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Kolumne

Die Antwort auf die Digitalisierung? Deutsches Handwerk!

(Foto: dpa)

Eine Antwort auf die vielen noch ungeklärten Fragen der Digitalisierung unserer Arbeitswelt könnte ausgerechnet das deutsche Handwerk liefern. Tim Leberecht erklärt wieso.

Das Handwerk ist in Deutschland eine Macht: In rund 887.000 Betrieben arbeiten knapp fünf Millionen Menschen, zudem fast 500.000 Auszubildende. Somit sind 12,8 Prozent aller Erwerbstätigen und rund 31 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland im Handwerk tätig. Dennoch sind die Probleme groß. Es mangelt an Fachkräften und ein Drittel der Auszubildenden entscheidet sich letztlich für einen anderen Berufsweg, nicht zuletzt, weil die Industrie mit im Durchschnitt 1.000 Euro höheren Gehältern lockt – von den Verheißungen der Tech-Startups ganz zu schweigen.

Digital mit Herz und Hand

Kürzlich habe ich an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München teilgenommen, gemeinsam mit der Beraterin Katja Nettesheim, die als Expertin im Bereich Digitalisierung geladen war, während ich als „Business Romantiker“ für die Humanisierung der Wirtschaft geworben habe. Das Thema: die Zukunft des Handwerks und inwieweit diese digital stattfinden kann, ohne die dem Handwerk innewohnenden Werte – Authentizität, Tradition, Regionalität und Transparenz – zu zerstören.

Meine zentrale Frage: Wie kann man die Romantik des Handwerks erhalten, ohne zu romantisieren? Wie kann sich das Handwerk – ohne rosarote Brille – sein Selbstverständnis bewahren? Geht das überhaupt, Digitalisierung mit Herz und Hand? Das ist nicht nur die entscheidende Frage für die Zukunft des Handwerks, sondern die Herausforderung für die deutsche Wirtschaft schlechthin.

Ich bin kein Handwerker, aber ich bin im Mittleren Neckarraum aufgewachsen, umgeben von zahlreichen Mittelständlern und Handwerksbetrieben. Die letzten 15 Jahre lebte und arbeitete ich im Silicon Valley, wo ich eine entfesselte, auf exponentielles Wachstum getrimmte Welt kennenlernte. Beide Erfahrungen haben mich geprägt und zu der Überlegung gebracht, wie sich die Gegensätze vereinen lassen: Digitalisierung mit Menschlichkeit sowie die rationale Logik der Wirtschaft mit unserer Sehnsucht nach Emotionen, nach mehr Bedeutung jenseits der Zahlen.

Rehumanisierung wird zum Megatrend

Es ist ein Begehren, das immer stärker wird – von der Achtsamkeitsbewegung zur zunehmenden Anzahl von Konferenzen und Publikationen mit Schwerpunkt auf „Rehumanisierung“ bis hin zum Center for Humane Technology, das der Ex-Facebook-Manager Tristan Harris ins Leben gerufen hat. Ein Gegenentwurf zur digitalen Automatisierung der Welt, zu einer technologiegläubigen Mechanisierung, die uns zunehmend entmenschlicht, in dem sie uns auf reine Effizienz und Selbstoptimierung reduziert. Einer Umfrage der Personalberatung Korn Ferry zufolge betrachten schon jetzt zwei Drittel der weltweiten Führungskräfte nicht mehr ihre Mitarbeiter als ihr wertvollstes Gut, sondern ihre Technologie.

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