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Porträt

Die unbekannte Slack-Alternative aus Deutschland mit 500.000 Nutzern

Circuit ist eine Slack-Alternative aus Deutschland. (Foto: Circuit)

Circuit will sich als deutsche Slack-Alternative etablieren. Die Argumente: Besonderer Datenschutz und eine Selfhosting-Option. Ein Großkonzern setzt bereits auf die Software.

Es gab mal Zeiten, da hat Siemens noch richtig viel Geld mit dem Verkauf von Telefonanlagen verdient. 3,2 Milliarden Euro Umsatz erzielte die entsprechende Konzernsparte noch 2008. Doch das war einmal. Spätestens mit dem Erfolg des iPhones und der wachsenden Verbreitung softwarebasierter Kommunikationslösungen setzte bei Siemens Enterprise Communications, das inzwischen Unify heißt, der wirtschaftliche Niedergang ein. Die Verluste stiegen von Jahr zu Jahr, ein angedachter Börsengang scheiterte.

„Lieber kannibalisieren wir uns selbst, als das unserer Konkurrenz zu überlassen“

In den Köpfen der Manager musste also ein Umdenken stattfinden. „Innovation und Veränderung passieren, ob man will oder nicht“, sagt Philipp Bohn, Chef der Softwaresparte bei Unify, heute. „Cloud ist Realität, unsere Kunden und ihre Mitarbeiter sind zunehmend mobil und arbeiten in virtuellen Teams. Sie verlangen die monatliche Abrechnung flexibler Dienste.“

So sieht das Interface von Circuit aus. (Screenshot: t3n.de)

Tatenlos zusehen aber wollte Unify den Wettbewerbern aus den USA nicht. „Darum haben wir entschieden, uns lieber selbst zu kannibalisieren, als das unserer Konkurrenz zu überlassen“, sagt Bohn rückblickend. Unify besann sich daraufhin auf das Know-how aus dem Bau von Telefonanlagen und entwickelte über die Jahre eine eigene Kollaborationssoftware für Teams: Circuit.

Circuit will besser sein als Slack

Noch nie gehört? So geht es vielen. Zumal Circuit auf den ersten Blick nicht mehr bietet als die bereits bestehenden Lösungen auf dem Markt. Die Zusammenarbeit zwischen Teammitgliedern erfolgt plattformübergreifend über Chat, Dateien können während der Konversation ausgetauscht und Nachrichten zurückverfolgt werden. Technisch basiert Circuit auf webRTC, einem offenen Kommunikationsstandard, den Google ursprünglich 2011 zur Nutzung freigab. Dessen Vorteile habe man bei Unify schnell erkannt. „Dass sich webRTC auch im Unternehmensumfeld durchsetzt, haben wir recht früh vermutet und voll darauf gesetzt“, sagt Bohn.

Optisch sind die Ähnlichkeiten von Circuit aber vor allem mit Slack unverkennbar. Wie das US-Startup setzt die deutsche Software auf ein vergleichsweise buntes Interface und unterstützt – konzernuntypisch – sogar Emojis. „Eine gewisse Ähnlichkeit an Funktionen und Design zeigt sich bei allen Team Collaboration-Tools und damit auch zwischen Circuit und Slack“ gesteht Bohn. Allerdings könne Circuit mit einigen Besonderheiten punkten, die das US-Startup nicht biete.

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8 Reaktionen
Philipp Bohn

Ich kann natürlich nichts zur journalistischen Arbeit sagen, und es gibt auch viele Artikel über Mattermost, in denen Circuit nicht erwähnt wird.

Die Selbsthosting-Variante für Circuit ist eher für sehr große Unternehmen gedacht, von daher konkurrieren wir in diesem Segment gar nicht umbedingt.

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Matthias

Warum wird denn in dem Artikel mit keiner Silbe mattermost angesprochen?

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Alexander Langguth

Genau dasselbe wollte ich auch gerade fragen. Zumal ja viele Firmen und Startups ohnehin schon einen selbst gehosteten Gitlab server haben der mattermost bereits beinhaltet und nur darauf wartet gestartet zu werden.

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Philipp Bohn

Hier nochmal im Kontext gepostet:

Ich kann natürlich nichts zur journalistischen Arbeit sagen, und es gibt auch viele Artikel über Mattermost, in denen Circuit nicht erwähnt wird.

Die Selbsthosting-Variante für Circuit ist vor allem eher für sehr große Unternehmen gedacht, von daher konkurrieren wir in diesem Segment gar nicht umbedingt.

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Reiner Knudsen

Man sollte erwähnen, dass Circuit den Dienst in Safari verweigert. Das ist schon ärgerlich.

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Philipp Bohn

Hallo Reiner, wir nutzen webRTC als Standard für Sprach- und Videokommunikation sowie Screensharing und sind daher auf die technische Unterstützung der Browser-Anbieter angewiesen, also auch bei Safari. Wir freuen uns, dass Safari 11 webRTC nun grundsätzlich unterstützen wird: https://developer.apple.com/library/content/releasenotes/General/WhatsNewInSafari/Safari_11_0/Safari_11_0.html

Wir schauen uns gerade an, was das für Circuit bedeutet. Vor allem bezüglich der implementierten Videocodecs gibt es noch offene Fragen. Im Gegensatz zu Microsoft Edge unterstützt Safari offenbar nicht die V8 Implementierung.

Mac-Nutzer können natürlich jederzeit unsere Desktop-App oder Chrome und Firefox verwenden.

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Markus Engelhardt

Siemens verwendet Circuit, das stimmt, die Zufriedenheit damit fällt allerdings sehr niedrig aus.
Erst heute konnte ein großes, wichtiges Meeting bei uns mit 20-30 Beteiligten weltweit, nicht stattfinden, einfach weil Circuit mal wieder nicht ging.

Ein Chat Client, der von Haus aus nicht mal blinken kann, wenn eine Nachricht reinkommt, ist für mich ungefähr so praktisch wie eine Tür ohne Griff.

Bei großen Circuit Meetings wird unser ganzes Netz lahmgelegt im Haus, man kann nicht mal die History seines Chatverlaufs aufräumen und es ist unzuverlässig und fehleranfällig, manchmal geht es, manchmal nicht.

Der einzige Grund, warum Siemens Circuit eingeführt hat ist vermutlich, weil Siemens Teilhaber von ATOS ist und die haben das Tool ja verbrochen. Technisch kann das hier bei un si der IT wirklich niemand verstehen.

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Jürgen Schulze

Danke für die Hinweise. ATOS war das Keyword.

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