Analyse

Digitale Produktplatzierung: Tschüss, Werbeblock?

Nachträgliche Produktplatzierung in der Serie „Last Man Standing“. (Screenshot: Youtube)

Das KI-Unternehmen Mirriad fügt in Videos nachträglich perfekt zum Material passende Werbung ein. Warum jetzt eine Schwemme an Produktplatzierungen in Lieblingsserien und -filmen droht.

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt.“ Stell dir vor, du schaust auf dem Streamingdienst deiner Wahl wieder einmal „Forrest Gump“. Es ist wie immer dieser Satz, der fällt. Aber das dazugehörige Bild ist nicht immer dasselbe. Als du den Film das erste Mal gesehen hast, stand auf Forrests berühmter Pralinenschachtel „Russel Stover“ – eine traditionsreiche US-Marke, die hierzulande jedoch kaum einer kennt. Jetzt ist da der Name Ferrero zu lesen. In einigen Monaten schaust du wieder mal in den Film rein – und nun lautet die Aufschrift auf der Schokoladenschachtel Niederegger. Oder Lindt.

Nahtlos in das Video eingepasste Werbung

Dieses Szenario bietet das britische Unternehmen Mirriad an: Es kann in bestehendes Videomaterial Werbung einfügen, die so glaubhaft wirken soll, als sei sie ursprünglich mitgefilmt worden. Mirriad nutzt eine KI, die in einem Film oder einer Serie Szenen und Bildbereiche erkennt, in denen Werbetafeln eingefügt werden können. Oder gleich die beworbenen Produkte wie etwa Sektgläser, Kaffeebecher und Autos ergänzt werden. In Showreels präsentiert Mirriad sein Produkt und stellt sich selbst mit dem Slogan „Advertising for the Skip Generation“ vor.

Die nachträgliche Einfügung von Werbung in Videomedien ist nicht neu. Man kennt Werbeflächen wie die Bandenwerbung bei Sportübertragungen, über die je nach Ausstrahlungsgebiet ein anderer Werbeinhalt gelegt wird. Vor Jahren bekam auch die Serie „How I Met Your Mother für eine erneute Ausstrahlung alter Folgen neue In-Stream-Werbung spendiert – die Ersetzung wurde manuell durchgeführt.

Mirriad punktet jedoch nicht nur mit einer hohen optischen Qualität seiner Ergänzungen. Der Prozess soll auch stark automatisiert sein und es ermöglichen, die In-Stream-Werbung genau für die gewünschte Zielgruppe zuzuschneiden. Die identifizierten Szenen für Produktplatzierung können je nach Ausstrahlungsort, -zeitpunkt oder auch je nach Person des Empfängers mit unterschiedlichem Werbeinhalt gefüllt werden, so das Versprechen der Methode. Werbetreibende können diese Werbeplätze buchen wie auch traditionellere Formen digitalen Advertisings. Das Engagement lässt sich nach Episoden, Serien und Networks fast beliebig weit skalieren.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

7 Kommentare
Gunar Gürgens
Gunar Gürgens

Wäre immerhin weniger nervig als Pop-Ups, diese behinderten Lücken im Text, diese tollen Balken, die den halben Content verdecken oder im Web mein absoluter Favorit, komplett Magentafarbene Hintergründe, bei denen ich spontan zum Kübeln neige (war mal der Grund warum ich 2 Monate nicht auf spiegel.de war).
Und nun zurück zum Thema: fände ich gut, wenn es gut passt, warum sollte Tim Taylor nicht das t3n Magazin lesen?

Antworten
DKeu

Na das wird lustig. T-Online Werbung in knalligem Magenta, künstlich hinzugefügte Plakatwände, wo früher Aussicht oder Leere war (beides kann im Film ja wichtig sein) und ein BMW der penetrant auf der Straße steht, inklusive Werbeschild im Hintergrund. Das Showreel macht etwas Angst. Bei kleineren Objekten wie Laptops oder Kaffeebecher, verstehe ich das noch, alles andere wirkt einfach zu heftig.

Das verändert den Look und Stil einer Szene dann schon ziemlich stark. Passt allerdings zu unserer Zeit und da Filme eh nur noch Spekulationsobjekte sind, keine Kunst mehr (zumindest der Großteil), juckt mich das persönlich auch nicht. Sollen sie die schwachsinnigen Filme eben noch mehr abwerten, indem neben den üblichen Produktplatzierungen jetzt auch noch automatisch generierte hinzukommen.

Antworten
Markus
Markus

Wenn wir zu dem Preis endlich Werbeblock freies Fernsehen bekommen, würde ich vielleicht sogar Mal wieder den Fernseher einschalten, denn mein passiver TV Konsum übersteht die langen Pausen nicht.

Als Contentproduzent sehe ich aber rechtliche Probleme, denn bei zielgruppenspezifischer Werbung denke ich an Pornos am Abend platziert in meinem FSK0 Inhalten oder bei YouTube im Tutorial finde ich kann es sehr negativ wirken.

Antworten
_annoyed
_annoyed

Journalisten sollten immer etwas vorsichtig sein, welche Behauptungen der Industrie oder ihrer „Experten“ genannten Lobbyisten und Verkäufer sie für bare Münze nehmen und in den Fließtext übernehmen statt sie als Zitate zu verarbeiten.

Man sollte bedenken: So ziemlich jede Technologie landet früher oder später in den Händen der Endverbraucher. Besonders natürlich softwareseitig. Und da sehe ich überhaupt kein größeres Problem darin, mit genau der gleichen Technologie nachträglich eingefügte Werbeinhalte zu überschreiben. Da wird es, analog zu Untertiteln, einen Markt geben und genug Freiwillige. Dann wird die Coca-Cola-Werbung in Mad Max eben durch eine Pip-Boy Anzeige im 60erjahre-Stil überschrieben, und die Wahlwerbung für die CSU in 1984… wobei, nee, das passt dann eigentlich auch wieder ganz gut…

Antworten
Benutzer
Benutzer

Solange man sich Werbeblöcke spart, warum nicht. Markentreue ist spätestens seit der roten Reichsflagge eh in Frage zu stellen, aber wenn die glauben nur zu.

Und zum BMW am Straßenrand habe ich direkt gedacht: „Schaut Mal an, selbst im Film gibt es behinderte BMW Fahrer die allen auf den Sack gehen und keine Verkehrsregeln kennen…“ Ob das so wirklich die Message sein soll?

Oder man schaut in die leere und da hängt auf einmal so ein …was machen die in Pink nochmal? Reiseveranstalter? Und man denkt doch glatt an Thomas Cook…

Antworten
Guysi

Das ist auf jeden Fall ein ganz interessantes neues Gebiet der Werbung, mal schauen, was da noch kommt….

Antworten
Jan Watermann

Das klingt super interessant und könnte das Thema Produktplatzierungen in dem nächsten Jahrzehnt revolutionieren. Was wäre, wenn eingebundene Produktplatzierungen nicht mehr permanent sind, sondern sich alle paar Jahre mal ändern? Sowohl für den Werbeanbieter als auch für den Werbetreibenden entstehen hier Chancen.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung