Glosse

Cohns fabelhafte digitale Welt oder: Unsere digitale Zukunft, nur ein Traum?

(Bild: t3n)
Lesezeit: 2 Min.
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Oder: „Ich heb ab …“. Wie einen die digitale Zukunft bis in die Träume verfolgen kann.

Heute Nacht hatte ich einen Albtraum, ich träumte, ich wäre am Flughafen, um nach Berlin zu fliegen. Die Ankunft, völlig normal, ein drängelnder Menschenstrom, der Check-in unauffällig, in der Sicherheit weiter keine Vorfälle, außer, dass alles vollautomatisch ablief, kein Security-Beamter war da. Auch hier alles soweit bestens.

Doch kaum betrete ich die Zone mit den Gates, sind die Bordkarte und mein Handgepäck, da habe ich immer meine Ausweise drin, weg! Einfach verschwunden! Panik steigt in mir auf, ich renne zum nächsten Gate, nur ein dunkelgelber Automat mit einem Display: Legen Sie bitte Ihre Bordkarte auf.

„Legen Sie bitte Ihre Bordkarte auf“

Ich renne weiter, nächstes Gate, wieder, kein Mensch, nur ein Display: Legen Sie bitte Ihre Bordkarte auf!

Ich renne weiter, vorbei an den ganzen Shops und Läden, aber nirgendwo ein Mensch vom Flughafen. Endlich komme ich zum Lufthansa-Schalter – leer, nur freundliche dunkelgelb gerahmte Displays: Legen Sie bitte Ihre Bordkarte auf …

Fast fertig!

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Doch halt, beim letzten Schalter sitzt ein Mensch, davor eine Schlange, ich stelle mich artig an und warte. Und warte. Und warte … Die Boarding- und Abflugzeit rückt unaufhaltsam näher. Zwei Damen haben ein größeres Problem, das dauert und dauert und dauert, inzwischen bin ich schweißgebadet und am Ende meiner Nerven, noch fünf Minuten bis zum Boarding.

Endlich bin ich dran, meine Hoffnung, der Mitarbeiter würde mich aus dem Fernsehen erkennen und damit identifizieren können, zerschlägt sich, es ist ein freundlich lächelnder Holländer, der noch nie etwas vom Neomagazin oder von Roche und Böhmermann gehört hat. Hektisch und außer Puste erzähle ich mein Problem, der Mann ist die Ruhe selbst, schließlich (den Rudi-Carrell-Akzent müssen Sie sich jetzt selber vorstellen): „Da muss ich meine Vorgesetzten fragen gehen.“ Sprachs, schließt den Schalter zu, nimmt seine Sachen und verschwindet.

Warten …

Ich stehe da und warte. Das Boarding ist schon fast vorbei. Der Holländer kommt nicht wieder. Das Boarding ist vorbei! Nichts! Durchs Fenster sehe ich, wie meine Maschine auf das Rollfeld geschoben wird. Immer noch niemand. Ich renne wieder los. Und wieder immer nur freundlich bläulich lächelnde Displays: Legen Sie bitte Ihre Bordkarte auf.

Schließlich, nachdem ich durch den ganzen Flughafen von einem Ende zum anderen und wieder zurück gerannt bin, breche ich in der Mitte der großen Halle zusammen und brülle: „Hilfe!“

Sofort bin ich von einem immer größer werdenden Kreis von Fluggästen umringt, aber kein Mensch vom Flughafen ist da. Noch einmal brülle ich mit letzter Kraft: „Hilfe!“ Und erwache völlig aufgelöst von meinem eigenen Geschrei.

Und die Moral von der Geschicht? Buche niemals vor dem Schlafengehen bei Lufthansa kein Onlineticket nicht!

Was unsere fabelhafte digitale Welt sonst noch an Überraschungen für William Cohn bereithält, lest ihr hier.

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Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Patrick Palmowski
Patrick Palmowski

Ja tatsächlich eine Horrorvorstellung, sehr schön geschrieben.
Aber um dir Waffen zu geben falls es zu einem wiederkehrendem Traum wird..
Bis unsere Gesellschafft so digitalisiert ist und der letzte Tageslichtprojektor verschwindet werden von Entwicklern genügend Use-Cases und Szenarios durchgegangen sein und entsprechende Redundanzen entwickelt.
Sei es nun Iris-Scan, Fingerabdruck für die Identifizierung deiner Person….

vg Patrick

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