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Portrait

Die Schattenseiten von DHDL-Star Carsten Maschmeyer

Carsten Maschmeyer ist einer der neuen Juroren in der „Höhle der Löwen“. (Foto Nikolaj Gerogiew / Wikimedia Commons)

In der „Höhle der Löwen“ tritt Carsten Maschmeyer als großzügiger Investor auf. Doch seine Unternehmerkarriere hat auch Schattenseiten. Ein Überblick.

Er ist einer der reichsten Menschen Deutschlands: Carsten Maschmeyer besitzt diversen Berechnungen zufolge mehr als eine Milliarde Euro an Vermögen. Einen Teil davon investiert der gebürtige Bremer in Unternehmen. Aktuell ist das jeden Dienstag zu beobachten, wenn Maschmeyer in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ als Kapitalgeber auftritt.

Die Karriere von Maschmeyer ist beeindruckend: Der Unternehmer stammt aus einfachen Verhältnissen. Seine Mutter zog ihn zunächst allein groß, sie arbeitete als Sekretärin im Schulamt. Während seines Studiums an der Medizinischen Hochschule Hannover begann Carsten Maschmeyer bei der Vermögensberatung OVB zu arbeiten. 1982 wurde er an seiner Hochschule zwangsexmatrikuliert – er hatte zu häufig gefehlt, weil er viel gearbeitet hatte. Die Wirtschaftswoche schrieb über diese Lebensphase einmal: „Jetzt hieß es erst recht: verkaufen, verkaufen, verkaufen.“ Als er die OVB verließ, erhielt Maschmeyer nach eigener Aussage eine Millionenabfindung. Sechs Jahre später stieg er bei dem Finanzvertrieb Allgemeiner Wirtschaftsdienst, besser bekannt als AWD, ein – der Beginn seines finanziellen und gesellschaftlichen Aufstiegs.

Doch wie er sein Geld verdient hat, ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm vor, unziemliche Geschäftspraktiken beim AWD geduldet zu haben. Das hat Maschmeyer unter anderem den Titel „Drückerkönig“ eingebracht – eine Bezeichnung, die ihm bis heute anhängt. t3n hat die wichtigsten Punkte aus dem Leben Maschmeyers zusammengetragen.

Carsten Maschmeyer und Judith Williams in der „Höhle der Löwen“. (Foto: Vox)

Carsten Maschmeyer und die AWD: Chronik eines Unternehmers – und eines Unternehmens

1988: Carsten Maschmeyer kauft sich mit 900.000 DM bei dem Finanzvertrieb AWD ein. Er übernimmt die Mehrheit und leitet die Geschäfte. Der AWD verkauft sicherere Anlagen wie Lebensversicherungen und Bausparverträge, aber auch riskantere Produkte wie geschlossene Fonds.

1995: Erstmals warnt die Stiftung Warentest vor dem AWD. In dem Beitrag „Geschädigte AWD-Kunden sollten Schadenersatz fordern“ heißt es, dass 42,8 Millionen DM an Investorengeldern von AWD-Kunden verschwunden seien. Das Unternehmen baue einen Geschädigtenpool auf – dafür müssten die Opfer aber auf Ansprüche verzichten. Die Stiftung rät von dem Geschädigtenpool ab.

1998: Maschmeyer finanziert eine Wahlkampagne der SPD. Der Spruch: „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein.“ Er sei nicht pro Schröder, sondern contra Lafontaine gewesen, sagte er später.

Oktober 2000: Maschmeyer bringt den AWD an die Börse. Das Unternehmen gab bei der Erstemission neun Millionen Aktien zu einem Preis von 56,10 DM aus. Während der Zeichnungsfrist wurde dem Finanzvertrieb vorgeworfen, er habe potentielle Anleger nicht ausreichend vor Risiken gewarnt.

November 2000: Finanztest veröffentlicht einen kritischen Artikel über das Immobiliengeschäft des AWD. Konkret geht es um Schrottimmobilien, die überteuert gekauft werden. Das Unternehmen will die Veröffentlichung mit einer Unterlassungserklärung verhindern. Der Text erscheint trotzdem.

2001: Der AWD gerät erneut ernsthaft unter Druck. Das Unternehmen hat 14 der sogenannten Dreiländer-Fonds des umstrittenen Unternehmers Walter Fink vertrieben. Weil die Fonds nicht liefern, fühlen sich einige Kleinanleger betrogen. Sie sagen, die Fonds wurden als sicher und jederzeit verkäuflich vermittelt. AWD-Vermittler sollen den größten Fonds DLF 94/17 mit dem Spruch, dass er der „Mercedes unter den Anlagen“ sei, vertrieben haben.

2005: Der AWD einigt sich außergerichtlich mit Anlegern, die sich falsch beraten fühlten.

2007: Der Versicherer Swiss Life kauft den AWD. Er zahlt 1,2 Milliarden Euro für das Unternehmen. 475 Millionen Euro davon musste der Konzern später auf den AWD abschreiben.

Juli 2007: Der Bundesgerichtshof fällt ein wegweisendes Urteil gegen die Vertriebsmethoden des AWD. Darin gibt er der Revision einer Klägerin in Teilen statt. Demnach sei die „Chancen und Risiken“-Angabe im Prospekt „kein Freibrief“ für Vermittler, Risiken im Gespräch abzuwerten.

Februar 2008: Maschmeyer kauft ein großes Aktienpaket des Konkurrenten MLP. Der klagt 2015 auf Auskunft gegen ihn. Der Wettbewerber vermutet eine abgesprochene Aktion hinter dem Kauf. Das Landgericht Heidelberg gewährt die Auskunft. Maschmeyer hat nach eigener Aussage keine Aktien zwischen April 2008 und dem 16. Mai 2008 gekauft.

2009: Maschmeyer verlässt den Vorstand der AWD. Das Unternehmen macht in diesem Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz.

Januar 2010: Maschmeyer gründet gemeinsam mit Bert Rürup die MaschmeyerRürup AG, ein Beratungsunternehmen. Die Partnerschaft hält nicht lange: 2013 steigt Rürup aus, die AG wird aufgelöst. Allein im ersten Geschäftsjahr soll das Unternehmen nach Angaben des Manager Magazins zwei Millionen Euro Verlust gemacht haben.

Mai 2010: Die Süddeutsche Zeitung legt in einem langen Bericht die Beratermethoden des AWD offen. Darin heißt es, die Berater stünden „enorm unter Druck“. Der AWD bestreitet die Vorwürfe.

Mitte Januar 2011: Die ARD strahlt eine Dokumentation mit dem Namen „Der Drückerkönig und die Politik“ aus. Darin hinterfragt der Sender die Beziehung Maschmeyers zu Politikern und befasst sich mit den Schicksalen von Kleinanlegern. Maschmeyer geht gerichtlich gegen den Film vor, er versucht, die Ausstrahlung zu verhindern. Er schreibt 61 Seiten an die ARD und bemüht sich, Unterlassungsklagen zu erwirken. Er dürfe und könne nicht zulassen, dass hier „Tausende meiner ehemaligen Mitarbeiter diffamiert“ würden, sagte er später in einem Interview. Die Streitigkeiten werden später außergerichtlich beigelegt.

März 2011: Der Stern deckt auf, dass der AWD insgesamt fast 35.000 Beteiligungen am umstrittenen Dreiländer-Fonds an Anleger verkaufte. Maschmeyer hatte bis dahin immer von Einzelfällen gesprochen. Laut den Papieren von Stern und NDR hatten viele der 30.000 Anleger einen zusätzlichen Kredit aufgenommen, um die Investition zu stemmen. Der Spiegel berichtet ebenfalls ausführlich.

2011: Maschmeyer gibt seinen Posten als Verwaltungsrat beim AWD auf. „[F]ür das operative Geschäft unbedeutende Verwaltungsratssitzungen alle paar Monate waren für mich unbefriedigend“, sagte er später in einem Zeit-Interview.

Dezember 2011: Die Affäre um den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff bricht los. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Der CDU-Politiker verbrachte kurz nach seiner Wahl 2010 Zeit in Maschmeyers Ferienanlage auf Mallorca. Im Rahmen der Affäre wird bekannt, dass Maschmeyer ihm zudem eine Anzeigenkampagne für ein Buch finanzierte. Insgesamt sollen 43.000 Euro in Werbung geflossen sein.

März 2012: Carsten Maschmeyer veröffentlicht sein Buch „Selfmade – erfolg reich leben“. Der Ratgeber schafft es in die Bestsellerlisten.

Juli 2012: Das Landgericht Hannover berichtet von mehr als 800 Klagen, die gegen den AWD eingereicht wurden. Die Klagen beziehen sich auf unterschiedliche Vorwürfe und nehmen unterschiedlichen Ausgang: So kann das Oberlandesgericht Köln beispielsweise keine Beweise für erhöhte Provisionen beim AWD feststellen, das Oberlandesgericht Naumburg und das Landgericht Braunschweig entscheiden im Fall von falscher Anlageberatung für die Kläger.

 „Wir haben nur vermittelt und dafür die normalen Provisionen bekommen.“

März 2014: In einem Interview mit der Zeit wehrt sich Maschmeyer gegen die Vorwürfe gegen ihn und den AWD. „Es wird immer der Eindruck erweckt, die Kunden hätten mir oder den Beratern persönlich ihr Geld anvertraut“, sagte er der Zeitung. „[W]ir haben nur vermittelt und dafür die normalen Provisionen bekommen, wie sie Hunderttausende Verkäufer anderer Vertriebe und Banken auch bekommen haben.“ Für die Fehlentwicklung seien die Fondshersteller verantwortlich, nicht er selbst. Er gibt aber zu, dass man in der Rückschau die Produkte von Spezialexperten hätte prüfen lassen sollen.

September 2014: Im September 2014 wird bekannt, dass Maschmeyer, ebenso wie andere Prominente, über einen Fonds an sogenannten Cum-ex-Geschäften beteiligt ist. Dabei werden Leerverkäufe rund um die Dividendenausschüttung von Dax-Konzernen getätigt. Der Spiegel schreibt, der Staat sei durch diese Geschäfte um Milliarden geprellt worden. Maschmeyer geht gegen die verantwortliche Sarasin-Bank gerichtlich vor. Das bringt ihn selbst in Gefahr: Er erhält Drohbriefe. Die Bank zahlt später einen Großteil des investierten Geldes zurück.

2015: Vier Paare klagen vor dem Bundesgerichtshof auf Schadensersatz wegen falscher Beratung durch den AWD. Der BGH lehnt die Klagen ab – die Forderungen seien verjährt, heißt es. Über die Sache selbst urteilt er nicht.

Januar 2016: Es wird bekannt, dass Carsten Maschmeyer in der dritten Staffel der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ als Investor auftreten soll. Die Nutzer in den sozialen Medien reagieren amüsiert bis ablehnend.

Februar 2016: Maschmeyer legt sein nächstes Buch vor: „Die Millionärsformel“ soll nicht jeden zum Millionär machen. „Aber jeder kann sich finanziell verbessern, wenn er die Hinweise aus dem Buch oder dieser Webseite befolgt“, lässt sich der Unternehmer auf der Website zu seinem Werk zitieren.

April 2016: Die Kommentare unter Maschmeyer-Artikeln seien auffällig positiv, findet der Tagesspiegel – und geht der Sache in einem gesonderten Text nach. Unter mehreren Beiträgen in verschiedenen Zeitungen ähneln sich die Kommentatoren. Die Maschmeyer-Gruppe bestreitet, dass die Kommentare gesteuert sind.

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6 Reaktionen
Ulrich Schmitz

Was für ein gesundes Rechtsempfinden sich doch in den Kommentaren findet. Ich kann an Herrn Maschmeyer auch nichts Gutes entdecken. Bedauerlich, dass er offenbar derart gute Kontakte in Politik und Medien hat, dass selbst einem deartigen Unsympathen eine Hauptrolle in so einem Medienformat zugestanden wird. Das Publik findets scheußlich - ich auch.

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David

Jede Sendeminute und jeder Bericht über diesen Mann ist ein Schlag ins Gesicht für ehrliche Unternehmer. Wer sich die "Karriere" und das Vorgehen genau anschaut bemerkt schnell das, der "Erfolg" auf dem Rücken des einfachen Bürgers aufgebaut wurde. Die zahlreichen Ermittlungsverfahren, der Lobbyismus oder die "Freundschaften zu Schröder in Verbindung mit der Riester Reform, zeichnen ein deutliches Bild.

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Walter

ergänzend sei hier die Nachdenkseiten erwähnt, bei denen insbesondere die organisierte Zerstörung der Altersvorsorge auf Kosten der Allgemeinheit zum Wohl solcher Löwen beleuchtet wurde

http://www.nachdenkseiten.de/?s=Maschmeyer

http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/110216_beilage_awd_artikel_teil_3.jpg

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Peter Schweizer

Herrn Maschmeyer als Mensch zu bezeichnen, der auch "Schattenseiten" hat, verhöhnt die Opfer seiner Drückermethoden im Rahmen der AWD. Liest man die Liste, bleibt nichts von einem seriösen Geschäftsmann übrig – Maschmeyer hat sich ohne Scham bereichert, sein Geld zur politischen Einflußnahme genutzt und versucht sich nun als Gönner zu inszenieren. Sein Vermögen ist auf dem Leid vieler Investoren aufgebaut, wer die Doku gesehen hat: es gab einige Selbstmorde unter den Opfern der AWD.

Ich persönlich habe mir eine Folge angeschaut, werde aber nicht weitersehen – wg. Maschmeyer.

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Leser

Habe ich irgendwas verpasst, warum hier nur noch Werbung für "Die Höhle der Löwen" erscheint?

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Markus

Da kann ich nur zustimmen. Die Beiträge zu diesem inszenierten Käse "sind auffällig positiv". Man kann den Mann nur als asozial im wahrsten Wortsinn bezeichnen.

Alleine seine Abzocke mit der auf ihn passend zugeschnittenen "Riester-Renter" ist beachtlich: „Es ist so, als ob wir auf einer Ölquelle sitzen. Sie ist angebohrt, sie ist riesig, und sie wird sprudeln."

Er ist der Prototyp des gewissenlosen, geldgeilen Unternehmers. Ein tolles Vorbild für die zukünftigen "Gründer".

Quelle: https://lobbypedia.de/wiki/Carsten_Maschmeyer

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