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Interview

Mehr als nur ein Hype: „Coworking wirkt“

(Foto: Hegemann)

Tobias Kremkau ist Coworking-Manager im St. Oberholz in Berlin und Mitgründer des Insitituts für Neue Arbeit (IfNA). Er kam mehr zufällig mit Coworking in Berührung – und war angefixt. Nach einer Recherchereise durch Europa kennt er die hiesige Szene besser als die meisten anderen.

t3n: Herr Kremkau, Sie gelten als Coworking-Experte. Wie wird man das? Coworking ist ja gerade ein Hype, aber noch kein Studienfach …

Tobias Kremkau: Stimmt, das kann man nicht studieren. Angefangen hat bei mir alles mit einem Zufall: Ich war 2014 mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau in Brügge im Urlaub. Damals war ich Redaktionsleiter bei den Netzpiloten, ein Blog rund um Netzpolitik. Gleich am ersten Urlaubstag rief mich die Redaktion an: Meine Vertretung war erkrankt und es drohte, das Chaos auszubrechen. Ich brauchte also WLAN und einen Arbeitsplatz, um zumindest einige Stunden am Tag die Arbeit zu organisieren. Ich fand tatsächlich einen Coworking-Space in Brügge …

t3n: Ernsthaft? Dort gab es 2014 schon einen Coworking-Space?

Ja, und das hat mich auch überrascht. Ich habe also die Betreiberin gefragt: Wer nutzt denn hier einen Coworking-Space? Und ihre Antwort war: Männer, die hier mit ihrer Familie Urlaub machen und zu Hause die Arbeit wegorganisieren müssen.

t3n: So wie Sie also?

Ja. Und das hat Lust auf mehr gemacht. Meine Frau und ich haben damals gemerkt, dass wir eigentlich nicht mehr Urlaub brauchen, sondern lieber reisen und arbeiten verbinden würden – und dass das offenbar geht. Das hat uns neugierig gemacht, sodass wir im Sommer 2015 für zwei Monate durch Europa gereist sind: Zwei Monate von Barcelona nach Stockholm, und dabei haben wir jeden Tag in einem anderen Coworking-Space gearbeitet.

t3n: Sie waren damals aber doch fest angestellt, oder?

Meinem Chef habe ich das nicht gesagt. Ich habe ja auch in Berlin in Coworking-Spaces gearbeitet. Von daher ist es eigentlich egal, wo ich arbeite. Ich werde auch nicht für Anwesenheit, sondern für Leistung bezahlt.

t3n: Und Ihr Chef hat nichts gemerkt?

Ich habe das sehr ernst genommen, beispielsweise wenn wir gerade reisten und die Frage aufkam, ob es am Flughafen WLAN gibt. Aber es hat geklappt – und mein Chef hat erst nach sieben Wochen gemerkt, dass ich nicht in Berlin bin.

t3n: Haben Sie tatsächlich überall einen Space gefunden?

Einmal wurde es knapp, in Mailand an einem hohen Feiertag: Alles hatte geschlossen, auch die Coworking-Spaces. Im Blog einer digitalen Nomadin habe ich Tipps für Orte mit WLAN in Mailand gefunden, sodass wir schließlich den ganzen Tag in einer Bar saßen, die schon um 9 Uhr morgens geöffnet hatte. Das war sehr lustig, weil in der Bar nicht viel los war und die Barkeeper die ganze Zeit geübt haben, elegant Cocktails zu mischen.

t3n: Und nach dieser Reise waren Sie Coworking-Experte?

Ich war die einzige Person, die einen Überblick über die Coworking-Szene in Europa hatte. Ich habe nämlich auch jeden Anbieter interviewt, und das Spannende ist: Sie waren alle verschieden. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass jeder einmal in seinem Leben Berührung mit irgendeiner Open-Idee hatte. Offenheit war das der einzige gemeinsame Nenner. Aber ich war nicht nur Experte, ich war auch süchtig geworden. Mit diesen Leuten zu reden, das macht süchtig. Freelancer sind so selbstbestimmt, sie haben ein ganz anderes Mindset als der typische Angestellte.

t3n: Wieso haben Sie sich danach denn nicht selbständig gemacht?

Ich bin nicht der Gründertyp, aber ich wollte unbedingt in diesem Bereich arbeiten. Ich habe nach meiner Rückkehr im St. Oberholz angerufen und gesagt: Ich will euer Coworking-Manager werden. Das hat geklappt: Das bin ich seit Ende 2015. Und wir haben neben dem Coworking-Space selbst auch noch ein Beratungsgeschäft aufgebaut, denn wir haben gespürt: Das Thema kommt.

t3n: Wie haben Sie das gespürt?

Zum einen habe ich nach meiner Reise selbst Anfragen für Beratung bekommen, beispielsweise von einer großen Hotelkette, andererseits hatte das St. Oberholz schon immer Anfragen für Beratungen. Vor rund zwei Jahren wuchs die Nachfrage dann aber rasant. Zudem nahm der Bedarf nach Vorträgen und Wissensvermittlung für das Thema Coworking und neue Arbeit zu. 2015 war das Thema noch Underground, aber man merkte, es wird die Zukunft.

t3n: Bei Coworking geht es aber doch um Freiberufler und Startups. Was wollen eingesessene Unternehmen damit?

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