ersetzt. Das eigene Auto, so die Studienautoren, werde immer noch mit einem Gefühl der persönlichen Freiheit verbunden. Es werde daher schwer werden, die Durchdringungsrate der Carsharing-Angebote zu steigern.

Carsharing: Statt aufs eigene Auto verzichten Nutzer auf Bus und Bahn

Statt auf das eigene Auto verzichteten Carsharing-Nutzer eher auf Bus und Bahn, wie eine Befragung am Beispiel Deutschland zeigte. Mit steigender Carsharing-Nutzung sinke die Bereitschaft, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu nutzen, deutlich. Dagegen steige die Nutzung von eigenem Auto oder Motorrad bei Viel-Carsharern eher noch an. Der Hype sei aktuell nicht gerechtfertigt, konstatierte die Studie.

Dagegen regt sich jetzt Widerstand des Bundesverbands Carsharing (BCS). In einer Stellungnahme erklärte der BCS, dass die A.T.-Kearney-Studie „keine Darstellung des deutschen Carsharing-Marktes“ sei. Vielmehr handle es sich um eine Auseinandersetzung mit den Anbietern Sharenow, Weshare und Sixt Share. Diese seien aber nicht repräsentativ für das Carsharing in Deutschland. Das Papier werde in einigen Punkten von der Realität widerlegt und falle in mehreren Punkten „hinter den aktuellen Forschungsstand zum Carsharing in Deutschland zurück“.

So existierten Carsharing-Angebote in 61 deutschen Städten mit 100.000 bis 500.000 Carsharing, ein reines Freefloating-Angebot sogar in Göttingen. In der A.T.-Kearney-Studie hatte es geheißen, dass in Deutschland nur wenige Städte groß genug seien, um Carsharing profitabel betreiben zu können, darunter Berlin und schon mit Abstrichen Hamburg, München oder Köln.

Zudem erklärten die Studienautoren, dass das auch von der Politik verfolgte Ziel, durch Carsharing den nachhaltigen Verkehr in den Städten zu stärken, verfehlt werde. Die Zahl der neuen Autozulassungen sei in Hamburg oder Berlin, wo die jetzige Share-Now-Gruppe seit acht Jahren aktiv ist, nicht signifikant gesunken, wie es bei heise.de heißt. Stattdessen werde der ÖPNV kannibalisiert.

Bundesverband Carsharing: ÖPNV wird nicht kannibalisiert

Auch in diesem Punkt widerspricht der BCS der Studie vehement. In einer Langzeitstudie aus München sei nachgewiesen worden, „dass bei den Nutzern stationsbasierter Carsharing-Angebote der Besitz von Zeitkarten für den ÖPNV im Verlauf der Carsharing-Mitgliedschaft ansteigt“. Deutlich weist der BCS zudem daraufhin, dass Carsharing nicht nur aus Free-Floating-Modellen wie bei Sharenow, Weshare und Sixt Share bestehe. In den anderen Carsharing-Varianten seien etwa 60 Prozent der Kunden der Meinung, dass Carsharing ein vollwertiger Ersatz für das eigene Auto sei.

Weltweit ist die Zahl der Mitglieder von Carsharing-Diensten laut A.T. Kearney zwischen 2013 und 2018 von drei auf 27 Millionen gestiegen. Die Zahl der Auto, die von den Betreibern eingesetzt werden, kletterte im selben Zeitraum von 71.000 auf 268.000, wie A.T. Kearney berechnet hat. Das Ausbleiben der Verkehrswende hat aber einige Städte schon zur Abkehr vom Carsharing-Support gebracht. Laut Süddeutscher Zeitung gehört dazu etwa Stockholm, wo Drivenow seinen Dienst nach drei Jahren wegen hoher Park- und Staugebühren wieder einstellen musste.

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Der Originalartikel vom 9. August wurde am 13. August um die Angaben in der Stellungnahme des Bundesverbands Carsharing ergänzt und der Artikel entsprechend angepasst.

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4 Kommentare
Alexander G.
Alexander G.

Warum sollte man auch ein Carsharing Angebot nutzen, wenn man bereits ein eigenes Auto hat?
Zudem findet man die meisten Carsharing-Anbieter in den Städten, statt auf dem Land, wo die Abdeckung durch den ÖPNV oft nur sehr dünn oder gar nicht vorhanden ist.
Meiner Meinung nach gehören die Carsharing Angebote da hin.

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Torsten
Torsten

Wow, ein Miet-Auto steht vor allem in Konkurrenz mit anderen „Mehrfachnutzungsformen“ von Fahrzeugen, deren Dienstleistungen man mieten kann – und nicht etwa mit Privatfahrzeugen. Ein anderes Wort für temporäres Miet-Auto aus meiner Kindheit war übrigens „Taxi“ – und das ist sogar autonom!

Das Problem löst sich btw. dann auch damit, wenn der Kosten- UND Komfortvorteil überwiegt. Das ist bei „herkömmlichen“ Carsharingfahrzeugen nicht der Fall, da diese nicht beide Kriterien erfüllen. Das wird erst mit dem autonomen Mietauto kommen, wo der Komfort („Es fährt von sich aus zu Adresse X und ich muss nicht zu Adresse X um es zu nutzen…“) und die Kosten („Es ist günstiger, da höhere Auslastung…“) zusammenfallen.

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Matthias Robbe
Matthias Robbe

Dafür braucht man extra eine Studie? Logisch denken hätte doch gereicht.

Wenn jemand ein Vielnutzer ist und am Ende seine Rechnung sieht und der Unterschied zum eigenen Auto, welches man ja relativ günstig leasen kann, gering ausfällt. Ist es dann nicht logisch lieber ein eigenes Auto zu haben was garantiert immer verfügbar ist und dort in der Nähe steht wo man es parkt?

Nächster logische Punkt. Wenn ich mit Bus oder Bahn einkaufen will oder etwas sperriges transportieren will… Nicht jeder hat eine Haltestelle direkt vor der Tür, sind also mindestens 2 Wege mit schleppen, mit Pech mindestens vier, wenn die Geschäfte nicht an der Haltestelle liegen. Wenn ich nun das in zwei Stunden schaffe und im Schnitt(je nach Anbieter und Tarif) 10-20 € bezahle und sogar noch jemanden mitnehmen kann, warum soll ich dann so dumm sein und eine Tagesfahrkarte kaufen, die im schnitt um die 5-6 € kostet und das für nur eine Person. Da zahlt man doch lieber mehr, hat einen Kofferraum und erspart sich unnötige Transportwege und schleppen.
Also ist es schon logisches denken, dass der ÖPNV der Looser ist. Die Preise sind einfach zu hoch, wenn man für das doppelte/dreifache soviel Mehrwert hat.

Halt die gleiche Rechnung wenn man fliegen und Bahn fahren vergleicht. Flugzeug ist Innland billig und schnell. Bahn teuer und langsam. Wenn man bedenkt, dass Zeit für viele Menschen Geld ist… Also bleiben Bahn und ÖPNV die Looser, auch dann wenn die Mehrwertsteuer gesenkt wird und die Flugpreise steigen. Selbst wenn der Flug von Nord nach Süddeutschland dann 200 statt 30 € kostet. Ein Flugzeug ist nicht überfüllt, der Sitzplatz garantiert, Flugzeuge sind pünktlicher als die Bahn, ca. 1 Stunde bequem sitzen oder 4-5 Stunden in der Bahn hocken und wo in der Bahn dann bei Hitze auch oft noch die Klimaanlage ausfällt?

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Dennis
Dennis

Alle Carsharer, die ich kenne, nutzen das Mietauto statt des ÖPNV oder dem Fahrrad oder der Bahn. Und Mietwagen/Carsharing, weil kein eigenes Auto.
Und ich kenne aktuell auch keinen, der ein eigenes Auto hat und in der (Groß)stadt dann einen Mietwagen nimmt.

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