Ratgeber

Diskriminierung und Belästigung: Das erleben Frauen im Arbeitsalltag

Frauen, die Diskriminierung und Belästigung erfahren, müssen wissen: Sie sind nicht allein! (Bild: Shutterstock / Alex Gontar)

Diskriminierung und sexuelle Belästigung gehören noch immer zum Arbeitsalltag von Frauen. Betroffene sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. Daher lassen wir unsere Leserinnen hier berichten.

Ein blöder Spruch, eine unerwünschte Berührung oder unangemessene Blicke: Fast jede Frau hat das bereits erleben müssen. Zu glauben, Diskriminierung und sexuelle Belästigung seien nur ein Problem verstaubter Großkonzerne, ist dabei ein Trugschluss. Gerade Startups haben ein ernsthaftes Sexismus-Problem. Frauen sind auch nicht durch Führungspositionen vor solchen Erfahrungen geschützt.

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Wir haben unsere Leserinnen auf Facebook, Twitter und Instagram aufgerufen, uns von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung und sexueller Belästigung im Arbeitsalltag zu berichten.

Inhaltswarnung: Der folgende Text enthält Beschreibungen von verbalen und körperlichen sexuellen Übergriffen.

Kaffee kochen, Küche putzen: Frauenarbeit

Aus den vielen (häufig anonymen) Einsendungen lassen sich verschiedene Formen der Diskriminierung und Herabwürdigung ablesen. Eine davon ist es, Frauen zu Tätigkeiten abzukommandieren, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, aber als „Frauenarbeit“ wahrgenommen werden.

„Wir waren sechs Immobilienmakler – fünf Männer und eine Frau. Als ein wichtiger Kundentermin bevorstand, wurde ich als einzige gebeten, morgens früher zu kommen, um dann diesen Kunden und alle anderen mit Kaffee zu bedienen. Die ‚Buben‘ haben es nicht verstanden, dass ich mich weigerte. Vielleicht verstehen sie es heute?“, berichtet eine Leserin. Und damit ist sie nicht allein:

„Mein Chef holte uns weiblichen Mitarbeiter in einem mittelständischen IT-Unternehmen zusammen. Allesamt Consultants. Wir wundern uns schon. Dann ging es in die Kaffeeküche, um uns zu zeigen, wie man den neuen Kaffeeautomaten sauber macht. Ist ja Frauenaufgabe.“

Auch Protokollieren in Meetings wird oft zur Frauenaufgabe erklärt:

„Ich bin seit vielen Jahren leitende Redakteurin für verschiedene, sehr technische Fachzeitschriften. Bei vielen Sitzungen heißt es: ‚Frau Richter* macht sicher das Protokoll.‘ Äh, nein!“

„Ich war Fachbereichsleiterin bei einem großen Unternehmen in einer ‚Männerdomäne‘ und diskutierte mit meinem Chef und einem Kollegen (ebenfalls Fachbereichsleiter, also selbe Hierarchiestufe wie ich) über irgendeine Sache, die eigentlich Aufgabe des Kollegen gewesen wäre. Aber er hatte keine Lust darauf und die beiden Männer redeten auf mich ein, dass ich das doch tun sollte. Ich knickte irgendwann ein. Mein Chef sagte daraufhin: ‚Braves Mädchen!‘“

„Ich möchte das lieber mit Ihrem Kollegen besprechen!“

Ausdrucksform Nr. 2 ist das häufige Absprechen oder Infragestellen der Kompetenz von Frauen in ihrem Job:

„Oft muss ich mir anhören: ‚Ich weiß gar nicht, was du den ganzen Tag so treibst!‘ Mein Job: Finanzbuchhaltung, HR intern und extern, Veranstaltungen planen, Office-Management, Reiseplanung, Meetings vorbereiten, Abrechnung, Mahnwesen, einkaufen, PR, CMS-Support in WordPress und TYPO3, Software und Lizenzen und und und …“

„Der Klassiker: die Frage nach dem Fotografen, wenn ich als Fotografin mit zwei Kameras um den Hals im Raum stehe. Gefolgt von: ‚Die Assistentin ist ja schon hier.‘“

„Wir bekamen unser neues Produkt ins Lager geliefert und ich (Mitte 20) wollte mir die Verpackung ansehen, für die ich die Texte geschrieben hatte. Der Lagermitarbeiter brachte ein Exemplar ins Büro. Er zeigte es mir und dem Kollegen aus dem Vertrieb (Anfang/Mitte 50). Die beiden fingen an, sich darüber zu unterhalten. Ich wollte in die Unterhaltung einsteigen und auf ein paar Features aufmerksam machen. Ich hatte mich schließlich tagelang mit dem Produkt beschäftigt, um die Verpackungstexte und Bedienungshinweise zu schreiben. Da ranzte mich der Vertriebskollege an: ‚Wenn sich Männer unterhalten, hast du nicht dazwischen zu quatschen!‘“

„In einem Personalentwicklungsgespräch schilderte ich, dass ich mich gerne für eine Karriere mit disziplinarischer Führung entscheiden möchte. Mit meinen 6 Jahren Berufserfahrung und 28 Lebensjahren nach meinem Empfinden eher eine gute Entscheidung, die mein Gegenüber jedoch kommentierte mit: ‚Du weißt aber schon, dass du zwei Handicaps hast?‘ Schweigen. Es rattert in meinem Kopf und macht schließlich klick und ich sage: ‚Dass ich jung bin und weiblich.‘ Mein Gegenüber nickt nur.“

„Ich hatte mich für einen Nebenjob in einer Marketingagentur beworben. Beim Einarbeiten wurde mir im ersten Monat immer wieder aufs Neue erklärt, was Google ist und wie man eine E-Mail-Adresse einrichtet. Alle 30 Minuten wurde sich zu mir gesetzt und abgefragt, was ich genau gerade mache. Für den Job war übrigens ein Digital Native gesucht worden und es war klar, dass ich Informatik studiere und schon in Online-Kampagnen mitgewirkt habe. Der Mann (BWL-Student, hatte vorher noch nichts mit Marketing gemacht), der zeitgleich mit mir angefangen hat, wurde einfach nur an den PC gesetzt, durfte von Beginn an Analysen schreiben und wurde nicht beaufsichtigt.“

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