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So setzen Dax-Konzerne künstliche Intelligenz ein

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Künstliche Intelligenz soll Mitarbeiter nicht vor die Tür setzen

Auch die Deutsche Telekom ist sich der Angst bewusst mit der viele die neue Technologie betrachten. Sie hat daher Leitlinien zum Einsatz von künstlicher Intelligenz aufgestellt. Wie die anderen Dax-Konzerne betont die Telekom, KI solle den Menschen unterstützen und seine Fähigkeiten erweitern und  ihn weder einschränken noch ersetzen. In den weiteren Punkten spricht die Telekom von Transparenz, Sicherheit und Verantwortung. Außerdem stehe der Kunde stets im Mittelpunkt, dessen Leben mit künstlicher Intelligenz vereinfacht und bereichert werden solle.

Auto-Zulieferer Continental setzt beim Thema KI auf Zusammenarbeit mit Forschern. Conti ist kürzlich eine Kooperation mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) eingegangen und investiert darüber hinaus in eine Zusammenarbeit mit Nvidia und mehreren Universitäten. So setzt der Automobilzulieferer auf KI-basierte Werkzeuge sowie die Bestimmung des Materialbedarfs mithilfe von Machine Learning. KI ist die Grundlage für derzeitige Forschungen am autonomen Fahren, an dem neben den Herstellern auch Zulieferer wie Conti forschen.

2020 will Continental Kameras in Serie produzieren, die bei der Objekterkennung auf neuronale Netze setzen. (Grafik: Continental)

2020 will Continental Kameras in Serie produzieren, die bei der Objekterkennung auf neuronale Netze setzen. (Grafik: Continental)

Conti ist ebenfalls bemüht, den Eindruck von KI als Arbeitsplatzvernichter zu vermeiden: „KI soll unsere Mitarbeiter in ihrer Arbeit unterstützen und ihnen neue Werkzeuge an die Hand geben“, wird Kurt Lehmann, Corporate Technology Officer bei dem Konzern, in einer Mitteilung zitiert.

Deloitte: Künstliche Intelligenz wird Arbeitsplätze kosten

Doch Experten widersprechen. „Tätigkeiten, die sich automatisieren lassen, werden früher oder später auch automatisiert“, sagt KI-Experte Martin Hellmich von der Unternehmensberatung Deloitte. Zwar entstehen dem Experten zufolge auch neue Arbeitsplätze – aber weniger als alte wegfallen: „Aus heutiger Sicht werden in den nächsten zehn Jahren mehr Arbeitsplätze ersetzt werden.“ Dass es noch nicht soweit ist, liegt seiner Einschätzung nach vor allem an technischen Unzulänglichkeiten: Künstliche Intelligenzen seien noch lange nicht ausgereift und einige Systeme kämpften mit hohen Fehlerraten. „Aktuell benötigen wir noch hohes Maß an menschlicher Arbeit.“

Bisherige Lösungen, mit denen KI-Software entwickelt werden kann, stecken noch in den Kinderschuhen, sagt auch KI-Experte Alexander Linden, Research Vice President bei Gartner. Ein großes Problem sei aber auch der Arbeitsmarkt. So wissen viele Unternehmen noch nicht, wie sie sich in dem Bereich aufstellen sollen. Es fehle vor allem an Schnittstellenspezialisten, die zwischen der Geschäftsproblematik, der IT und der Mathematik – wie sich aus Daten Wissen herleiten lässt – kommunizieren können. Für diese Berufsgruppe fehlt aktuell sogar noch der Name.

Dax-Konzerne setzen auf KI – doch der Mittelstand droht den Anschluss zu verpassen

Den größeren Konzernen in Deutschland ist dennoch längst bewusst, wie wichtig künstliche Intelligenz und Machine Learning für die Zukunft sind. So haben alle großen Unternehmen häufig bereits eigene Entwickler-Teams, die sich auf KI-Lösungen fokussieren. „Die großen Unternehmen in Europa oder auch in Deutschland tun sich eigentlich nichts. Daimler, Deutsche Bank, Siemens haben hervorragende und auch große Abteilungen“, sagt Linden.

Der intelligente Chatbot der Telekom steckt noch in der Beta-Phase. (Screenshot: t3n.de)

Der intelligente Chatbot der Telekom steckt noch in der Beta-Phase. (Screenshot: t3n.de)

Auch die Telekom arbeitet mit eigenen Entwickler-Teams an KI- und ML-Technologien im Bereich Vertrieb, Marketing und Kundenservice. Die meisten Projekte befassen sich dabei mit der Optimierung von internen Prozessen.

Während im Kundenservice beispielsweise ein intelligenter Chatbot zum Einsatz kommt, hat die Telekom auch ein System zur Wartungsvorhersage ins Leben gerufen. Mithilfe des von der Telekom vorangetriebenen Netzes NB-IoT und dem Partnerunternehmen BS2-Sicherheitssysteme wurde ein intelligentes Frühwarnsystem entwickelt. So kann auf Basis einer großen Anzahl gesammelter Sensoren-Daten, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Korrosion, eine benötigte Wartung für Gebäude sowie Brücken vorhergesehen werden. Diese Vorhersage kann viel eher getroffen werden, als sie ein Mensch machen könnte. Schäden könnten so reduziert sowie Kosten und Reparaturarbeiten minimiert werden.

Anlagensteuerung in einer Fabrik. Die Zurückhaltung beim Thema KI gefährdet den deutschen Mittelstand, glaubt Gartner. (Foto: dpa)

Sorgen bereitet Linden dagegen die Zurückhaltung des deutschen Mittelstands beim Thema KI. Das Interesse an künstlicher Intelligenz sei bei mittelständischen DACH-Unternehmen aktuell sehr verhalten – vor allem im internationalen Vergleich können die deutschsprachigen Länder nicht mithalten.

„Wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir sehr viele Arbeitsplätze, die wir auch nicht so schnell ersetzen können.“

Denn auch wenn die KI am Ende vermutlich Arbeitsplätze kosten wird, wäre es das Falscheste sie deshalb abzulehnen. Wer heute nicht in KI-Technologie investiert, könnte schon bald den Anschluss verlieren: „Wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir sehr viele Arbeitsplätze, die wir auch nicht so schnell ersetzen können“, warnt Linden – auch weil Deutschland ein rohstoffarmes Land sei.

Gerade im internationalen Vergleich mit den USA, Indien, China oder im europäischen Raum mit England oder Finnland stehen die kleinen und mittleren DACH-Unternehmen nicht gut da. Linden verweist darauf, dass der Einsatz von KI nicht nur die Qualität eines Produktes verbessern, sondern auch die Produktionskosten deutlich senken kann. Wer nicht innerhalb der nächsten Monate auf den Zug aufspringt, werde Probleme haben, auf dem Niveau der Konkurrenz zu bleiben.

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