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Changerider: „Der Karriereknick entsteht für die meisten Frauen zwischen 30 und 40 – da hilft die Quote nicht“

Mit dem Video- und Podcastformat Changerider wollen Etventure-Gründer Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung und dem Wandel nehmen. In der aktuellen Folge „fährt“ Katharina Wolff mit. Sie ist Herausgeberin des „ersten Business-Magazins aus Frauenperspektive“.

Von Christian van Alphen
5 Min. Lesezeit
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(Bild: Changerider)

Strive heißt das neue Magazin, das seit dieser Woche im Handel erhältlich ist und die feminine Antwort auf das Manager Magazin sein soll. Eine Befürworterin der Frauenquote ist Wolff trotz dieser Female-Empowerment-Ambition nicht. „Ich bin natürlich nicht blind. Ich sehe, was sich tut und was sich nicht tut.“ Sie plädiert dafür, dass man bereits früher ansetzt, als es die jetzt geplante Regelung für die Frauenquote in Unternehmensvorständen vorsieht. „Der Karriereknick entsteht für die meisten Frauen zwischen 30 und 40 Jahren und in der Regel sind sie da noch im mittleren Management.“ Das sei die gefährliche Phase, in der es darum geht, Frauen zu unterstützen und zu verhindern, dass es zu diesem Karriereknick kommt. Sie selbst sieht sich durch ihre Selbstständigkeit sehr privilegiert und hat nie eine „gläserne Decke“ spüren müssen; aber aus der Beratung vieler Unternehmen kennt sie das Phänomen. „An der Stelle müssen Firmen ansetzen, indem sie bessere Betreuungsmöglichkeiten fördern, auch innerhalb der Firmen. Indem sie Führungspositionen anbieten, die man sich teilen oder in Teilzeit machen kann.“ Wenn es gelänge, bereits im mittleren Management echte Geschlechterparität herzustellen, würde das auch den Weg für Frauen in Vorstandsmandate oder Aufsichtsratsposten ebnen, ist Wolff überzeugt. „Ich verstehe jede Quotenbefürworterin, ich mag das Instrument immer noch nicht, aber es muss sich etwas tun, das ist uns, glaube ich, allen klar.“

„Wir sind hier ein Management voller Männer – eine Frau bringt zu viel Unruhe“

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Mit ihrer Personalberatungsfirma D-Level hat sich Wolff in der Vergangenheit auch schon einmal von einem Kunden getrennt, weil der eine Position explizit mit einem Mann besetzen wollte und Frauen als Kandidaten ausgeschlossen hat. Es hieß damals, ‚wir sind hier ein Management voller Männer und wir glauben, eine Frau bringt zu viel Unruhe‘. „Da haben wir gesagt, dann nehmen wir den Job nicht an“, erzählt Wolff im Changerider.

Vorbehalte, Frauen in einem bestimmten Alter einzustellen, begegnen Wolff regelmäßig. „Wir haben einen Kunden, für den haben wir vier oder fünf Managementpositionen besetzt, drei davon mit Frauen. Von diesen drei Frauen sind zwei in den ersten drei Monaten zu ihm gekommen und haben gesagt, ‚ich bin schwanger‘ und waren mit Krankschreibung auch ziemlich schnell raus aus dem Unternehmen. Das kann man ihnen nicht vorwerfen, aber das zahlt komplett auf dieses Denk- und Verhaltensmuster ein, ‚Oh Gott, wenn ich eine Frau in einem bestimmten Alter einstelle, könnte sie schwanger werden und dann könnte es ganz schlimm ausgehen‘.“ Wolff erlebt aber auch die anderen Beispiele. Bei zwei anderen Kunden hat die Kandidatin noch im Bewerbungsprozess eröffnet, dass sie schwanger sei, sie hat aber einen genauen Plan vorgelegt, wie sie vorhat, mit dieser Situation umzugehen und wann der Arbeitgeber mit ihr rechnen könne. „Da haben Frauen durch ihr Verhalten ein Denkmuster komplett aufgebrochen und ich glaube, dass diese Unternehmen zukünftig bei jeder Frau, die schwanger wird, sagen, ‚ach ja cool, wie hast du dir das denn vorgestellt‘, anstatt gleich abzustempeln, ‚das kann nicht funktionieren‘.“ Um Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen, brauche es sehr viel Transparenz – von beiden Geschlechterseiten, ist Wolff überzeugt.

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Ein kleinen Beitrag in Richtung ‚female empowerment‘ möchte Wolff auch mit ihrem neuen Strive-Magazin leisten, in dem sie Role-Models sichtbar macht, in der Hoffnung, dass diese Mut machen, einen eigenen Weg zu gehen.

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„Das Manager Magazin nennt sich intern ‚Bunte auf Testosteron‘ – das sagt schon alles“

Aber wieso gründet man eigentlich überhaupt ein Printmagazin, mitten in mindestens zwei Krisen – auf der einen Seite die Coronakrise und auf der anderen die Medienkrise mit sinkenden Auflagen und Anzeigenerlösen? Zumindest erstere, Corona, war für Wolff in dieser Beziehung ein Auslöser. „Wenn so ein Lebenswandel, wie durch Corona bedingt, so schnell kommen kann, dann sollte man sich Gedanken machen, was einen glücklich macht“, sagt Wolff im Changerider. Sie habe sich dann auf ihre Irgendwann-Momente besonnen, also was wollte sie immer mal irgendwann machen. „Eins davon war tatsächlich ein Magazin. Ich habe dann recherchiert, wie man ein gutes Online-Magazin macht, denn Print ist ja tot.“

Wolff hat dann aber relativ schnell festgestellt: Print ist gar nicht tot. Ein Grund sind die Werbeerlöse im Onlinebereich. 70 Prozent gingen an Google und Facebook. „Die restlichen 30 Prozent teilt sich die gesamte Medienwelt. Nicht nur Verlage, TV, Radio, sondern auch jeder Influencer und Blogger. Darauf ein profitables Unternehmen aufzubauen, ist fast nicht möglich.“ Sie räumt ein, in vielen Bereichen funktioniere Print tatsächlich schwierig, insbesondere im News-Bereich, da seien Online-Medien bis hin zu Twitter schneller. „Print funktioniert immer dann super, wenn geistiges Eigentum auf ein physisches Produkt trifft. Dann entsteht was ganz Magisches, nämlich eine Kaufbereitschaft. Daher war dann ganz schnell klar: Print it is.“

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Die Ausrichtung „Business-Magazin aus Frauenperspektive“ sei entstanden, weil sie Teil der Zielgruppe ist. Über das Manager Magazin habe sie sich oft geärgert, weil es geprägt sei von männlichen Werbewelten. „Sie nennen sich intern ‚Bunte auf Testosteron‘, ich glaube, das sagt schon alles.“ Sie habe auch mal in fünf Ausgaben des Manager Magazins durchgezählt, wie viele Frauen dort abgebildet sind. Das waren im Durchschnitt acht Prozent! Mit Strive will sie auf diese „klaffende Marktlücke“ die Antwort geben. Die Coverstory im ersten Heft widmet sich der Frage, was Gründer eigentlich beim Exit verdienen. Zwei Gründerinnen und zwei Gründer verraten, wie Exits eigentlich zustande kommen, was Gründer antreibt, ob es sich überhaupt lohnt, zu gründen, und vieles mehr.

„Wenn man selbst zum Role-Model wird, werden weitere Role-Models nachfolgen“

Obligatorisch spricht Wolff im Changerider auch über einen Scheitermoment, in dem Fall aus ihrer eigenen Gründerzeit. Ihr peinlichster Moment kommt aus ihrer Schlagerzeit. „Ich habe von 14 bis 25 Jahre Schlager gesungen, ich bin quasi von einem peinlichen Moment in den nächsten gehopst.“ Aber einen Tiefpunkt gab es trotzdem – dies und weitere Themen im Changerider-Video.

Für eine weitere Changerider-Fahrt nominiert Wolff Verena Hubertz, Gründerin von Kitchen Stories. Für Wolff ist sie ein Role-Model, weil sie nicht nur den Mut gehabt hat, zu gründen, sie hat auch mittlerweile einen Exit geschafft und kandidiert jetzt für den Bundestag.

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Ihr Appell richtet sich vor allem an die Frauen, sich zu trauen, die eigene Geschichte zu erzählen. „Wenn man selbst zum Role-Model wird, werden weitere Role-Models nachfolgen.“

Ihr kennt ebenfalls Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer! Diese und alle weiteren Folgen sind als Video und ausführliche Gespräche im Podcast bei Apple Podcast, Soundcloud und Spotify verfügbar oder nachzulesen im Changerider-Buch: „Changerider: Pioniergeister statt Bedenkenträger: Wie mutige Macher aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unsere Zukunft gestalten“ – überall, wo es Bücher gibt, und auf changerider.com.

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