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Diskriminierung und Belästigung: Das erleben Frauen im Arbeitsalltag

Frauen, die Diskriminierung und Belästigung erfahren, müssen wissen: Sie sind nicht allein! (Bild: Shutterstock / Alex Gontar)
Lesezeit: 12 Min.
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Diskriminierung und sexuelle Belästigung gehören noch immer zum Arbeitsalltag von Frauen. Betroffene sollen wissen, dass sie nicht alleine sind. Daher lassen wir unsere Leserinnen hier berichten.

Ein blöder Spruch, eine unerwünschte Berührung, unangemessene Blicke: Fast jede Frau hat das bereits erleben müssen. Zu glauben, Diskriminierung und sexuelle Belästigung seien nur ein Problem verstaubter Großkonzerne, ist dabei ein Trugschluss. Gerade Startups haben ein ernsthaftes Sexismus-Problem. Frauen sind auch nicht durch Führungspositionen vor solchen Erfahrungen geschützt.

Wir haben unsere Leserinnen auf Facebook, Twitter und Instagram aufgerufen, uns von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung und sexueller Belästigung im Arbeitsalltag zu berichten.

Inhaltswarnung: Der folgende Text enthält Beschreibungen von verbalen und körperlichen sexuellen Übergriffen.

Kaffee kochen, Küche putzen: Frauenarbeit

Aus den vielen (häufig anonymen) Einsendungen lassen sich verschiedene Formen der Diskriminierung und Herabwürdigung ablesen. Eine davon ist es, Frauen zu Tätigkeiten abzukommandieren, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, aber als „Frauenarbeit“ wahrgenommen werden.

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„Wir waren sechs Immobilienmakler – fünf Männer und eine Frau. Als ein wichtiger Kundentermin bevorstand, wurde ich als einzige gebeten, morgens früher zu kommen, um dann diesen Kunden und alle anderen mit Kaffee zu bedienen. Die ‚Buben‘ haben es nicht verstanden, dass ich mich weigerte. Vielleicht verstehen sie es heute?“, berichtet eine Leserin. Und damit ist sie nicht allein:

„Mein Chef holte uns weiblichen Mitarbeiter in einem mittelständischen IT-Unternehmen zusammen. Allesamt Consultants. Wir wundern uns schon. Dann ging es in die Kaffeeküche, um uns zu zeigen, wie man den neuen Kaffeeautomaten sauber macht. Ist ja Frauenaufgabe.“

Auch Protokollieren in Meetings wird oft zur Frauenaufgabe erklärt:

„Ich bin seit vielen Jahren leitende Redakteurin für verschiedene, sehr technische Fachzeitschriften. Bei vielen Sitzungen heißt es: ‚Frau Richter* macht sicher das Protokoll.‘ Äh, nein!“

„Ich war Fachbereichsleiterin bei einem großen Unternehmen in einer ‚Männerdomäne‘ und diskutierte mit meinem Chef und einem Kollegen (ebenfalls Fachbereichsleiter, also selbe Hierarchiestufe wie ich) über irgendeine Sache, die eigentlich Aufgabe des Kollegen gewesen wäre. Aber er hatte keine Lust darauf und die beiden Männer redeten auf mich ein, dass ich das doch tun sollte. Ich knickte irgendwann ein. Mein Chef sagte daraufhin: ‚Braves Mädchen!‘“

„Ich möchte das lieber mit Ihrem Kollegen besprechen!“

Ausdrucksform Nr. 2 ist das häufige Absprechen oder Infragestellen der Kompetenz von Frauen in ihrem Job:

„Oft muss ich mir anhören: ‚Ich weiß gar nicht, was du den ganzen Tag so treibst!‘ Mein Job: Finanzbuchhaltung, HR intern und extern, Veranstaltungen planen, Office-Management, Reiseplanung, Meetings vorbereiten, Abrechnung, Mahnwesen, einkaufen, PR, CMS-Support in WordPress und TYPO3, Software und Lizenzen und und und …“

„Der Klassiker: die Frage nach dem Fotografen, wenn ich als Fotografin mit zwei Kameras um den Hals im Raum stehe. Gefolgt von: ‚Die Assistentin ist ja schon hier.‘“

„Wir bekamen unser neues Produkt ins Lager geliefert und ich (Mitte 20) wollte mir die Verpackung ansehen, für die ich die Texte geschrieben hatte. Der Lagermitarbeiter brachte ein Exemplar ins Büro. Er zeigte es mir und dem Kollegen aus dem Vertrieb (Anfang/Mitte 50). Die beiden fingen an, sich darüber zu unterhalten. Ich wollte in die Unterhaltung einsteigen und auf ein paar Features aufmerksam machen. Ich hatte mich schließlich tagelang mit dem Produkt beschäftigt, um die Verpackungstexte und Bedienungshinweise zu schreiben. Da ranzte mich der Vertriebskollege an: ‚Wenn sich Männer unterhalten, hast du nicht dazwischen zu quatschen!‘“

„In einem Personalentwicklungsgespräch schilderte ich, dass ich mich gerne für eine Karriere mit disziplinarischer Führung entscheiden möchte. Mit meinen 6 Jahren Berufserfahrung und 28 Lebensjahren nach meinem Empfinden eher eine gute Entscheidung, die mein Gegenüber jedoch kommentierte mit: ‚Du weißt aber schon, dass du zwei Handicaps hast?‘ Schweigen. Es rattert in meinem Kopf und macht schließlich klick und ich sage: ‚Dass ich jung bin und weiblich.‘ Mein Gegenüber nickt nur.“

„Ich hatte mich für einen Nebenjob in einer Marketingagentur beworben. Beim Einarbeiten wurde mir im ersten Monat immer wieder aufs Neue erklärt, was Google ist und wie man eine E-Mail-Adresse einrichtet. Alle 30 Minuten wurde sich zu mir gesetzt und abgefragt, was ich genau gerade mache. Für den Job war übrigens ein Digital Native gesucht worden und es war klar, dass ich Informatik studiere und schon in Online-Kampagnen mitgewirkt habe. Der Mann (BWL-Student, hatte vorher noch nichts mit Marketing gemacht), der zeitgleich mit mir angefangen hat, wurde einfach nur an den PC gesetzt, durfte von Beginn an Analysen schreiben und wurde nicht beaufsichtigt.“

Frauen als sexuell verfügbare Objekte

Das, woran die meisten beim Thema Belästigung und Diskriminierung wohl als erstes denken, sind sexuell anzügliche, grenzüberschreitende Kommentare und Handlungen. Oft wird Frauen beispielsweise nahegelegt, sich in bestimmter Weise zu geben, oder sie werden Kunden gegenüber als „Verkaufsargument“ eingesetzt:

„Als ich neu in einer Redaktion war, fragte ich eine Kollegin, wie ich am besten ein bestimmtes Thema beim Chef vorschlagen könne. Sie riet mir, ich solle mich vor ihm als ‚Mäuschen‘ geben, vielleicht einen Rock anziehen, dann würde ich schon bekommen, was ich wolle. Denn er sei eben ‚so einer‘.“

„Ein Kollege aus der mitarbeitenden Agentur sagte zu mir nach der Vorstandspräsentation, die ich vorbereitet und präsentiert habe (mit allen Teilnehmern, alle männlich, noch im Raum): ‚Mensch das war ja schon ganz gut, aber warum trägst du nicht mal weniger hochgeschlossene Kleidung? Dann würden wir alle noch besser zuhören.‘ Alle lachen.“

„Er, Ü40, angesehener Salesmanager: ‚Schalte bei dem Web-Meeting später bitte auf jeden Fall deine Kamera ein – du bist ein verkaufsförderndes Element.‘ Ich war damals Mitte 20 und recht neu in der IT-Branche.“

„Situation in einem Bewerbungsgespräch – alleine mit dem potenziellen Chef. Er: ‚Ach, Sie haben ein abgeschlossenes Studium? Berufserfahrung auch? Das brauchen Sie bei mir alles nicht. Ich dachte mehr daran, dass Sie mit den Herren nett essen gehen und uns so neue Kunden besorgen.‘“

„In meinem ersten Job war ich sehr engagiert und wollte entsprechend zeigen, was ich kann. Das führte dann soweit, dass mein Chef meinte, er würde mich zur Belohnung zum Essen einladen. Das wäre Standard. Das Essen endete mit der Frage, ob ich nicht noch mit in sein Hotelzimmer kommen würde.“

„An meinem ersten Tag in der neuen Abteilung meines Büros sagte ein Kollege: ‚Cara* ist aber ein sexy Name.‘ Ich meinte daraufhin: ‚Du weist schon, dass solche Sprüche als sexuelle Belästigung gelten?‘ Danach hat er über zwei Jahre lang mehrmals versucht, mich feuern zu lassen.“

„Bei einer Umfrage auf unserem Messestand bei einer großen Messe fragte ich einen Gast nach einer Einordnung unseres Produktes auf einer Skala von 1 bis 10. Seine Antwort war: ‚Bevor ich dir eine Nummer sage, will ich erst einmal deine Nummer haben.‘ Dass meine Kolleginnen und ich ebenfalls ständig nach unseren Plänen für den Feierabend gefragt wurden, lohnt sich kaum zu erwähnen.“

„Wenn ich etwas Dringendes, Geschäftliches in Erfahrung bringen muss, kommen Sprüche wie: ‚Das können wir am Wochenende bei einem guten Essen bei mir zu Hause klären.‘ Dass er in einer offeneren Lebensabschnittsgemeinschaft lebte, muss er mir natürlich ebenso auf die Nase binden.“

„Es ging um das Thema Pony (Frisur). Kollege 1: ‚Mag ich an Frauen nicht so. Die gucken dann immer so komisch.‘ Kollege 2: ‚Wenn die erstmal vor dir knien, ist es dir auch egal wie sie gucken.‘“

„Mein Chef meinte: ‚Wird Zeit, dass du endlich fertig bist mit deiner Ausbildung, damit ich dir an die Titten fassen kann.‘“

„An dem Tag, als die Bild-Zeitung das Oben-ohne-Mädchen auf Seite eins abgeschafft hat, hat mir mein Chef in einem rein männlich besetzten Meeting empfohlen, mich dort zu melden – falls die Zeitung ihren Fehler einsehen sollte, läge meine Bewerbung ganz oben. ‚Das wäre doch was für Sie!‘“

„Ich hatte mal ein Job-Interview, da wurde ich vom Firmenboss gefragt, ob ich einen eifersüchtigen Freund hätte. Ich verneinte. Daraufhin meinte er: ‚Gut, dann wär es hoffentlich kein Problem, bei Geschäftsreisen mit mir auf einem Zimmer zu schlafen. Ich bin so ungern allein.‘ Daraufhin bin ich gegangen, habe abgelehnt und wurde noch drei Mal von ihm per Telefon belästigt. Sein Angebot am Telefon, um mir entgegenzukommen, war dann, dass ich ja nicht dort mit ihm übernachten müsste, aber doch bitte mindestens bis Mitternacht bei ihm bleiben sollte.“

„Ich habe es bereits mehrfach erlebt: Wenn man als Frau krank oder erkältet ist, muss man sich zum Teil von männlichen Kollegen Sprüche anhören, die wirklich nicht in Ordnung sind: ‚Du weißt ja, was besonders viel Vitamin C hat‘, ‚Soll ich dich mit Vitamin C versorgen?‘ oder ‚Ich wüsste da eine gute Medizin gegen deine Erkältung.‘ Selbst wenn es sich um Kollegen handelt, mit denen man vielleicht ein etwas engeres Verhältnis hat: Ist ihnen gar nicht bewusst wird, dass es sich bei solchen Sprüchen um massive sexuelle Belästigung handelt? Mittlerweile sage ich immer etwas, aber lange Zeit habe ich solche Sprüche erduldet. Wenn ich jetzt was sage, kommt als Antwort: ‚Aber so war das doch gar nicht gemeint‘, ‚War doch nur ein kleiner Spaß‘, oder ‚Du bist ja eine richtige Emanze geworden.‘ Wann verstehen Männer, dass sie Frauen so unglaublich oft sexuell belästigen, ohne es zu merken? Und wann verstehen Frauen endlich, dass sie das nicht erdulden müssen und dass das nicht okay ist?“

„Ich war Projektmanagerin in einer kleinen Agentur. Bevor ich einen Workshop vor Neukunden geben sollte, sagte meine Chefin zu den Herren, dass sie mir aber nicht permanent auf den Arsch schauen sollen. Allein diese Steilvorlage und natürlich das unangebrachte Verhalten meiner Chefin führten dazu, dass ich den Workshop total nervös führte. Noch schlimmer fand ich allerdings, dass der Kommentar von einer Frau kam.“

„Er sagte: ‚Es liegt ja an dir und wie nett du zu mir bist, wie viel Prämie du bekommst.‘ Ich habe so wenig bekommen, dass meine Kollegin ihre Prämie mit mir geteilt hat.“

„Mir wurde auf einer Veranstaltung mehrfach an den Busen gefasst. Mein Chef hatte nichts Besseres zu tun, als darüber zu lachen und wochenlang Scherze auf meine Kosten zu machen. Das war kurz nach #metoo und hier hieß es in meinem Fall dann #metooplease.“

„Ich kam morgens ins Büro und auf meiner Tastatur lag das Januar-Kalender Blatt des hauseigenen Männerkalenders (ein Mann, der oben ohne etwas bohrte). Hier hatte mein Kollege dann eine Sprechblase gebastelt und auf das Kalenderblatt getackert, auf der stand: ‚Hallo Sarah*, wenn du willst, bohre ich auch an dir rum!‘“

„Ich bin Content-Managerin und arbeitete mit einem großen Gesundheitsunternehmen zusammen. Es stand das jährliche Kreativ-Meeting an. Der Chef fordert Brainstorming; alle waren in Gedanken. Er forderte zwei anwesende Frauen – eine davon war ich – auf, sofort eine Idee zu entwickeln. Ich sagte, dass ich Zeit brauche für kreative Einfälle. Seine Antwort vor allen Anwesenden: ‚Dann lass uns ins Nebenzimmer gehen. Ich mach dann mal meine Hose auf und helfe dir auf die Sprünge.‘ Alle waren entsetzt, aber niemand sagte etwas. Eine Stunde nach dem Meeting (so lange dauerte die Heimfahrt) habe ich per Mail die Zusammenarbeit beendet. Es folgte wochenlanger Telefonterror mit Anrufen nachts um 2 Uhr.“

„Ich war Praktikantin in einem großen Telekommunikationsunternehmen. Die Kollegen waren alle wirklich nett, man kam gut miteinander aus. Einer bot mir an, mich mitzunehmen, weil gerade keine Bahn fuhr. Es war nur ein Stück, vielleicht zehn Minuten mit dem Auto. Plötzlich verriegelt er die Tür und seine Hand landet auf meinem Bein. Kein besonders tolles Gefühl. Am nächsten Tag habe ich das den Kollegen erzählt, die sich auch top verhalten haben, besonders die anderen Männer. Keiner hat ihn mehr in meine Nähe gelassen und es wurde drauf geachtet, dass ich nirgendwo alleine mit ihm sein muss. Die Vorgesetzten hingegen reagierten nur mit Schulterzucken. Später habe ich dann rausgefunden, dass es schon ähnliche Beschwerden gab. Die Konsequenz: Er selber durfte keine Praktikantinnen mehr betreuen.“

Schwangerschaft: Frauen als Risikofaktor

Cis-geschlechtliche Frauen sind offenbar schon alleine aufgrund der Möglichkeit, schwanger werden zu können, ein Risikofaktor für Unternehmen – oder zumindest weniger (be-)förderungswürdig als Angestellte, die nicht schwanger werden können. So berichtet uns beispielsweise eine Leserin: „Ein Betriebsratsmitglied sagte mir als Azubine: ‚Frauen in Managementpositionen gibt’s eher nicht – weil Frauen ja nach einem halben Jahr schwanger und dann weg vom Fenster sind!‘“

„Meine damalige Chefin (!) hat einer Höhergruppierung nicht zugestimmt mit den Worten ‚Frau Stein*, Sie sind jung und haben bestimmt bald Kinder. Dann habe ich hier eine Stelle, die ich besetzen muss, und mehr Mütter in meiner Abteilung, als ich so schon gebrauchen kann.‘“

„Als ich schwanger wurde, sagte man mir: ‚Dann müssen wir Sie entlassen. Sie haben ja einen Partner, der arbeiten geht. Also sind Sie ja erstmal abgesichert und können eine Weile auf Erziehungszeit machen.‘ Bei meiner Antwort, dass ich das nicht auf mir sitzen lasse und klagen werde: ‚Tun Sie das, aber uns wird schon ein Grund einfallen, dass die Kündigung durchgeht.‘“

„In meinem Studentenjob erlebt: Festangestellte Kollegin um die 40 wird schwanger. Chef: ‚Nein, da planen wir erstmal keinen Ersatz. Vielleicht realisiert sie ja die Lage, in die sie uns damit bringt, und treibt ab.‘“

* Namen von der Redaktion geändert.

Was können Betroffene tun?

Die hier wiedergegebenen Erfahrungen sind nur ein kleiner Teil der vielen Zuschriften, die uns erreicht haben. Und natürlich können auch Männer von Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz betroffen sein. Daher ist es wichtig, zu wissen, was Betroffene – egal welchen Geschlechts – tun können.

Wer Opfer von sexueller Belästigung oder Diskriminierung wird, sollte sich zuerst darüber klar werden: Dich trifft keine Schuld! Egal, wie tief ausgeschnitten das Oberteil ist oder wie locker der Umgangston am Arbeitsplatz ist: Nichts rechtfertigt oder legitimiert Grenzüberschreitungen.

Je nach Art der Belästigung oder Diskriminierung und immer abhängig vom eigenen Wohlbefinden können die Vorfälle direkt beim Gegenüber angesprochen werden. Grenzen sollten dann unmissverständlich kommuniziert werden. Ist ein direktes Ansprechen nicht möglich, können sich Betroffene Kollegen oder Kolleginnen anvertrauen, die ihnen nahestehen, oder sich – sofern vorhanden – an die Vertrauenspersonen des Unternehmens wenden. Zudem ist es hilfreich, Vorfälle zu dokumentieren und gegebenenfalls Zeugen zu benennen. Schließlich sollten sich Betroffene oder Personen, denen sie sich anvertraut haben, an Vorgesetzte oder den Betriebsrat werden.

Betroffene haben außerdem die Möglichkeit, sich an die Antidiskriminierungsstelle zu wenden und sich dort beraten zu lassen: 030/18 555 18 55.

Was können Außenstehende tun?

Von Belästigung oder Diskriminierung Betroffene fühlen sich oft eingeschüchtert und wagen es aus Angst um die eigene Postion im Unternehmen nicht, Vorfälle anzusprechen. Umso wichtiger ist es für sie, zu wissen, dass sie nicht allein gelassen werden. Werdet ihr Zeuge von sexueller Belästigung, bietet der betroffenen Person eure Hilfe an. Erkundigt euch, ob Unterstützung benötigt wird, und versichert euren Beistand. Ganz wichtig: Ergreift keine Maßnahmen, ohne dies vorher mit der oder dem Betroffenen besprochen zu haben!

Gleichzeitig kann jeder und jede etwas dazu beitragen, den Nährboden für Diskriminierung abzutragen. Seid euch bewusst, dass wir alle in einer Gesellschaft leben, in der sexistische Strukturen existieren. Jeder von uns hat Sexismus verinnerlicht. Sich darüber im Klaren zu sein, hilft dabei, wachsamer durch den (Berufs-)Alltag zu gehen.

Ihr hört abfällige Kommentare oder sexistische Bemerkungen im Team? Sprecht die Urheber darauf an! Zeigt ihnen, dass ihr Verhalten nicht okay ist, und solidarisiert euch mit den Betroffenen. Lacht bei sogenannten Altherrenwitzen (ein Euphemismus für Misogynie) nicht mit.

Was können Unternehmen tun?

Jedes Unternehmen hat seinen Beschäftigten gegenüber eine Schutzpflicht. Dazu gehört sowohl die Prävention von Diskriminierung und Belästigung als auch die Behandlung konkreter Fälle. So sind Arbeitgeber beispielsweise verpflichtet, eine Meldestelle für Betroffene einzurichten. Diese Beschwerdestelle wiederum muss jeder Beschwerde nachgehen und den Arbeitgeber darüber zu informieren. Das Maßregelungsverbot (§ 16 AGG) schreibt dabei fest, dass Betroffenen keine Nachteile aus ihrer Beschwerde erwachsen dürfen.

Es ist sinnvoll, ein transparentes Beschwerdeverfahren einzurichten und darüber zu informieren. So wissen Betroffene und unterstützende Personen, was sie tun können und erwarten dürfen. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sind Arbeitgeber verpflichtet, für den konkreten Einzelfall geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören Ermahnung, Abmahnung, Versetzung oder Kündigung.

Ein umfangreiches Beratungsangebot liefert diese Broschüre der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Wichtig ist außerdem, Sexismus als strukturelles Problem zu begreifen und nicht als Einzelfälle abzutun. Dazu gehört es auch, Führungspersonen zu sensibilisieren und zu schulen. Darüber hinaus können Kommunkationsrichtlinen dabei helfen, ein für alle sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen.

Lest mehr dazu, was Unternehmen gegen sexuelle Belästigung tun können.

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