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Interview
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DHDL behind the scenes: So werden die Startups ausgewählt

Die Herbststaffel 2022 der „Höhle der Löwen“ läuft, es wird wieder gepitcht, verhandelt und investiert. Aber wonach wird eigentlich entschieden, welche Startups vor Dümmel, Williams und Co. auftreten – und ist in der Sendung wirklich Platz für anspruchsvolle Innovationen?

6 Min. Lesezeit
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Wonach entscheidet Vox, welche Startups vor dem „Löwen“-Rudel und dem TV-Publikum pitchen dürfen? (Foto: RTL/Bernd-Michael Maurer)

Katja Rieger hat die „Höhle der Löwen“ als Executive Producerin und Leiterin der Bereiche Real Life/Factual Entertainment bei Vox von Anfang an begleitet – und wählt mit ihrem Team die auftretenden Startups aus. Im Interview erklärt sie, was dabei wichtig ist, wie lange ein Pitch in der Sendung tatsächlich dauert und inwiefern die Redaktion auf Kritik reagiert.

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t3n: Am 29. August startete die Ausstrahlung der zwölften Staffel „Die Höhle der Löwen“. Uns interessiert jetzt aber der Blick hinter die Kulissen. Wann waren denn die Dreharbeiten?

Katja Rieger: Unser Produktionszeitraum ist in der Regel von Ende Januar bis Mitte Mai. In dieser Zeit zeichnen wir mittlerweile nicht nur eine, sondern gleich zwei Staffeln auf – für den Herbst und das nächste Frühjahr. Mein Team und ich haben aber quasi das ganze Jahr Löwen-Produktion. Ab Juli steht beispielsweise die Abnahme der Herbststaffel auf dem Programm, ab November beschäftigen wir uns schon wieder mit den nächsten Gründer-Casts. 

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t3n: Wie läuft dieser Casting-Prozess ab?

Wir arbeiten dafür eng mit der Sony Pictures Film- und Fernseh GmbH, der Produktionsfirma der Sendung, zusammen. Das Team von Sony macht die Vorarbeit, prüft die eingegangenen Bewerbungen der Startups, die auf unterschiedlichste Art und Weise eingehen. Im nächsten Schritt bekommen mein Team und ich sogenannte Pakete mit Gründerinnen und Gründern vorgelegt. Zusammen mit den Sony-Kolleginnen und -Kollegen entscheiden wir dann, wer es in „Die Höhle der Löwen“ schafft.

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t3n: Gibt es dabei Grundregeln, was die Startups mitbringen sollten?

Es geht um gute, originelle Produkte und die Charaktere der Gründer:innen – manchmal habe ich das Gefühl, die sind für die Löwen sogar ein bisschen ausschlaggebender als das Produkt. Das Wichtigste ist aber, dass die Startups für die Löwen relevant und ein attraktiver Business-Case sind. Wir brauchen außerdem eine stimmige Mischung, also Food-Produkte, Techprodukte, Tüftler … Und am Ende sind wir eben eine Fernsehsendung, in der es um echte Investitionen geht, die aber durchaus auch unterhaltend sein dürfen.

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t3n: Genau daran gibt es immer wieder Kritik: Der Fokus der Sendung würde zu sehr auf der Unterhaltung und zu wenig auf anspruchsvollen Innovationen liegen. Wie sehen sie das?

Wir haben eine gute Mischung an Produkten, die aus meiner Sicht auch die Startup-Welt repräsentiert. Es sind immer wieder Tech-Startups dabei und in der neuen Staffel geht es zum Beispiel auch viel um grüne Mobilität.

Katja Rieger Vox Executive Producer DHDL

Katja Rieger ist seit 2014 für die „Höhle der Löwen“ zuständig. (Foto: Vox)

t3n: Wonach entscheiden sie persönlich, ob sie ein Unternehmen in die Sendung aufnehmen würden?

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Für mich ist es – neben dem Produkt – beim Casting wichtig, dass die Gründerinnen und Gründer faszinieren. Wenn ich zum Beispiel denke „wie mutig, wie intelligent“ oder auch „wie jung“. Wir haben diese Staffel in der ersten Sendung einen siebzehnjährigen Gründer, der selbstbewusst auftritt und ganz leidenschaftlich seine Erfindung präsentiert. Das sind Momente, die mich umhauen. Oder in Staffel vier, da gab es einen sehr emotionalen Pitch mit einer Mutter. Sie hat für ihr Kind, das im Mutterleib einen Schlaganfall hatte und dadurch halbseitig gelähmt war, eine Gehhilfe entwickelt. Sie hat sich von nichts und niemandem beirren lassen und zu Hause am Küchentisch ein Gerät zusammengelötet, weil sie daran geglaubt hat, dass sie ihrer Tochter helfen kann.  

t3n: Manche Deals, die in der Sendung geschlossen werden, kommen im Nachhinein doch nicht zustande – zum Beispiel, weil bestimmte Angaben nicht stimmen oder es menschlich nicht passt. Kann man dem bei der Auswahl der Startups schon irgendwie vorbeugen?

Wenn uns ein Unternehmen bei der ersten Sichtung gut gefallen hat, geht die Redaktion von Sony noch einmal ins Detail, bespricht zum Beispiel, wie die Geschäftsstrukturen aussehen. Wir arbeiten außerdem mit externen Businessberater:innen zusammen, die die Start-ups noch einmal komplett durchleuchten. Wir versuchen also, alle Faktoren nach bestem Wissen und Gewissen abzuklopfen.

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[Anmerkung der t3n-Redaktion: Vox ist lediglich für die Pitches und die Sendungsinhalte bei DHDL zuständig. Die geschäftlichen Prozesse zwischen den Gründer:innen und Investor:innen würden hingegen unabhängig vom Sender ablaufen.]

t3n: Die Zuschauer:innen sehen in der Sendung ja nur eine rund zwanzigminütige Zusammenfassung der einzelnen Pitches. Wie lange dauern die beim Dreh wirklich?

Wenn es schnell geht, dauert ein Pitch eine halbe Stunde, teilweise preschen ja auch Löwen vor und sagen: „Ich will den Deal, die anderen brauchen gar nicht mehr zu fragen.“ Aber manchmal dauert es eben auch bis zu eineinhalb Stunden. Da unsere Sendezeit begrenzt ist, ist es für die Producer im Schnitt dann natürlich eine Herausforderung, den Pitch nachvollziehbar auf 20 Minuten zu kürzen.

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t3n: Was sollten die Startups zum Pitch mitbringen?

Eigentlich nicht viel – das Produkt und die Zahlen des Unternehmens. Um dem Pitch einen passenden Rahmen zu geben, kreieren Ausstatter:innen im Studio ein entsprechendes Set. Und mittlerweile, nach elf Staffeln, sind die Gründerinnen und Gründer auch sehr gut vorbereitet, da sie die Sendungen im Vorfeld genau studieren. Sie wissen, welche Fragen von wem kommen könnten, was wichtig ist und was sie parat haben müssen. Es gibt immer ein paar Ausnahmen, aber die meisten sind schon von sich aus sehr gut vorbereitet.

t3n: Wie gehen Sie in der Redaktion damit um, wenn es negative Resonanz auf Startups gibt, wie das zum Beispiel bei Pinky Gloves passiert ist?

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Die Entscheidung, ob ein Start-up in die Sendung kommt, wird ja nicht von einer Einzelperson getroffen, sondern im Team diskutiert. Dabei gehen wir auch nicht nach Einzelaspekten, sondern nach dem Gesamtpaket.

Das Echo auf den Pitch von Pinky Gloves hat keiner von uns vermutet. Wir sind ein reines Frauenteam und keine von uns hat im Vorfeld Bedenken gehabt. Klar haben wir jetzt noch ein bisschen mehr die Antennen ausgefahren, auch in Hinblick darauf, welche Reaktionen ein Produkt auslösen kann. Trotzdem werden sicher auch immer wieder mal Produkte dabei sein, die polarisieren.

t3n: Zum Schluss eine Frage zur nächsten Staffel: Angeblich soll es 2023 personelle Veränderungen bei den Löwen geben?

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Was nächstes Jahr passiert – lassen Sie sich überraschen. Wir sind natürlich bemüht, immer wieder frischen Wind reinzubringen. Von den Investor:innen aus Staffel eins ist nur noch Judith Williams dabei, es gab immer wieder Veränderungen und Wechsel. Und auch wenn wir mit unserem aktuellen Löwen-Rudel sehr glücklich sind, wird es immer auch weitere Veränderungen geben.

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