Die deutschen Mobilfunktarife sind mittelalterlich
Stream-on-Tarif der Deutschen Telekom. Vor dem EuGH kämpft der Konzern gegen die Netzneutralität. (Screenshot: telekom.de/t3n)
Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir immer online sind – durch das Smartphone in der Tasche. Die Zeiten, in denen der Status „online“ ein bewusster Zustand war, sind vorbei – bis sich unser Handy meist kurz vor Monatsende wieder meldet: Das Datenvolumen ist leider wieder einmal aufgebraucht. Ab jetzt ist ganz Deutschland „Edge-Land“, der frustrierende Halbzustand einer Online-Simulation. Das Smartphone tut dann so, als sei es online – in Wirklichkeit dauert es aber gefühlt 20 Minuten, bis mal ein Byte durchkommt. Das ist deutlich schlimmer, als sich einfach damit abzufinden, dass es kein Netz gibt.
O2 stellt Tarife ohne Datenlimitierung in den Mittelpunkt
In den meisten europäischen Ländern sind Mobilfunktarife, die mit lächerlich geringen Datenvolumen von wenigen Gigabyte verkauft werden, zum Glück ein Relikt der Vergangenheit. Oft verzichten die Mobilfunkprovider inzwischen ganz auf ein Datenlimit – eine echte Flatrate eben.
In Deutschland ist es inzwischen immerhin bei O2 soweit: Die Mobilfunkmarke von Telefónica stellte diese Woche drei Tarife ohne Datenlimit in den Mittelpunkt. Gezahlt wird pauschal nach der angebotenen Geschwindigkeit 30, 40 oder 50 Euro im Monat. Der 50-Euro-Tarif ist dabei in der Geschwindigkeit unlimitiert. Auch Telekom und Vodafone bieten zwar Tarife ohne Datenlimitierung an – diese sind im Vergleich sowohl zu O2 als auch zum europäischen Ausland noch immer lächerlich teuer.
Im Mittelpunkt stehen bei Telekom und Vodafone nach wie vor datenlimitierte Tarife – weiterhin droht „Edge-Land.“ Und wie kommen Telekom und Vodafone in Zeiten des allgegenwärtigen Musik- und Video-Streamings mit solchen Tarifen überhaupt noch durch? Indem sie die Netzneutralität verletzen und einzelne Dienste wie Spotify oder Youtube in „Stream on“-Tarifen von der Begrenzung ausnehmen.
Echte Daten-Flatrates statt Verletzung der Netzneutralität
Das schadet dem demokratischen Geist des Internets, in dem jeder Dienste-Anbieter die gleiche Chance haben sollte, sein Angebot über das offene Netz anzubieten. Es sorgt dafür, dass kleinere Konkurrenten und bislang nicht etablierte Startups gegenüber den etablierten Streaming-Anbietern im Nachteil sind.
Statt also weiter – nun vor dem EuGH – gegen die Netzneutralität anzukämpfen, sollte die Telekom lieber dem Beispiel von O2 folgen und zeitgemäße Tarife anbieten. Deutschlands Mobilfunk-Kunden sollten nicht nach Datenvolumen, sondern nach Geschwindigkeit bezahlen. Damit „Edge-Land“ in Deutschland ein für alle Mal Geschichte ist.