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So setzen Dax-Konzerne künstliche Intelligenz ein

Auch Daimler setzt den Fokus auf künstliche Intelligenz. (Foto: dpa)

Künstliche Intelligenz (KI) steht bei großen Dax-Konzernen ganz oben auf der Agenda. Den Vorbehalten gegenüber der Technologie versuchen sie mit Beschwichtigungen zu begegnen. Am Ende wird KI vermutlich trotzdem Arbeitsplätze kosten – doch die Technologie deshalb abzulehnen, wäre die schlechteste mögliche Reaktion. Experten sehen schon den deutschen Mittelstand in Gefahr.

Ein 60 Meter hohes Riesenrad soll die Zukunft eines intelligenten Unternehmens visualisieren. Kameras und Sensoren messen die Anzahl der Gäste, die Höhe der Gondeln und die Temperatur. Das Riesenrad hat SAP aufgebaut – es ist das optische Highlight der Cebit 2018 in Hannover. Laut dem deutschen Softwarekonzern repräsentiert es die Zukunft der Branche: Das personalisierte Kundenerlebnis. Automatisierte Prozesse stehen demnach im Mittelpunkt.

Künstliche Intelligenz ist der aktuelle Hype-Begriff, der längst nicht nur die Tech-Branche beschäftigt. Sämtliche großen Unternehmen loten die Möglichkeiten der Technologie aus. Das Versprechen: schnellere, effizientere Prozesse, mehr Umsatz, eine bessere Risikoabwägung. Experten sind sich einig: Die kritischen Geschäftsprozesse sollten besser heute als morgen mit KI optimiert werden. Je früher die Algorithmen mit Trainingsdaten gefüttert werden, desto schneller kommen Unternehmen zu besseren Ergebnissen.

Tempo ist wichtig, denn Fachkreise warnen: Insbesondere das englischsprachige Ausland und Asien ist mit der Entwicklung schon viel weiter. In Deutschland hingegen kommt bei dem Thema Angst auf. Angst davor, von einer Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden. Wir haben uns unter den großen Dax-Konzernen umgehört und wollten wissen, welche KI nutzen, wie die Technologie eingesetzt wird und welche Rolle der Mensch überhaupt noch spielt.

Der intelligente Freizeitpark auf der Cebit

Doch zurück zur Cebit: Unter dem Motto „intelligenter Freizeitpark“ veranschaulichte SAP nicht nur die Möglichkeiten von Digitalisierung, sondern auch wie KI in Unternehmen eingesetzt werden kann. Neben dem personalisierten Kundenerlebnis wird mit dem Riesenrad auch das Thema vorausschauende Wartung veranschaulicht.

Das 60 Meter hohe SAP-Riesenrad auf der Cebit 2018 in Hannover. (Foto: dpa)

Die Technologien basieren auch auf Machine Learning (ML), dem derzeit vielversprechendsten Ansatz der künstlichen Intelligenz. So stellte SAP ein Szenario vor, in dem das System durch aktuell gesammelte Daten Besucherströme steuern kann: Dafür soll die Anzahl der Gäste bei den verschiedenen Attraktionen gemessen werden, um die Wartezeit für neue Besucher bestimmen zu können. ML kann nun auf der Grundlage dieser Daten, den getroffenen Entscheidungen und den dadurch entstehenden Folgen lernen und in Zukunft auf gewisse Szenarien besser reagieren. Das Ziel: Die Gäste sollen so kurz wie möglich warten.

KI holt mehr aus Mitarbeitern raus

Auch wenn das nur ein Modell ist, zeigt es dennoch die innovativen Chancen, die künstliche Intelligenz den Unternehmen bietet. Das obige Szenario zeigt auch, dass Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz nicht zwangsweise Arbeitskräfte ersetzen muss. So sei „eines der Kernprinzipien der SAP, nicht den Menschen wegzurationalisieren, sondern einzelne Tätigkeiten zu automatisieren“, sagt Sebastian Wieczorek, Head of Leonardo Machine Learning Foundation bei SAP. „Die Mitarbeiter höherwertiger einsetzen, das ist das Ziel“, bestätigt SAP-Sprecher Daniel Reinhardt. Beide sprechen damit eine häufig einhergehende Angst an, wenn es um den Einsatz von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz geht.

„Kollegen im Kundensupport nicht in erster Linie dafür da sein, dir deinen aktuellen Kontostand zu sagen.“

So wird im Marketing beispielsweise eine Software verwendet, die urheberrechtlich geschützte Bilder identifiziert und mithilfe von Objekterkennung alternativ verwendbares Bildmaterial aus der internen Medienbibliothek vorschlägt. Bei der Verhandlung von Verträgen nutzt SAP Texterkennung, um den Text auf mögliche Änderungen zu prüfen. Während früher der gesamte Text von einem Menschen durchgelesen werden musste, kann dies heute eine künstliche Intelligenz übernehmen. Insgesamt verschieben sich laut SAP so die Tätigkeitsfelder der Mitarbeiter. Nicht anspruchsvolle, repetitive Arbeit macht Platz für abwechslungsreichere und kreativere Aufgaben. So sollten „Kollegen im Kundensupport nicht in erster Linie dafür da sein, dir deinen aktuellen Kontostand zu sagen, sondern dem Kunden einen Mehrwert zu liefern“, sagt Wieczorek von SAP.

Auch andere Dax-Unternehmen beeilen sich zu versichern, dass die KI bei ihnen menschliche Arbeit nicht ersetzen, sondern ergänzen soll – zumindest ist das auch das Ziel von Daimler. So stehe der Mitarbeiter weiterhin im Mittelpunkt, schreibt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Konkret vernetzt der Automobilkonzern in der Produktion die Maschinen miteinander und sammelt mithilfe von Sensoren große Menge Daten. Für deren Auswertung wird letztlich künstliche Intelligenz eingesetzt. Die soll jedoch nur ein Werkzeug für die Mitarbeiter sein.

Daimler legte auf dem Mobile World Congress 2018 den Fokus auf künstliche Intelligenz. (Foto: Daimler)

Der Konzern will die Produktion aber bewusst nicht vollständig automatisieren. Vielmehr soll es eine „intelligente Arbeitsteilung“ zwischen Mensch und Maschine geben. Künstliche Intelligenz soll genau an dieser Schnittstelle eingesetzt werden: bei der Maschinenbedienung und der Auswertung der gesammelten Daten. Die endgültigen Entscheidungen werden weiterhin dem Menschen überlassen.

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