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Kolumne

Digital sucks: Das Leben in der Beta-Welt

(Foto: Shutterstock)

Können wir reden? Digital sucks ... greatly! Da ist so ein quälendes Gefühl, dass eine Menge digitales Zeug irgendwie schief läuft. Oftmals werden digitale Produkte ihren Versprechen nicht gerecht.

Nehmen wir zum Beispiel Twitter. Für eine Weile sah es vielversprechend aus. Aber dann kam Trump. Wir haben unsere Uber-Fahrten genossen, nur um eine ausgewachsene Kernschmelze zu erleben. Oder denken wir an das Internet der Dinge. Wir hofften auf eine Zukunft voll von vernetzten Geräten, aber was wir stattdessen erleben, sind riesige Botnetze, die große Teile des Internets lahmlegen, und Glühbirnen, die anfällig für Virenangriffe sind.

Einst lauschten wir gläubig dem Versprechen künstlicher Intelligenz. Jetzt machen wir uns Sorgen, dass wir unsere Arbeit an Maschinen verlieren werden und dass AI schließlich die Weltherrschaft übernehmen und den Menschen als die höchste Lebensform auf der Erde ersetzen wird. Darüber hinaus haben wir stark an das Internet als eine leistungsfähige Plattform für eine blühende Kultur geglaubt. Stattdessen haben wir Angst bekommen, dass das Internet den kreativen Inhalt aus der ganzen Welt aufsaugen wird, bis nichts mehr übrig ist (David Byrne, 2013).

Digital sucks! Oder nicht? Eines ist sicher: Wir leben in einer Beta-Welt. Nichts Digitales scheint jemals fertig zu sein, und wir warten immer auf das nächste Update. Bei jedem Update werden alte Bugs behoben - und gleichzeitig neue eingeführt. Wir leben ständig an der vordersten Front und gehen mit unserem Einsatz von Technologie und Werkzeugen hohe Risiken ein.

Haben wir es mit einem weißen Elefanten zu tun? Wir können unsere digitalen Besitztümer nicht einfach so entsorgen, aber die Kosten sind allzu oft höher als ihr Nutzen.

Die gleiche Frage kann im Hinblick auf die digitale Transformation gestellt werden, vor allem in der Rückschau auf himmelhohe Investitionen, die die meisten Unternehmen im Laufe der letzten Jahre getätigt haben. Viel Zeit und Geld flossen in glänzende neue digitale Projekte, aber hat sich die Wahrscheinlichkeit des Überlebens für diese Unternehmen entsprechend erhöht? Oder sind sie immer noch mit den gleichen großen Risiken der Disruption konfrontiert? „Software is eating the world”, wie Marc Andreessen einst formuliert hat.

Wie konnte es geschehen, dass das Land der digitalen Utopie, mit Unicorns bevölkert, sich nun in einen dystopischen Albtraum verwandeln könnte? Jede Revolution hat ihre Kosten. Diese Kosten können zwar aus der Perspektive vieler Menschen zu hoch sein, aber haben diese Leute ein Mitspracherecht? Ironischerweise war es der unerbittliche Fokus auf den Nutzer der digitalen Technologie, den Verbraucher und den Mensch, der viele digitale Dinge so überwältigend erfolgreich gemacht hat. Der gleiche Nutzer, dem Technologie so viel Mehrwert gebracht hat, hat jetzt das Gefühl, dass der Preis, den er am Ende bezahlen muss, zu hoch sein könnte.

Wir verdienen eine bessere digitale Welt

Digital shouldn’t suck; weder für Kunden noch für Angestellte und andere Stakeholder.

Zunächst einmal müssen wir zugeben, dass die in den siebziger Jahren entstandene Tech-Utopie zumindest teilweise übermäßig optimistisch war und nicht so sehr in der Realität verankert war, wie in einer Art Wunschdenken. Technologie an sich ist nicht die Lösung für alle Arten von Problemen, sondern sie ist ein Werkzeug, das auf viele verschiedene Weisen verwendet werden kann. Die kalifornische Ideologie war schlicht – eine Ideologie. Als solche war sie sicherlich mächtig, aber früher oder später gerät jede Ideologie mit einer andersgearteten Realität in Konflikt.

Das ist genau das, was mit Uber und in geringerem Maße auch mit Lyft passiert. Beide Ridesharing-Dienste zeigten eine gewisse Art von Arroganz, als sie aus dem Markt in Austin zurückkamen, nachdem die Stadt beschlossen hatte, Hintergrundüberprüfungen für die Fahrer zu verlangen. Dies war ein klassisches Beispiel für den Zusammenstoß einer Ideologie des freien Marktes mit Regulierungsvorschriften.

Im Nachhinein war das aber nur eine düstere Vorahnung der PR-Katastrophe, vor der Uber Anfang 2017 stand, als CEO Travis Kalanick von einem Uber-Fahrer des schlechten Benehmens bezichtigt wurde, während gleichzeitig Vorwürfe von systematischem Sexismus und Belästigung auftauchten. Uber musste auf die harte Tour lernen, dass eine toxische Firmenkultur und eine eklatante Vernachlässigung der Verantwortung des Unternehmens auf die Firma zurückfallen kann und mit Sicherheit auch wird, was schließlich die Performance beeinträchtigt. Digital shouldn’t suck; weder für Kunden noch für Angestellte und andere Stakeholder.

Digitale Wertschöpfung basiert auf den Service-Erfahrungen des Nutzers

Zweitens: Da die Wertschöpfung von anderen Sektoren der Wirtschaft in den digitalen Bereich abwandert, geht dieser Prozess unweigerlich mit der Abwertung von traditionellen Vermögenswerten, Fertigkeiten und Arbeitsplätzen einher. Diese Verschiebung ist nichts Besonderes, es ist schon einmal passiert – zuerst mit der industriellen Revolution und später mit dem Aufstieg des Dienstleistungssektors. Lösungen sind notwendig, um den Übergang zu erleichtern, nicht um ihm zu widerstehen, denn Widerstand ist zwecklos. Die Menschen werden immer in Regionen, Industrien und Berufe strömen, wo die Wertschöpfung höher ist als anderswo. In diesen Tagen ist es die digitale Sphäre, wo das der Fall ist.

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