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#Blizzardboycott: Chinas Zensur ist auf deinem Handy angekommen

Twitter-Nutzer protestieren gegen Activision Blizzard. (Grafik: CunderscoreT)

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Neben Apple beugen sich auch Activision Blizzard, Tiktok und die NBA den Wünschen Pekings. Nur Southpark nimmt es mit (bissigem) Humor.


Es dauerte nicht lang, bis der Hongkonger Hearthstone-Spieler Chung Ng Wai zu spüren bekam, was man bei als Spieler bei Activision Blizzard sagen darf und was nicht: In einem Interview nach einem taiwanesischen Stream rief Chung „Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit“ in die Kamera. Der als „Blitzchung“ bekannte professionelle Spieler trug dabei Gasmaske und Skibrille, die Symbole des Hongkonger Protests.

Der Spielekonzern Activision Blizzard sperrte Chung Ng Wai daraufhin für ein Jahr und behielt Preisgelder von rund 14.000 Euro ein. Blizzard rechtfertigte die Reaktion damit, dass es Spielern verboten sei, ein „öffentliches Ärgernis (engl. public disrepute) zu erzeugen, eine Gruppe zu beleidigen oder sonstwie dem Image der Firma zu schaden.“

Tencent gehören 5 Prozent an Activision Blizzard

Activision Blizzard verdiente in der Region Asien und Pazifik im zweiten Quartal 2019 173 Millionen US-Dollar und damit zwölf Prozent des weltweiten Gewinns. Außerdem gehören fünf Prozent des Unternehmens dem chinesischen Konglomerat Tencent.

Twitter-Nutzer protestieren gegen Activision Blizzard ... (Grafik: CunderscoreT)

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Der Ärger der Blizzard-Fans über die Reaktion brach sich auf Twitter in Form von Screenshots und Memes Bahn. Einige Fans vermischten die chinesische Flagge und Blizzard-Symbole, andere wollen dafür sorgen, dass die Figur Mei des Blizzard-Spiels Overwatch zu einem Symbol des Protests in Hongkong wird – und Overwatch damit in China verboten. Andere drohten, Activision Blizzard mit DSGVO-Anfragen zu überhäufen. Ein Twitter-Nutzer postete eine Szene aus Warcraft, die an das ikonische Bild des Tank-Man auf dem Tiananmen-Platz erinnert.

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In der Blizzard-Zentrale im kalifornischen Irving überdeckte daraufhin jemand den Slogan „Jede Stimme zählt“ mit einem Blatt Papier.

In Apples iOS 13.2 Update verschwand die taiwanesische Flagge

Activision Blizzard ist damit aber nur einer von vielen Tech-Konzernen, die chinesische Zensur international umsetzen: Im neusten iOS Update, das Apple international ausrollte und das damit auch auf vielen iPhones in Deutschland läuft, verschwindet das Emoji der taiwanesischen Flagge – zumindest wenn man eine chinesische Sim-Karte einlegt.

Chinas Kommunistische Partei besteht international darauf, dass Taiwan chinesisches Territorium ist. Die Flagge Taiwans ist in China verboten.

App der Hongkonger Proteste aus dem Store gelöscht

Bis vor kurzem gab es in Apples App-Store auch noch eine spezielle Karten-App der Protestierenden in Hongkong – bei hkmap.live konnten Hongkonger melden und nachschauen, wo gerade Tränengas durch die Straßen wehte und Polizei steht. Nach scharfer Kritik Chinas löschte Apple die App jetzt aus dem Store. „Diese App verstößt gegen unsere Richtlinien und lokale Gesetze, und wir haben sie aus dem App-Store entfernt“, kommentierte Apple den Vorgang.

Auch die NBA knickt ein, wenn China Druck macht

Apple und Activision Blizzard sind aber nur zwei von drei Firmen, die diese Woche öffentlich unter chinesischem Druck eingeknickt sind: Daryl Morey, ein Manager der amerikanischen Basketballmannschaft Houston Rockets, hatte auf Twitter laut Presseberichten „Fight for Freedom. Stand with Hong Kong.“ gepostet. („Kämpft für die Freiheit. Steht mit Hongkong.“) Nachdem das chinesische Konsulat in Houston sich einschaltete, löschte Morey den Tweet und entschuldigte sich.

Nur Southpark verliert den Humor nicht

Passend zu der Kontroverse veröffentlichten die Macher der Serie Southpark  eine Episode mit dem Titel „Verboten in China“. Der Charakter Randy Marsh landet dabei in einem chinesischen Gefängnis, wo er beobachtet, wie anderen Gefangenen in den Kopf geschossen wird. Die Zeichentrickfiguren Pu der Bär und Ferkel sind auch dort inhaftiert.

Nachdem die Episode auf chinesischen Streaming-Portalen blockiert wurde, posteten die Southpark-Macher eine Szene auf Twitter, in der ein Charakter sagt: „Man muss seine Ideale senken, wenn man an der warmen Zitze Chinas nuckeln will.“

Kurz darauf erschien noch eine ironische Entschuldigung. Mit dem Text: „Wie die NBA heißen wir die chinesischen Zensoren in unserem Haus und unserem Herzen willkommen. Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit und Demokratie.“

Siemens’ Joe Kaeser: „Interessenslagen, die China destabilisieren“

Auch die traditionelle deutsche Industrie scheint auf Chinas Sicht der Dinge einzuschwenken. Siemens-Chef Joe Kaeser ist eigentlich eher für seine klare Kante bekannt. Als er bei einem Besuch Chinas von einem Reporter der Bild-Zeitung nach den Protesten in Hongkong gefragt wurde, sagte Kaeser, er hätte „das Gefühl, dass es da Interessenslagen geben könnte, die China destabilisieren sollen.“ Die deutsche Wirtschaft würde nicht hundertprozentig verstehen, wie die Dinge in Hongkong wirklich sind. „Neben den Demonstranten, die für ihre Rechte eintreten, sehe ich im Fernsehen auch Pflastersteine und Brandsätze, die da geworfen werden. Fest steht, dass in Hongkong Hunderte deutsche Firmen sind und wir dort Stabilität brauchen.“ Joe Kaesers Antwort ist näher an der Linie Pekings als an der von Angela Merkel, mit der er zusammen nach Peking geflogen war.

Auf Tiktok ist Hongkong ruhig …

In Technologie, die von chinesischen Herstellern kommt, können Pekings Regeln schon vorsorglich eingebaut werden: Im September stellten Journalisten bei der amerikanischen Zeitung Washington Post fest, dass die Proteste in Hongkong auf der chinesischen App Tiktok so gut wie gar nicht vorkamen. Das war zumindest ungewöhnlich, da auf vielen anderen Plattformen wie Twitter und Youtube etliche Posts und Videos zu Protesten in Hongkong zu finden waren.

… und Posts zum Tiananmen-Platz sollten zensiert werden

Ende September fielen der britischen Zeitung Guardian dazu die Moderationsrichtlinien von Tiktok in die Hände. Tatsächlich waren Moderatoren der App dazu aufgerufen, Videos der Nutzer zu zensieren, wenn sie von kritischen Themen wie dem Tiananmen-Platz, der Unabhängigkeit Tibets oder der Sekte Falun Gong handelten.

Der Hongkonger Hearthstone-Spieler Chung Ng Wai hingegen zeigte sich wenig beeindruckt von der Reaktion Activision Blizzards auf seinen Ruf nach Freiheit. „Was ich mit Hearthstone verloren habe, sind vier Jahre Zeit“, sagte er mit Blick auf seine Hearthstone-Karriere. „Aber wenn Hongkong verliert, wäre das eine Angelegenheit für eine Lebenszeit.“

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2 Kommentare
Jürgen Kalnbach
Jürgen Kalnbach

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Ludger Derjue
Ludger Derjue

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