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Wird Chinas Sozialkredit-System für ausländische Unternehmen zur Gefahr?

Dass chinesische Staatsbürger mittels eines Punktesystems bewertet werden, wissen viele. Die Volksrepublik plant allerdings, das Prinzip auch auf Unternehmen auszuweiten – auch auf ausländische. Was bedeutet das konkret?

Von Stephan Mayer
3 Min.
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(Grafik: Shutterstock)

Seit Jahren ist China dabei, ein Bewertungssystem für seine Bürger aufzubauen. Was weniger bekannt ist: Auch Unternehmen plant die chinesische Regierung in das sogenannte Sozialkredit-System zu integrieren – sowohl einheimische als auch ausländische. Dabei stellt sich für viele die Frage, ob sie in der Lage sind, von den neuen Regelungen zu profitieren oder dadurch die Gefahren wachsen.

Handelskammern schlagen seit Monaten Alarm: Denn bereits ab dem kommenden Jahr wird ein festgesetztes Ranking über das finanzielle Überleben von Firmen in China entscheiden. Viele deutsche Unternehmen haben mittlerweile vom Sozialkredit-System (Englisch: Social-Credit-System) gehört. Aber die wenigsten können etwas konkret damit anfangen. Dabei gehen die Planungen bis ins Jahr 2014 zurück.

Bewertung von Unternehmen nach rund 300 verschiedenen Kriterien

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Jeder chinesischen Privatperson und jeder Firma, die in China registriert ist, wird ein dreistelliger Social Credit mit anfänglich 1.000 Punkten zugeordnet. Je nachdem können bis zu 300 Punkte hinzuaddiert oder bis zu 400 Punkte abgezogen werden.

Unternehmen werden durch das Sozialkredit-System nach 300 Kategorien bewertet, darunter „Umweltschutz“, „Steuer“, „Qualitätsmanagement“, „Datentransfer“ oder „Arbeitsschutz“. Für ausländische Unternehmen, die in China Business betreiben wollen, bedeutet die Recherche dazu eine Menge Arbeit. Unternehmen, die hier schlecht abschneiden, finden sich auf „schwarzen Listen“ wieder. Dadurch werden zum Beispiel Strafzahlungen fällig oder Subventionen werden nicht genehmigt. In letzter Konsequenz behält sich die chinesische Regierung vor, Unternehmen zu schließen.

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Blacklists sind für Unternehmen in China nichts grundsätzlich Neues, sondern existieren bereits seit vielen Jahren. Neu ist dagegen, dass mit der Einführung des Sozialkredit-Systems für alle offensichtlich sein wird, welche Unternehmen bei den Behörden ein geringes Vertrauen genießen – ein Schritt, der von vielen Unternehmen und auch von Chinas Bevölkerung überwiegend positiv aufgenommen wird.

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Gesetze werden von Region zu Region unterschiedlich ausgelegt

Einer der Hauptunterschiede zwischen dem chinesischen Geschäftsumfeld und dem der wichtigsten Länder in Nordamerika und Europa ist die Funktion des Rechts. Gerade beim Sozialkredit-System spielt diese Tatsache eine wichtige Rolle.

In westlichen Ländern müssen sich Regierung und Privatpersonen an das Gesetz halten. In China hängt die Einhaltung des Gesetzes in der Regel viel stärker von der Bereitschaft der Behörden und der individuellen Auslegung ab, was häufig zu Abweichungen in der Praxis auf Provinzebene oder auf kommunaler Ebene führt. Dies eröffnet Unternehmen zahlreiche Freiräume, aber kann auch zu Hindernissen führen.

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Viele Unternehmen sorgen sich darum, dass aufgrund des Sozialkredit-Systems ein einfacher Verstoß erhebliche Konsequenzen haben kann und Firmen, die in Gegenden aktiv sind, wo Behörden Vergehen weniger strikt ahnden, Vorteile gegenüber Konkurrenten haben. Es gibt die Befürchtung, dass im Zuge des Handelskriegs mit westlichen Ländern für einige besondere Nachteile entstehen könnten, wenn regionale Behörden von der Zentralregierung dazu aufgerufen werden, Unternehmen aus bestimmten Ländern besonders streng zu beurteilen und andere großzügiger zu behandeln.

Langfristig gesehen bringt das Sozialkredit-System viele Vorteile

Die Zeit eilt: Bereits zum Jahreswechsel von 2019 zu 2020 sollten sich alle Unternehmen auf den neuesten Stand gebracht haben, um von den neuen Regelungen profitieren zu können.
Für einheimische Unternehmen ist es schwierig, sich in das komplexe Regelwerk des Sozialkredit-Systems einzuarbeiten und auch ausländische Unternehmen sehen sich aufgrund der sprachlichen und kulturellen Barrieren mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert.

Die EU-Handelskammer geht jedoch davon aus, dass mittel- und langfristig gesehen sehr viele Unternehmen davon profitieren werden, zum Beispiel indem sie für vorbildliche Umweltstandards belohnt werden. Sie sollten sich ihre Mitarbeiter und deren Social Credit genauer anschauen und auch auf das Ranking ihrer Zulieferer und Kunden achten. So ist davon auszugehen, dass für viele Unternehmen das Sozialkredit-System nicht zur Gefahr wird, sondern die Vorteile eindeutig überwiegen.

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Kommentare (2)

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Titus von Unhold

Ja, geil. Erst das Fressen, dann die Moral. Eigentlich sollte man als Unternehmen jeden Cent aus China abziehen und das Land für die Misshandlung der Uiguren in Konzentrationslagern[1] sanktionieren.

1: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika-china-sperrt-muslime-in-konzentrationslager-16170188.html

Stephan Mayer

Ich halte mich seit acht Jahren regelmäßig ein Großteil des Jahres in China auf und habe geschäftlich und auch privat viele Freunde in China. Unter Boykotten und Sanktionen leiden kleine Gewerbetreibende immer besonders stark. Wenn man was erreichen möchte, sollte man versuchen, mit den Menschen dort in Dialog zu treten und ein Milliardenvolk kollektiv bestrafen wollen. China ist ein Land mit vielen Problemen, aber auch mit einer rasant wachsenden Mittelschicht und Millionen von kreativen jungen Leuten, die in Incubatoren und Startup-Zentren tüfteln. Nicht nur in den Mega-Metropolen, sondern auch in der Stadt, wo ich lebe:
https://socialmedia-blog.net/china/high-tech-incubator-unis-zukunft/

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